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EU-Schuldenkrise : Moody’s warnt vor Umschuldung Griechenlands

Angst vor Flächenbrand: Schuldenschnitt in Griechenland könnte gefährliche Wirkung auf übrige Euro-Schuldner haben Bild: dpa

Die Ratingagentur befürchtet eine Eskalation der Schuldenkrise, wenn Griechenland zahlungsunfähig wird. Nach Italien droht nun auch Belgien eine Herabstufung. Spanien finanziert sich am Markt zu stabilen Konditionen.

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          Eine Umschuldung Griechenlands kann eine gefährliche Sogwirkung auf die finanzschwachen Euroländer Portugal und Irland auslösen. Davor hat die Ratingagentur Moody’s am Dienstag gewarnt. Nach Ansicht der Bonitätsprüfer zwänge der Zahlungsausfall des hoch verschuldeten Landes die Investoren, die Unterstützung durch die Euro-Gruppe neu einzuschätzen. Moody’s wertet als Zahlungsausfall auch eine Laufzeitenverlängerung von Anleihen. In diesem Fall steige die Wahrscheinlichkeit, dass andere finanzschwache Länder wie Portugal und Irland zu ähnlichen Maßnahmen griffen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch der ständige Präsident des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, befürchtet bei einer Umschuldung Griechenlands die Eskalation der Schuldenkrise. „Das Risiko, mit einer solchen Maßnahme zu scheitern, sei sehr hoch“, sagte er auf einer OECD-Konferenz in Paris. Als Horrorvorstellung bezeichnete Christian Noyer, Gouverneur der Banque de France und Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), einen Schuldenschnitt. Griechenland wäre für Jahre vom Finanzmarkt ausgeschlossen, sagte er gegenüber Journalisten in Paris.

          Rekordhoch für portugiesische Anleihen

          Obwohl die griechische Regierung am Montagabend Privatisierungen im Volumen von mehr als 50 Milliarden Euro und Steuererhöhungen von bis zu 22 Milliarden Euro beschlossen hatte, setzte sich die Verkaufswelle griechischer Anleihen am Dienstag zunächst fort. Dies war verbunden mit einem Anstieg der zehnjährigen Rendite auf ein Rekordhoch von 17,1 Prozent. Danach erholten sich die Anleihenkurse wieder, so dass die Rendite im weiteren Verlauf unter 17 Prozent sank. Die Rendite für portugiesische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit stieg auf das Rekordhoch von 9,85 Prozent. Diesen unerfreulichen Rekord hatten irische Anleihen bereits am Vortag mit 10,86 Prozent erreicht. Am Dienstag blieb die Risikoprämie mit 10,5 Prozent hoch.

          Bild: F.A.Z.

          Die Moody’s-Analysten verweisen darauf, dass ihre Beurteilung Irlands und Portugals auf der Annahme beruhe, dass eine Umschuldung vermieden werden solle. Jegliche Unsicherheit diesbezüglich erhöhe den Herabstufungsdruck auf deren Bonitätsnoten. Griechenland, Portugal und Irland sind bisher die einzigen Staaten, die Hilfskredite ihrer Euro-Partner in Anspruch genommen haben. Die Bonitätsnoten dieser Länder könnten dann in den Bereich abrutschen, der nicht mehr als investitionswürdig gilt. Dieser beginnt mit Ratings von weniger als „Baa3“ (Moody’s) oder „BBB–“ (Standard & Poor’s). Versicherer oder Pensionsfonds müssten sich dann von den Anleihen trennen. Zudem dürften sich nach einer Umschuldung Griechenlands andere hochverschuldete Euroländer wie Spanien, Italien oder Belgien nur zu deutlich teureren Konditionen finanzieren können, warnt Moody’s.

          Umschuldung als Schlussstein

          Spanien begab am Dienstag drei- und sechsmonatige Schuldtitel über insgesamt 2,3 Milliarden Euro. Obwohl an den Finanzmärkten Sorgen aufkamen, dass die regierende Sozialistische Partei nach den hohen Stimmenverlusten in den Regionalwahlen von ihrer Austeritätspolitik abweichen könnte, zogen die Renditen nicht an. Dreimonatige Papiere wurden zu 1,38 Prozent nur geringfügig höher als bei der Auktion im April plaziert, sechsmonatige Titel mit 1,77 Prozent sogar etwas günstiger. Zur Finanzierung ihrer Kredite an Portugal und Irland begab die Europäische Kommission eine zehnjährige Anleihe über 4,75 Milliarden Euro.

          Die direkten Verluste der EZB, die griechische Staatsanleihen über 40 Milliarden Euro gekauft und weitere 50 Milliarden Euro als Sicherheiten akzeptiert haben soll, beziffert Moody’s in einer Umschuldung auf 15 Milliarden Euro. Dieser Betrag könne steigen, wenn auch griechische Banken zahlungsunfähig würden. Nach einem Bericht der niederländischen Wirtschaftszeitung „Het Financieele Dagblad“ soll die Euro-Gruppe im Hintergrund schon an einem Zahlungsaufschub für Griechenland arbeiten. Dabei sei aber von einer sanften Umschuldung die Rede. Die privaten Gläubiger sollen demnach freiwillig einer späteren Tilgung zustimmen. Dies soll verhindern, dass die Ratingagenturen die Laufzeitenverlängerung als Zahlungsausfall werten. Die Zeitung zitiert den niederländischen Finanzminister Jan Kees de Jager, wonach eine Umschuldung Griechenlands zwar eine ernsthafte Option sei. Allerdings könne diese nur ein möglicher Schlussstein in einem Gesamtpaket sein.

          Wie in einem Teil unserer Dienstagsausgabe berichtet, droht Belgien der Verlust der Bonitätsnote „AA+“. Die Ratingagentur Fitch hat den Ausblick von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Das Land werde das Rating verlieren, wenn es seine Defizitziele verfehle. Aus ähnlichem Grund hatte Standard & Poor’s zuvor den Ratingausblick Italiens von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt.

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