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Euro-Schuldenkrise : Gibt es noch gute Staatsanleihen?

Bild: F.A.Z.

Die griechische Haushaltsführung war immer schon unsolide. Irland ist jetzt auch in Not und muss gerettet werden. Nur noch wenige Länder sind überhaupt zuverlässig.

          Schauen wir knapp vier Jahre zurück: Es ist Anfang 2007, und wie immer suchen konservative Anleger nach qualitativ guten Staatsanleihen. Deutschland taucht da immer sofort auf, aber auch - Irland. Beide Staaten glänzen mit dem höchsten Rating „AAA“, und beide werden vom Markt als gleich solide angesehen. Denn die Titel mit zehn Jahren Laufzeit bringen bei beiden Ländern vier Prozent - sie haben die gleiche Rendite.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie wir heute wissen, waren die irischen Anleihen deutlich riskanter als damals gedacht: Irland muss jetzt wohl um EU-Kredite bitten, um einen Staatsbankrott zu vermeiden. Das „AAA“ von 2007 täuschte. Und so fragen sich die Anleger heute: Welche Staatsanleihen sind wirklich solide? Denn auch jetzt bietet nicht jedes Land, das mit dem Höchstrating aufwarten kann, die gleiche Qualität.

          Die unsoliden Anglo-Amerikaner

          Da reicht schon ein Blick nach Übersee. Natürlich haben die Vereinigten Staaten ein „AAA“. Denn niemand erwartet, dass der größte Schuldner der Welt pleitegeht. Es würde das Weltfinanzsystem zum Einsturz bringen und ein globales Chaos auslösen. Das Land ist „too big to fail“.

          Aber trotz der Bestnote der Ratingagenturen sind Zweifel an der Solidität angebracht. Die Staatsverschuldung erreicht fast 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das Haushaltsdefizit beträgt 2010 üppige acht Prozent, mehr als doppelt so viel wie in Deutschland. Gleichzeitig ist das Wirtschaftswachstum schwach. Von einem großen Sparpaket, wie es viele Länder Europas einschließlich Deutschland aufgelegt haben, ist aus Washington derzeit nichts zu hören.

          Auch Großbritannien lockt Anleger mit einem „AAA“. Zwar ist das große Sparpaket der Regierung erfreulich. Aber die Wirtschaftsstruktur ist anfällig wegen der großen Bedeutung des Immobilienmarktes und des Finanzsektors, wie die jüngste Krise gezeigt hat. Die Insel ist von der Lehman-Pleite und ihren Folgen mit am stärksten getroffen worden. Genauso wie von der Krise in Irland - wegen der starken Verflechtung der beiden Länder.

          Die Bedeutung des Schuldenstandes

          Eine gesunde Mischung der Wirtschaftssektoren ist aber ein wichtiges Kriterium, das Fachleute fordern, wenn sie nach den besten Schuldnern suchen. „Dadurch kann ein Land Krisen besser abfedern“, sagt Rainer Sartoris, Analyst für Staatsanleihen bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Mit der gleichen Begründung sei zudem eine sehr wettbewerbsfähige Wirtschaft mit ausgeglichenen Leistungsbilanzen oder sogar Exportüberschüssen erwünscht.

          Pluspunkte gibt es zudem für ein möglichst gleichmäßiges, inflationsarmes Wachstum ohne heftige Rezessionen und überbordende Euphoriephasen. Ein hohes Wachstum hilft der Regierung, die Steuereinnahmen zu steigern und die Sozialausgaben zu senken. Das stabilisiert die Finanzsituation eines Staates.

          Die Finanzlage selbst wird unter anderem an der Höhe des Schuldenstandes im Verhältnis zur Wirtschaftkraft gemessen. „Lange Zeit über 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sehen wir als kritisch an“, sagt Analyst Sartoris. Das spricht zum Beispiel derzeit gegen die Vereinigten Staaten. Wichtig ist aber auch die Entwicklung des Schuldenstandes. Spanien etwa hat mit rund 60 Prozent einen moderaten Schuldenstand, aber er ist in nur zwei Jahren um 50 Prozent gewachsen. Der schnelle Anstieg macht Sorgen. Auch das Haushaltsdefizit in einem Jahr ist nicht allein maßgebend, sondern die Entwicklung über einen längeren Zeitraum.

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