https://www.faz.net/-gv6-t5ci

Euro-Peripherie : Im Sog von Griechenland

Bild: F.A.Z.

Die Debatte um eine griechische Umschuldung treibt die Risikoaufschläge für Krisenländer nach oben. Auch die Bankaktien verlieren. Ihnen drohen bei einer Umschuldung Wertberichtigungen auf ihre Forderungen von 48 Milliarden Euro.

          3 Min.

          Die Diskussion um die Umschuldung Griechenlands und die von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geforderte Beteiligung privater Gläubiger hat die Risikoaufschläge für die Euro-Krisenländer steigen lassen. Das Kreditausfallderivat (Credit Default Swap; CDS) auf Griechenland notierte am Freitag mit 16,60 Prozent. Damit kostete die Absicherung einer Forderung von einer Million Euro gegenüber dem griechischen Staat eine jährliche Prämie von 166.000 Euro, was nach Angaben des Marktdatenanbieters CMA Data Vision einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 72 Prozent entspricht. Eine Woche zuvor waren dafür nur 138.000 Euro erforderlich.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der CDS-Kontrakt auf Portugal verteuerte sich in dieser Woche auf 7,37 Prozent. Das ist ein Zehntel mehr als noch Ende vergangener Woche. Die irische Risikoprämie stieg von 6,5 auf 7,1 Prozent. Die Ausfallwahrscheinlichkeit Portugals beträgt auf diesem CDS-Niveau 45 Prozent und die Irlands 44 Prozent. Dass Portugal schlechter bewertet wird als Irland, können die Analysten der französischen Großbank Société Générale nicht nachvollziehen: „Irland ist der schwächere Schuldner.“ Sie rechnen mit einer Korrektur, sobald die neue portugiesische Regierung gebildet worden ist.

          „Erschwert bis unmöglich“

          Die Entwicklung am CDS-Markt, auf dem sich die Investoren gegen Zahlungsausfälle absichern, schlägt sich auch am Anleihemarkt nieder. Dort zogen die Renditen der Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie an. Der Abstand der Renditen Griechenlands, Irlands und Portugals zu der als sicher eingeschätzten Bundesanleihe wird am Finanzmarkt als Risikoaufschlag bezeichnet. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe Griechenlands notierte am Freitag mit 16,3 Prozent. Die Rendite der Bundesanleihe lag bei 3 Prozent. Damit beträgt der Risikoaufschlag für Griechenland mehr als 13 Prozentpunkte. Der Kurs der zehnjährigen griechischen Anleihe sank in den vergangenen fünf Handelstagen von 56 auf 53,3 Prozent. Eine Forderung im Nennwert von einem Euro ist nur noch 53 Cent wert.

          Der Kurs der zehnjährigen Anleihe Irlands ging von 68 auf 66,3 Prozent zurück. Portugals Schulden in der zehnjährigen Laufzeit werden am Markt mit 62 Prozent und damit 3 Prozentpunkte geringer als zu Wochenanfang bewertet. Die zehnjährigen Renditen dieser beiden Länder, die neben Griechenland Hilfskredite der Eurogruppe und des Internationalen Währungsfonds in Anspruch genommen haben, liegen derzeit bei mehr als 10 Prozent. Die Analysten der Nord LB schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland, Portugal und Irland in den nächsten Jahren Anleihen begeben können, inzwischen als „erschwert bis unmöglich“ ein.

          Konsequenzen für den CDS-Markt

          Bei der Beteiligung privater Gläubiger, die nach Vorstellung Schäubles über einen Anleihetausch in längere Laufzeiten erfolgen soll, befürchten die Ratingagenturen, dass dies nicht wirklich freiwillig erfolgt und sie deshalb den Zahlungsausfall Griechenlands feststellen müssen. Dies bedeutete, dass griechische Staatsanleihen von der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert werden können mit der Folge, dass griechische Banken von der Liquiditätsversorgung abgeschnitten und zusammenbrechen würden. Der Zahlungsausfall hätte auch Konsequenzen für den CDS-Markt, weil bei diesem Kreditereignis der Versicherungsfall eintreten würde. Die für die Konditionen der Kreditausfallderivate zuständige Händlervereinigung International Swaps and Derivatives Association (ISDA) teilte mit, dass der freiwillige Tausch in Anleihen mit längeren Laufzeiten nicht unbedingt als Kreditereignis für CDS-Kontrakte gewertet werden müsse. Allerdings komme es auf die Ausgestaltung an. Wäre die Laufzeitverlängerung mit Anreizen für die teilnehmenden Gläubiger etwa in Form einer höheren Rückzahlungswahrscheinlichkeit verbunden, könne dies als Zahlungsausfall gesehen werden. Dies befürchten die EZB, die Ratingagenturen und viele Banken.

          „Die Bemühungen in der EU, eine Einigung über Griechenland zu erzielen, gleichen einer Quadratur des Kreises“, schreibt Commerzbank-Analyst Christoph Rieger. Angesichts des nach wie vor erheblichen Risikos, dass es zu keiner Einigung zwischen Deutschland und der EZB kommt, dürften seiner Ansicht nach die Peripherieanleihen anfällig bleiben.

          Die Diskussion belastet auch die Aktien europäischer Banken, denen bei einer griechischen Umschuldung Wertberichtigungen auf ihre Forderungen von 48 Milliarden Euro drohen. Der Stoxx-Banken-Index gab in dieser Woche um 2,7 Prozent nach, während der den Gesamtmarkt abbildende Stoxx-600-Index nur um 1 Prozent zurückging. Die Banken mit den höchsten Kursverlusten seit Jahresanfang sind die griechische Piräus Bank mit minus 48 Prozent und die Bank of Ireland mit minus 64 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.