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Europa : Die Schuldenkrisensaga nimmt kein Ende

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Bild: F.A.Z.

Das Drama um schwache Wirtschaftsstrukturen und die daraus folgende Überschuldung in vielen Staaten der europäischen Peripherie scheint kein Ende zu nehmen. Ohne volkswirtschaftliche Restrukturierung der Schuldensünder ist alles nichts.

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          Das Drama um schwache Wirtschaftsstrukturen und die daraus folgende Überschuldung in vielen Staaten der europäischen Peripherie scheint kein Ende zu nehmen.

          So hat der Streit um eine Lösung für die Schuldenkrise am Freitag die Kurse der Anleihen der Euro-Peripherie belastet und die Prämien für die Absicherung gegen mögliche Kreditereignisse auf neue Höhen katapultiert.

          Die Risikoprämien für Griechenland erreichen frische Rekordwerte

          Mit 15,5 Prozent- oder 1550 Basispunkten des Nominalwertes der zu versichernden Staatsanleihe müssen Inhaber griechischer Papiere so viel wie noch nie bezahlen, um sich gegen mögliche Liquiditäts- und Zahlungsschwierigkeiten Griechenlands abuzsichern. Auch die Prämien für die Versicherung irischer und portugiesischer Staatsanleihen erreichen neue Rekordwerte - wenn auch bisher auf dem halben absoluten Niveau von Griechenland.

          Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble besteht auf einer Beteiligung der Anleihegläubiger an weiteren Hilfen für Griechenland. Damit stellt er sich gegen die Europäische Zentralbank, deren Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag eine direkte Beteiligung der EZB an einer Rettungsaktion ausschloss.

          Griechischen Anleihen büßten anfängliche Kursgewinne wieder ein und gaben deutlich nach. Die Rendite der Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg auf 16,70 Prozent. Sie liegt damit nur knapp unter dem bisherigen Renditehoch vom 23. Mai bei 16,82 Prozent. Auch die Kurse der portugiesischen und irischen Bonds gaben nach. Die Rendite der zehnjährigen Portugal-Bonds legte 16 Basispunkte zu auf 10,45 Prozent. Irische Anleihen rentierten bei 11,14 Prozent sechs Basispunkte höher.

          Deutsche Anleihen konnten hingegen im Gefolge eines geringeren Anstiegs der Verbraucherpreise in Deutschland und auch aufgrund der Suche der Anleger nach relativer Sicherheit Kursgewinne auf ohnehin schon hohem Niveau verbuchen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe gab drei Basispunkte nach auf 3,003 Prozent. Im Gegenzug legte der Terminkontrakt Bund-Future 31 Basispunkte zu auf 125,50 Prozent. Die Inflationsrate in der größten Volkswirtschaft Europas ist von 2,7 Prozent im April auf 2,4 Prozent im Mai gefallen, wie die revidierten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Am Vortag hatten sich die Anleihen bereits verteuert, nachdem die Europäische Zentralbank die Erwartungen für die Inflation im kommenden Jahr nach unten korrigiert hatte.

          Ohne volkswirtschaftliche Restrukturierung der verschuldeten Staaten ist alles nichts

          Faktisch führt an einer Restrukturierung der Verbindlichkeiten der überschuldeten Staaten kein Weg vorbei. Allerdings dürfte die Entwicklung noch eine Weile volatil bleiben, weil es im Rahmen des Verteilungskampfes um Pflichten und Lasten zum strategischen Ausspielen verschiedenster Argumente kommen dürfte. Es wird kein Weg daran vorbei führen, dass die Inhaber von Anleihen Einbußen werden hinnehmen müssen. Denn sie sind sehenden Auges hohe Risiken eingegangen, um hohe Renditen zu erzielen. Nun müssen sie die Kehrseite der Medaille in Form von entsprechenden Verlusten tragen.

          Auf der anderen Seite müssen die betrachteten Staaten dazu gebracht werden, ihre Strukturen zu bereinigen. Sie können letztlich nur das ausgeben, was sie einnehmen. Sonst stehen sie selbst nach Schuldenerlass, neuen Finanzspritzen und selbst im absoluten Extremfall - dem Austritt aus der Währungsunion, der verheerende Folgen nach sich ziehen würde - in Kürze wieder finanziell mit dem Rücken zur Wand. In diesem Sinne ist der Austritt keine realistische Option.

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