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Pflichtwandelanleihen : Emissionswelle an Risikoanleihen der Banken steht bevor

Die Deutsche Bank will Coco-Bonds begeben. Bild: dpa

Viele Banken setzen international große Hoffnungen auf sogenannte „Coco-Bonds“. Nachdem in Deutschland der steuerliche Rahmen geklärt wurde, steht nun auch die Deutsche Bank in den Startlöchern.

          Das Bundesfinanzministerium hat nun den Startschuss gegeben. Am Markt wird damit gerechnet, dass die Deutsche Bank am schnellsten aus dem Startblock kommt. Es geht um neue, sehr komplexe Bankanleihen, die in Krisenzeiten entweder in Aktien umgewandelt oder zur Abdeckung von Verlusten eingesetzt werden. Bislang haben Banken im Ausland solche Pflichtwandelanleihen im Volumen von 60 Milliarden Euro begeben. Die Deutsche Bank will nach Aussage ihres Finanzvorstands Stefan Krause solche Titel bis Ende 2015 im Umfang von 5 Milliarden Euro begeben. Schon Ende Januar berichtete er von einem hohen Interesse der Investoren an diesen Anleihen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber erst jetzt hat das Bundesfinanzministerium mit den Bundesländern den steuerlichen Rahmen geklärt, so dass diese Papiere auch in Deutschland begeben werden können. Die Anleihen werden am Finanzmarkt salopp als „Coco Bonds“ bezeichnet. Der Begriff leitet sich ab aus der englischen Bezeichnung „Contingent Convertible Bonds“. Dieser Anleihetyp ist erst in den vergangenen Jahren entstanden und eine Reaktion auf die nach der Finanzkrise strengeren Eigenkapitalregeln für Banken (Basel III). Der deutsche Begriff Pflichtwandelanleihe trifft strenggenommen nur auf die Aktienvariante zu. Die Wandlung der Coco-Bonds in Aktien tritt ein, wenn die harte Kernkapitalquote einer Bank aufgrund von Verlusten unter ein bestimmtes Niveau fällt. Daneben gibt es eine Variante mit voller Verlustabdeckung, das heißt, die Anleihen verlieren ihren Wert vollständig, wenn das Kapitalniveau in schwierigen Zeiten unter ein bestimmtes Niveau fällt.

          Auch die Commerzbank gilt als weiterer Kandidat

          Für die bis Ende 2015 angestrebten Emissionen hat die Deutsche Bank schon die erforderlichen Genehmigungen, so dass sie sehr bald einen ersten Coco-Bond begeben kann. Damit wird am Finanzplatz gerechnet, denn die Bank soll sich schon seit längerem darauf vorbereitet haben. Das Volumen der Debütemission dürfte mindestens 1 Milliarde Euro betragen. Doch die Deutsche Bank will auch in Zukunft Spielraum haben und bittet die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 22. Mai um einen großzügigen Rahmen. Sie sollen Coco-Emissionen in der Aktien- und in der Abschreibungsvariante von je 12 Milliarden Euro genehmigen.

          Die Deutsche Bank wird wahrscheinlich die Funktion des Eisbrechers übernehmen. Danach könnten die Aareal Bank oder die NordLB folgen. Als weiterer Kandidat gilt auch die Commerzbank. Die Aareal Bank hat die nun durch das Finanzministerium geschaffene Rechtssicherheit abgewartet. Sie will durch eine solche Nachranganleihe ihre stille Einlage des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin ablösen. Diese beträgt 300 Millionen Euro und gilt als teuer.

          Im europäischen Ausland haben schon zahlreiche Banken Coco-Bonds begeben, darunter BBVA oder Société Générale. Wegen des höheren Risikos werden die Titel attraktiv verzinst, in der Regel zwischen 6 und 9 Prozent. Doch Ralf Frank, Generalsekretär des Analystenverbandes DVFA, betrachtet diese Titel nicht als geeignet für Privatanleger. Nicht nur sei das Mindestanlagevolumen zu hoch, sondern die Konditionen hochkomplex. Sie erforderten ein gutes Verständnis der Rechnungslegung von Banken. Erste Fonds werden schon aufgelegt wie etwa von dem Münchner Vermögensverwalter Assenagon. Die Royal Bank of Scotland erwartet in diesem Jahr Coco-Emissionen von 28 bis 35 Milliarden Euro.

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