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Euro-Schuldtitel : SNB kauft nur deutsche und französische Anleihen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Schweizer Notenbank akzeptiert nur noch deutsche und französische Staatsanleihen. Sie kaufe offenbar direkt, hieß es aus Finanzkreisen.

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          Die Schweizer Notenbank akzeptiert, wenn sie Euro-Schuldtitel kauft, nur noch deutsche und französische Staatsanleihen. Alle anderen Euro-Titel würden nicht mehr gekauft, heißt es in Notenbankkreisen. Man wolle nur noch die liquidesten und sichersten Werte. Die Bank kauft offenbar anders als sie es bislang offen ausweist derzeit direkt Staatsanleihen, hieß es aus Frankfurter Finanzkreisen. Schon vor einigen Wochen zu Beginn der Schweizer Intervention, mit der die Aufwertung des Franken gestoppt werden soll, vermuteten Händler, dass es die Anleihekäufe gibt. Zu heftig sei die Bewegung im Wechselkurs von Euro und Franken gewesen, der von der Parität – also gut ein Franken für einen Euro – auf nahezu 1,20 Franken je Euro schoss, als dass man dies nur mit Swapgeschäften erklären könne. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat offiziell bislang nur die Intervention per Devisentauschgeschäft bekannt gegeben.

          Euro-Anleihekäufe gebe es derzeit nicht im Rahmen der Intervention, sagte ein SNB Sprecher. Bei den Tauschgeschäften (Swap) kauft die Nationalbank Dollar und Euro, vereinbart jedoch sofort ein Gegengeschäft auf Termin, das einige Monate später fällig wird. In der Zwischenzeit wird das Guthaben in fremder Währung auf Bankkonten angelegt. Die Swapgeschäfte zielten nicht direkt auf den Wechselkurs, sondern dadurch solle die Franken-Geldmenge erhöht werden, erläutert die Schweizer Nationalbank.

          Neben dieser indirekten Bemühung um einen schwächeren Franken sind die Schweizer jedoch nach Darstellungen aus Bankenkreise auch direkt auf dem Devisenmarkt tätig und kaufen Euro-Staatsanleihen. So hat die Nationalbank auch bei ihren Interventionen in den Jahren 2009 und 2010 agiert. Auch damals gab es schon eine Vorliebe für sichere und liquide Anleihen. Allerdings wurden bei den Euroanlagen anders als heute nicht ausschließlich deutsche und französische Titel gekauft.

          Kritik am Kaufprogramm

          Die Währungsreserven der SNB hatten Ende Juli einen Wert von 189 Milliarden Franken. Davon entfielen etwa 55 Prozent auf den Euro, 25 Prozent auf den Dollar und 10 Prozent auf den Yen. Angelegt ist das Geld zu einem kleinen Teil in Aktien und Schuldtiteln privater Emittenten, überwiegend jedoch in Staatsanleihen. 83 Prozent der gekauften Staatstitel haben nach Informationen der SNB ein erstklassiges AAA-Rating, wie es Deutschland und Frankreich haben. 14 Prozent des Bestands der Reserven besteht aus AA-Papieren und nur ein kleiner Rest aus mit dem Rating A bewerteten Anleihen. Diese Zusammensetzung gebe es schon seit längerer Zeit, heißt es aus dem Umfeld der SNB.

          Ob die Bank tatsächlich direkt Euro und Dollar gekauft hat und in welchem Umfang sie das getan hat, wird erst Mitte dieses Monats offiziell bekannt gegeben. Dann veröffentlicht die SNB den neuesten Stand der Währungsreserven. Auffällig sei gewesen, dass die SNB zuletzt anders als gewohnt nicht die Details für die Entstehungsseite der Geldmenge bekannt gegeben habe, berichtete ein Frankfurter Devisenanalyst. Normalerweise werde gezeigt, wie viel auf Bargeld, Währungsreserven und sonstige Geschäfte zurückzuführen sei. Bei der jüngsten Veröffentlichung habe diese Information gefehlt.

          Während die Schweizer bei ihren Euro-Anlagen ausschließlich französische und deutsche Staatsanleihen kaufen, geht die Europäische Zentralbank den entgegen gesetzten Weg. Seit Beginn ihres Ankaufprogramms hat sie für knapp 120 Milliarden Euro Anleihen finanzschwacher Euroländer gekauft. Gestützt werden nun auch Anleihen, die gerade erst auf den Markt gekommen sind. So kaufte die EZB italienische Titel, die der italienische Staat erst in dieser Woche begeben hatte und die von den Käufern am Freitag zum ersten Mal verkauft werden konnten. Das verstärkte auf dem Markt und im Umfeld der Notenbanken die Kritik an den Folgen des Kaufprogramms. Die Stützung gerade begebener Anleihen nähre den Verdacht der indirekten Staatsfinanzierung, hieß es.

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