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Ergo-Finanzvorstand : „Die größten Verlierer der Krise sind die deutschen Sparer“

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„Versicherer sind auf Zinspapiere elementar angewiesen“: Daniel von Borries, Finanzvorstand der Ergo-Versicherung Bild: Edgar Schoepal

Daniel von Borries ist Finanzvorstand der Ergo-Versicherung. Sein Unternehmen sucht höhere Renditen in Wind- und Solarparks, schafft aber die Garantieverzinsung ab.

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          Herr von Borries, machen Sie sich Sorgen um Ihren Job?

          Ganz und gar nicht. Warum sollte ich das tun?

          Weil Sie bei Ergo für das Geschäft mit Lebensversicherungen verantwortlich sind. Der aktuelle Garantiezins beträgt nur noch 1,75 Prozent. Da braucht doch niemand mehr Lebensversicherungen.

          Das sehe ich anders. Sicher, der Garantiezins für Neuverträge ist so niedrig wie nie - das ist bitter für alle deutschen Lebensversicherer und natürlich auch für unsere Kunden. Aber Sie dürfen eines nicht vergessen: Lebensversicherungen sind ja kein reines Sparprodukt. Sondern es handelt sich bei ihnen, wie der Name schon sagt, um Versicherungen. Wir garantieren eine Leistung für den Todesfall. Und wir garantieren eine lebenslange Rente. Die Garantien mögen schrumpfen, aber der große Vorteil von Lebensversicherungen ist eben: Sie lassen sich genau kalkulieren - für beide Seiten.

          Aber wie lange noch? Sichere Anlagen wie Bundesanleihen werfen kaum noch Rendite ab. Da können Sie ihre Zusagen irgendwann nicht mehr einhalten.

          Ich will nichts beschönigen: Die größten Verlierer der Euro-Krise sind in meinen Augen die deutschen Sparer. Welche Geldanlage sie aktuell auch wählen: wenn sie auf Sicherheit setzen, erhalten sie dafür so gut wie keinen Ertrag mehr. Trotzdem darf man daraus keineswegs den Schluss ziehen, wir hätten Schwierigkeiten, unsere Verpflichtungen einzuhalten. Wir als Lebensversicherer können eine Niedrigzinsphase noch gut zehn Jahre lang durchhalten.

          Wie das? 95 Prozent der von Ihnen verwalteten Anlagegelder haben Sie in Anleihen investiert. Da können Sie den Magerrenditen doch gar nicht entkommen.

          Noch haben wir viele ältere Anleihen im Portfolio, die deutlich höhere Renditen abwerfen. Da die Papiere oft recht lange Laufzeiten haben, kommen wir damit noch eine Zeit lang gut über die Runden. Aber natürlich müssen wir auch stets Gelder wieder aufs Neue anlegen, wenn alte Anleihen fällig werden. Und Sie haben in der Tat recht: Langfristig stehen wir vor großen Herausforderungen. Allein auf Bundesanleihen zu setzen reicht auf Dauer nicht aus, um unsere Renditeziele zu erreichen.

          Was tun Sie also?

          Die Antwort lautet: Diversifikation. Heute muss man Risiken anders streuen, als dies vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 der Fall war. Damals war es zum Beispiel durchaus sinnvoll, Geld sowohl in Bankanleihen als auch in Staatsanleihen anzulegen - das waren einfach zwei unterschiedliche Anlagearten. Heute scheint die Unterscheidung aufgehoben: Die Staaten tragen einen Großteil der Risiken mit, die in den Banken schlummern. Darum haben wir uns entschlossen, den Anteil an Bankanleihen im Portfolio kontinuierlich zu reduzieren. Stattdessen setzen wir vermehrt auf Pfandbriefe. Die werden zwar auch von Banken ausgegeben, sind aber zusätzlich mit Immobilien besichert und darum weit weniger riskant. Und auch Unternehmensanleihen spielen für uns eine immer größere Rolle.

          Mit Verlaub: Trotzdem investieren Sie weiter fast ausschließlich in Anleihen - das hat doch mit Streuung nichts zu tun.

          Das mag Ihnen so vorkommen, aber Versicherer sind auf Zinspapiere elementar angewiesen. Dies hat mit der Art unserer Verpflichtungen zu tun: Normale Portfoliomanager können sich auch mal ein schlechtes Jahr erlauben, wenn sie nur über einen längeren Zeitraum eine auskömmliche Wertentwicklung erreichen. Wir aber sind darauf angewiesen, jedes Jahr eine positive Rendite zu erzielen - schließlich müssen wir ständig Zahlungen an unsere Kunden leisten. Verluste können wir uns einfach nicht erlauben. Darum sind Anleihen für uns so wichtig: weil die Papiere in der Regel zurückgezahlt werden.

          Griechenlands Gläubiger haben das Gegenteil erlebt, einen Schuldenschnitt.

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