https://www.faz.net/-gv6-78i1n

Egan-Jones stuft Deutschland herab : Zweikampf der Ratingagenturen

Wächter über die Schulden Deutschlands: Das Finanzministerium Bild: Lüdecke, Matthias

Die kleine amerikanische Agentur Egan-Jones stuft Deutschland herab. Moody’s bestätigt sein Rating. Der Anleihemarkt glaubt Moody’s.

          2 Min.

          Der Markt für deutsche Bundesanleihen hat sich am Donnerstag wenig beeindruckt von der Herabstufung durch die kleine amerikanische Ratingagentur Egan-Jones gezeigt. Die Agentur, die westliche Industrienationen schlechter bewertet als ihre großen Konkurrentinnen, hatte am Mittwochabend die langfristige Kreditwürdigkeit Deutschlands um eine Stufe auf „A“ reduziert. Das ist die sechstbeste Note. Egan-Jones versah die neue Note mit einem negativen Ausblick. Dies bedeutet, dass die Agentur auf mittlere Sicht eine weitere Abwertung für möglich hält.

          Die zehnjährigen Bundesanleihen rentierten am Donnerstag mit 1,23 Prozent kaum verändert gegenüber dem Vortag. In Europa rentieren nur Zehnjährige aus der Schweiz niedriger. Zweijährige Bundespapiere kommen sogar nur noch auf eine Rendite von null Prozent. Entspannung herrscht auch am Markt für Kreditausfallderivate (CDS) auf fünfjährige Bundesanleihen. Mit 35 Basispunkten liegt der Preis niedriger als die CDS-Preise für Fünfjährige aus den Vereinigten Staaten oder der Schweiz. Die Bewertung von Anleihen und Kreditausfallderivaten hat sich in den vergangenen Monaten angenähert. Zuvor hatte die Entwicklung der CDS-Preise eine Verschärfung der Krise angedeutet, die aus den Renditen der Anleihen dagegen nicht absehbar war. Der Bund hat seit Jahresbeginn neue Papiere im Wert von 86 Milliarden Euro verkauft.

          „Signifikante Fortschritte“

          Eine wichtige Rolle für die Kursbildung bei Bundesanleihen spielte am Donnerstag die Entscheidung der großen amerikanischen Ratingagentur Moody’s, ihre Bewertung der langfristigen Kreditwürdigkeit Deutschlands nicht zu verändern. Moody’s bewertet Deutschland immer noch mit der Spitzennote „Aaa“, allerdings mit einem negativen Ausblick.

          Entwicklung von Renditen und Risikoprämien seit 2007 Bilderstrecke

          Die beiden Ratingagenturen sehen die Perspektiven Deutschlands sehr verschieden. Moody’s stellt die breite und widerstandsfähige Basis der deutschen Wirtschaft heraus, die auf „hohem Produktivitätswachstum, zurückhaltenden Lohnerhöhungen und einer starken globalen Nachfrage für deutsche Produkte“ beruhe. Es gebe „signifikante Fortschritte“ in der Entwicklung der Finanzpolitik, die Deutschland vorteilhaft von anderen Ländern mit einem Spitzenrating unterschieden. Die Schuldenquote, die derzeit rund 80 Prozent des BIP ausmache, dürfte in den kommenden fünf Jahren auf 70 Prozent zurückgehen. Moody’s erwähnt zudem den sehr vorteilhaften Einfluss niedriger Renditen für Bundesanleihen für die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung.

          Negativer Ausblick auch bei Moody’s

          Die Analysten von Egan-Jones stellen in ihrer pessimistischeren Betrachtung vor allem auf die Lage in Europa sowie auf die schwache Weltkonjunktur ab. Deutschland werde schwache Banken in Europa finanziell stützen müssen, heißt es. Die nach wie vor hohen Salden im europäischen Zahlungsverkehrssystem Target werden als Risiko empfunden. Anders als Moody’s sieht Egan-Jones keinen Rückgang Staatsschuldenquote relativ zum BIP voraus, sondern einen Anstieg. In den kommenden Jahren könne diese Quote auf 100 Prozent steigen.

          Auch Moody’s verschließt nicht die Augen vor finanziellen Risiken, die aus den europäischen Verpflichtungen für den Bund entstehen könnten. Allerdings begründen diese Risiken bislang nur einen negativen Ausblick für das Rating, aber noch keine Herabstufung. In den vergangenen Tagen hatte es an den Märkten Gerüchte gegeben. Deutschland könne bei einer der großen Agenturen sein Spitzenrating verlieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Präsident Wladimir Putin nimmt am Freitag von seiner Residenz Nowo-Ogarjowo aus an einer Kabinettssitzung teil.

          Proteste in Belarus : Droht eine Intervention Moskaus?

          Für den Kreml ist die Lage in Belarus ambivalent – das zeigen auch die Reaktionen aus Moskau. Die große Frage ist, was Putin macht, wenn Lukaschenka ernstlich gefährdet ist.
          Ermittlungen: Apotheker und Ärzte werfen dem Angeklagten vor, Verfahren gegen sie aufgebläht zu haben (Symbolbild).

          Frankfurter Korruptionsaffäre : Mediziner erheben schwere Vorwürfe

          In der Korruptionsaffäre um einen Frankfurter Oberstaatsanwalt sollen Ermittlungen nur geführt worden sein, um Geld zu generieren. Das könnte sich noch zu einem weitaus größeren Skandal auswachsen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.