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EFSF-Finanzchef Christophe Frankel : „EFSF braucht vermutlich weitere 40 Milliarden Euro“

  • Aktualisiert am

Christophe Frankel Bild: Bloomberg

Der Finanzchef des Europäischen Stabilisierungsfonds EFSF hält die Risikoprämie für Anleihen des Stabilisierungsfonds nicht für ein Misstrauensvotum. Ursache sei allein Unsicherheit über das künftige Angebot.

          Der europäische Stabilisierungsfonds EFSF hat allein in dieser Woche Schuldtitel für 7 Milliarden Euro begeben. Finden Sie genügend Geldgeber?

          Die Stimmung auf den Märkten hat sich sehr günstig entwickelt. Wir hatten Nachfrage, die für Anleihen und Geldmarktpapiere im Wert von 22 Milliarden Euro gereicht hätte. Das ist deutlich mehr als bei den Emissionen in der zweiten Jahreshälfte vergangenen Jahres.

          Für die Anleihe mit einer Laufzeit von 20 Jahren muss der EFSF rund 4 Prozent jährlichen Zins zahlen – mehr als Frankreich und auch mehr als die Europäische Union für ihre Anleihen bietet. Sind Zweifel an den Garantien für den EFSF der Grund?

          Die Ursache für die höhere Risikoprämie liegt vor allem in der Unsicherheit über die Summen, die der EFSF noch benötigt. Die Investoren wissen nicht genau, wie viel zusätzliches Angebot es durch neue EFSF-Anleihen noch geben wird. Die Unsicherheit hat abgenommen, weil wir jetzt die Größe des griechischen Programms kennen. Aber die Investoren wollen wissen, wie der Übergang vom EFSF zum neuen Stabilisierungsmechanismus ESM im Detail aussehen wird.

          Spielt die Frage nach einem noch größeren Bürgschaftsrahmen auch eine Rolle für die Unsicherheit?

          Nein, das glaube ich nicht. Der Garantierahmen ist den Investoren inzwischen vertraut.

          Ist das wirklich so? Sie verkaufen rund ein Zehntel der Anleihen nach Asien. Gibt es da nicht Sorgen, was im Fall der Fälle geschieht? Sorgen über die Qualität der Bürgschaften zum Beispiel?

          Nein, es ist eigentlich ganz klar. Wenn ein Staat, der Geld vom EFSF erhalten hat, den Kredit nicht bedient, müssen die anderen bürgenden Staaten im Rahmen ihrer Garantiezusagen einspringen. Die Qualität der Bürgschaften stellt auch in Asien niemand in Frage.

          Wie viel Geld benötigen Sie denn noch in diesem Jahr?

          Wir gehen von etwas weniger als 40 Milliarden Euro aus. Voraussetzung für diese Schätzung ist, dass die Programmländer die Kredite wie geplant abrufen. Außerdem gibt es noch eine Unsicherheit, ob der EFSF die gesamten wirtschaftspolitischen Anpassungsprogramme für Griechenland, Portugal und Irland in diesem Jahr finanzieren wird oder ob der ESM einspringen wird. Das wird sich in den kommenden Wochen klären. Wenn der EFSF die laufenden Anpassungsprogramme voll finanziert, werden knapp 40 Milliarden Euro in diesem Jahr benötigt.

          Welche Laufzeiten bevorzugen Sie für die dann zu erwartenden Anleihen?

          Das hängt vor allem von den Marktbedingungen ab. Unser Ziel ist es, die Schulden mit lang laufenden Anleihen zu finanzieren. Wir sind aber in der günstigen Lage, einen Liquiditätspuffer aufbauen zu können durch die Begebung von Geldmarkttiteln mit einer Laufzeit von wenigen Monaten. Dadurch gewinnen wir erheblich an Flexibilität und den nötigen Spielraum, für die Begebung der langfristigen Anleihen gute Gelegenheiten abzupassen.

          In welche Regionen verkaufen Sie die Anleihen?

          Bei der jüngsten Emission gingen 9 Prozent nach Asien, 33 Prozent nach Deutschland und Österreich, 20 Prozent nach Großbritannien und der Rest verteilte sich auf Investoren im übrigen Europa.

          Keine Nachfrage aus den Vereinigten Staaten?

          Dort dürfen wir aus rechtlichen Gründen unsere Anleihen nicht verkaufen.

          Das Gespräch führte Stefan Ruhkamp.

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