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Euro-Krise : Deutsche Banken bangen mit Griechenland

Bild: F.A.Z.

Deutschlands Kreditinstitute halten mit 22,7 Milliarden Dollar die meisten griechischen Staatsanleihen. Französische Banken haben ihren Bestand derweil um 12 Milliarden Dollar abgebaut. Auch außerhalb des Euroraums wurden griechische Staatsanleihen abgestoßen.

          Ob Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble darüber glücklich ist, dass die deutschen Banken ihm gegenüber Wort gehalten haben, muss inzwischen bezweifelt werden. Aber wie aus dem jüngsten Quartalsbericht der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervorgeht, hielten die deutschen Kreditinstitute Ende 2010 unter den internationalen Banken mit 22,7 Milliarden Dollar (15,6 Milliarden Euro) die meisten griechischen Staatsanleihen. Ein höheres Risiko gegenüber dem überschuldeten Staat haben nur die griechischen Banken. Während ausländische Institute Schuldtitel des von einem Zahlungsausfall bedrohten Eurolandes verkauft haben, blieb das Risiko der deutschen Häuser nahezu unverändert. Ende März 2010 hatten sie griechische Staatsanleihen über 23,1 Milliarden Euro im Bestand.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Mai 2010, als von der Euro-Gruppe und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) das erste, 110 Milliarden Euro umfassende Rettungspaket für Griechenland geschnürt worden war, hatte die deutsche Kreditwirtschaft dem Finanzminister versprochen, ihre Kreditlinien gegenüber der Regierung in Athen weitgehend aufrechtzuerhalten. Schäuble hatte diese Zusage damals begrüßt, weil durch die Beteiligung der Finanzwirtschaft die staatlichen Hilfen für Griechenland geringer ausfallen könnten.

          Kehraus griechischer Staatsrisiken

          Dagegen haben französische Banken zwischen April und Ende Dezember 2010 ihre Bestände an den riskanten griechischen Staatspapieren deutlich abgebaut: von 27 auf 15 Milliarden Dollar. Italienische Institute reduzierten ihr Engagement von 3,3 auf 2,3 Milliarden Dollar. Spanische Banken fuhren das Risiko von 900 auf 540 Millionen Dollar zurück. Regelrecht drastisch fällt der Abbau der Banken aus den restlichen Ländern des Euroraums aus: Sie verringerten ihr Engagement von 22,9 auf 7,7 Milliarden Dollar. Vor allem die Banken aus den Niederlanden dürften auf der Verkäuferseite gestanden haben.

          Auch außerhalb des Euroraums wurden griechische Staatsanleihen abgestoßen. Britische Banken hielten ihr Engagement mit 3,4 Milliarden Dollar noch relativ stabil. Ende März 2010 waren es 3,6 Milliarden Dollar. Dagegen haben amerikanische Banken einen Kehraus ihrer griechischen Staatsrisiken vollzogen. Sie führten die Bestände von 5,4 auf 1,5 Milliarden Dollar zurück.

          Griechenlands Nationalbank mit höchstem Risiko

          Insgesamt haben europäische Banken in den neun Monaten bis zum Jahresende 2010 ihren Bestand an griechischen Anleihen um mehr als ein Drittel auf 52,3 Milliarden Dollar reduziert. Nach Daten der britischen Bank Barclays sind die griechischen Banken mit einem Engagement von 45 Milliarden Euro oder 65 Milliarden Dollar die wichtigsten Gläubiger ihres Staates, der Anleihen über mehr als 280 Milliarden Euro im Umlauf hat. Das höchste Risiko entfällt auf die National Bank of Greece mit 13,7 Milliarden Euro. Die EFG Eurobank hält 7,5 Milliarden Euro, das sind 173 Prozent ihres harten Eigenkapitals. Die zweitgrößte Bank Griechenlands wird von der griechischen Reederfamilie Latsis kontrolliert.

          Von den großen französischen Banken hat die Société Générale ihr Portfolio an griechischen Staatsanleihen am deutlichsten reduziert. Den Aufsichtsbehörden meldete sie im Sommer 2010 im Zuge des ersten Banken-Stresstests noch ein Volumen von 4,2 Milliarden Euro. Davon entfielen 2,4 Milliarden Euro auf das Bankbuch, dem die bis zur Endfälligkeit gehaltenen Anleihen zugeordnet werden. Die restlichen 1,8 Milliarden Euro befanden sich im Handelsbuch, in dem die zum Verkauf bestimmten Wertpapiere enthalten sind. Ende März hielt die Société Générale noch 2,7 Milliarden Euro an griechischen Anleihen, davon noch 0,3 Milliarden Euro im Handelsbuch. Unverändert hoch blieb der Bestand bei BNP Paribas, der größten Bank Frankreichs. Sie hält griechische Staatsanleihen über 5 Milliarden Euro – fast alle im Bankbuch.

          HSBC halbiert Volumen

          Die britische Großbank HSBC war ebenfalls auf der Verkäuferseite: Sie hat in den zwölf Monaten bis Ende März 2011 ihr Volumen an griechischen Staatsanleihen von 1,9 Milliarden Dollar auf 800 Millionen Dollar mehr als halbiert. Auch die Royal Bank of Scotland hat die Risiken gegenüber dem griechischen Staat deutlich abgebaut: Im Frühjahr 2010 beliefen sich die Anleihen noch auf 2 Milliarden Pfund oder umgerechnet 2,2 Milliarden Euro. Im Gespräch mit dieser Zeitung bezifferte Kapitalmarktchef John Hourican das aktuelle Volumen auf 895 Millionen Pfund.

          Unter den deutschen Instituten hält die FMS Wertmanagement, die Abwicklungsbank der Hypo Real Estate, mit 7,4 Milliarde Euro die meisten griechischen Staatsanleihen. Danach folgen die Commerzbank mit 2,9 Milliarden Euro und die Deutsche Bank mit 1,6 Milliarden Euro, davon 1,3 Milliarden Euro von der Postbank. An dritter Stelle liegt die Landesbank Baden-Württemberg mit 1,4 Milliarden Euro. Der Versicherungskonzern Allianz ist mit 1,3 Milliarden Euro engagiert.

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