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Emissionsplanung : Bund will 302 Milliarden Euro aufnehmen

Die Emissionsplanung der Finanzagentur des Bundes verspricht einen lebhaften Jahresbeginn 2011 Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Die Emissionskalender verspricht einen lebhaften Jahresbeginn 2011. Zu den Finanzinstrumenten sollen neben Geld- und Kapitalmarktpapieren auch inflationsindexierte Anleihen gehören. Auch Spanien plaziert neue Anleihen.

          Die Bundesrepublik Deutschland will im kommenden Jahr über die Ausgabe von Wertpapieren an den Finanzmärkten 302 Milliarden Euro aufnehmen. Das geht aus der Emissionsplanung der Finanzagentur des Bundes hervor, die sich je nach der Entwicklung der Finanzlage im kommenden Jahr noch ändern kann. Im Einzelnen will der Bund kurzfristige Geldmarktpapiere über 117 Milliarden Euro und längerfristige Kapitalmarktpapiere über 185 Milliarden Euro plazieren (siehe Grafik).

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Bei ansprechenden Marktbedingungen erwägt der Bund zudem, inflationsindexierte Anleihen über 2 bis 3 Milliarden Euro im Quartal zu begeben. Ebenso zählen Fremdwährungsanleihen und Schuldscheindarlehen zu den Finanzinstrumenten, auf die der Bund eventuell zurückgreifen wird. Neben der Plazierung von Wertpapieren an den Märkten wird der Bund im Privatkundengeschäft weiterhin Finanzierungsschätze, Bundesschatzbriefe und die Tagesanleihe anbieten.

          „Sportliches“ Emissionsvolumen

          Die Höhe der beabsichtigten Mittelaufnahmen entspricht nicht der Neuverschuldung des Bundes, da im kommenden Jahr gleichzeitig Tilgungen auslaufender Papiere über knapp 271 Milliarden Euro anfallen. Die im kommenden Jahr zu zahlenden Zinsen auf Bundeswertpapiere beziffert die Finanzagentur mit 36,4 Milliarden Euro.

          Unter Frankfurter Investmentbankern wird vor allem der Jahresauftakt 2011 mit Spannung erwartet, denn der Bund will alleine im Januar Kapitalmarktpapiere über 19 Milliarden Euro und Geldmarktpapiere über 10 Milliarden Euro plazieren. Da in den vergangenen Wochen jedoch in gleich drei Fällen der Bund nicht genügend Bieter für seine Wertpapiere fand, wird das geplante Emissionsvolumen für den Januar in Investmentbanken als „sportlich“ bezeichnet. Es gilt in den Banken als denkbar, dass der Bund höhere als die aktuellen Renditen bieten muss, um besonders die Kapitalmarktpapiere zu verkaufen.

          Hinzu tritt eine starke Konkurrenz um die Gunst der Anleger. „Zwar dürften einige europäische Staaten im Sinne ihrer Konsolidierungsbemühungen eine geringere Neuverschuldung anstreben und die Neuemissionen zurückfahren“, heißt es in einem Ausblick der deutschen staatlichen KfW-Bankengruppe. „Dafür werden andere Emittenten am Markt neu auftreten wie zum Beispiel die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF)“.

          Ruhiger Anleihehandel zum Jahresende

          Die EFSF wird mit ihren Anleihen ebenso in den Wettbewerb zu Bundesanleihen treten wie die deutschen Bundesländer mit ihren Anleihen und nicht zuletzt die KfW selbst, die im kommenden Jahr an den Märkten rund 75 Milliarden Euro aufnehmen will. Die KfW plant die Ausgabe von Anleihen in Euro und Dollar, aber auch „maßgeschneiderte Privatplazierungen in unterschiedlichsten Währungen und Laufzeiten“.

          Im Anleihehandel ist es kurz vor dem Jahresende ruhig geworden, da viele Marktteilnehmer dabei sind, ihre Bücher bis zum Ultimo zu schließen. Spanien plazierte am Donnerstag neue Anleihen mit Laufzeiten von 10 und 15 Jahren im Gesamtwert von 2,4 Milliarden Euro. Die Renditen waren mit 5,45 Prozent für die Zehnjährige und 5,93 Prozent für das Papier mit 15 Jahren Laufzeit so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Da der Markt mit ähnlich hohen Renditen gerechnet hatte und die Auktion ansonsten spannungsfrei verlief, blieb es an den europäischen Staatsanleihemärkten am Donnerstag ruhig. Die Renditen vieler Papier legten nur um wenige Basispunkte zu.

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