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Emissionskalender : Gläubiger streiken bei IVG

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Reisende unter dem Glasdach des größten Bürogebäudes Deutschlands „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen. Bild: dpa

In Deutschland zeichnet sich einer der größten Insolvenzfälle der vergangenen Jahre ab: Die Gläubiger des Immobilienkonzerns IVG haben den Umschuldungsplänen ihre Zustimmung verweigert.

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          Nun muss die Gesellschaft, die sich mit dem Bau des Prestigeobjektes „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen übernommen hat, wahrscheinlich in das Schutzschirmverfahren. Dieses hat der IVG-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Schäfer als „Plan B“ bezeichnet. Damit wird das mit Verbindlichkeiten von 4,6 Milliarden Euro überschuldete Unternehmen für drei Monate vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt. Der Geschäftsbetrieb liefe weiter, während die AG mit Hilfe eines Sachverwalters saniert würde. Danach beginnt in der Regel das Insolvenzplanverfahren.

          Von der IVG-Schieflage sind auch Anleihegläubiger betroffen. Das Unternehmen hat im Mai 2006 eine Wandelanleihe über 400 Millionen Euro begeben. Deren Kurs liegt gegenwärtig bei 60 Prozent des Nominalwertes. Im März 2007 folgte eine Hybridanleihe, die im Insolvenzfall vor anderen Schulden haften muss. Diese hat ein Volumen von 400 Millionen Euro und notiert unter 5 Prozent des Nominalwertes. Das bedeutet, die Forderung von einem Euro ist nur noch fünf Cent wert. Aus diesen Anleihen dürften sich viele Anleger in der schon seit geraumer Zeit schwelenden Krise zurückgezogen haben. In der Wandel- und in der Hybridanleihe entfallen inzwischen auf die zehn größten Investoren 60 bis 70 Prozent des Volumens. Dabei handelt es sich vor allem um Hedgefonds oder auf Krisenfälle spezialisierte Finanzinvestoren.

          Kritik von Hedgefonds

          So kritisierte vor Wochen der New Yorker Hedgefonds Aurelius die Rettungspläne des Vorstands. Diese benachteiligten die Inhaber der Wandelanleihe gegenüber den Gläubigern syndizierter Kredite über insgesamt 2,2 Milliarden Euro. In den Berechnungen der IVG steckten den Angaben von Aurelius zufolge Fehler, nach deren Beseitigung den Käufern der Wandelanleihe mehr und den Kreditgebern weniger bliebe. Die Aktionäre und die Gläubiger der Hybridanleihe wären in dem Schuldenschnitt weitgehend leer ausgegangen. Da die Wandelanleihe offenbar nicht mit Immobilien besichert ist, hätten die Gläubiger für ihre Forderungen wohl weniger Aktien erhalten als die Kreditgeber. Daran dürfte die Einigung unter den beiden Gläubigergruppen gescheitert sein.

          Der IVG-Vorstand wollte über den Tausch von Schulden gegen Aktien die Verbindlichkeiten um 1,75 Milliarden Euro reduzieren und so die Fremdkapitalquote auf unter 60 Prozent drücken. Gegenwärtig beträgt diese 72 Prozent, einschließlich der zwischen Eigen- und Fremdkapital angesiedelten Hybridanleihe sogar 80 Prozent.

          Doch die IVG-Aktie strahlt kaum noch Anziehungskraft aus. Am Mittwoch brach sie um ein Drittel auf 0,17 Euro ein. Mehr als sechs Jahre ist es nun her, dass die IVG-Aktie über der Marke von 30 Euro notierte. In die Knie zwangen IVG missglückte Projektentwicklungen wie zum Beispiel „The Squaire“ und zu teuer erworbene Immobilien. Abschreibungen von insgesamt 1,7 Milliarden haben den Konzern überfordert, weil er in diesem und im kommenden Jahr 2,4 Milliarden Euro an fällig werdenden Krediten refinanzieren muss.

          Nicht das einzige Sorgenkind

          IVG ist nicht das einzige Sorgenkind unter den deutschen Unternehmen, die Anleihen begeben haben. Ein weiteres Beispiel ist die Baumarktkette Praktiker, die sich in der Insolvenz befindet. Im Umlauf befindet sich eine im Februar 2011 begebene Anleihe, die eine Laufzeit von fünf Jahren und ein Volumen von 250 Millionen Euro hat. Der Zinskupon beträgt 5,875 Prozent. Inzwischen liegt die Rendite bei 180 Prozent und der Kurs bei weniger als zehn Cent je Euro Nennwert. Die Anleihe hatte nur fünf Monate über ihrem Nominalwert notiert. Danach stürzte der Kurs im März 2012 auf 32 Prozent des Nennwerts ab. Eine zwischenzeitliche Erholung ließ den Kurs von Oktober 2012 bis März 2013 wieder auf 80 Prozent steigen.

          Ähnlich wie bei IVG dominieren unter den Anleihegläubigern inzwischen die Hedgefonds, die 20 bis 30 Prozent halten sollen. Diese hatten ebenfalls einen Tausch von Schulden in Eigenkapital angestrebt. Danach wären sie sogar bereit gewesen, der Baumarktkette frisches Geld zur Verfügung zu stellen. Die Pläne der Gläubiger zielten darauf ab, zahlreiche Praktiker-Märkte auf die Marke „Max Bahr“ umzustellen. Doch die Tochtergesellschaft musste in der vergangenen Woche ebenfalls einen Insolvenzantrag stellen. Nun versucht Insolvenzverwalter Christopher Seagon die Praktiker-Gruppe zu verkaufen. Dabei gilt eine Aufspaltung als wahrscheinlich. Immerhin gibt es schon mehr als zehn Anfragen von Interessenten.

          Unter Druck stand in den vergangenen Tagen die Aktie des Kali- und Düngemittelherstellers K+S. Der Ausstieg des Kaliproduzenten Uralkali aus einem Exportverbund löste Befürchtungen über einen Kali-Preisverfall aus. Die K+S-Aktie stürzte am Dienstag um ein Viertel ab. Davon betroffen war auch die im Juni 2022 fällig werdende K+S-Anleihe, deren Rendite um 0,5 Prozentpunkte anzog. Der Kurs des 500 Millionen Euro umfassenden Titels fiel von 102,5 auf weniger als 98,5 Prozent.

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