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Ecuador verkauft Anleihen : Staatspleite richtig gemacht

Ecuadors Präsident Rafael Correa: Staatspleite mit Glück und Geschick Bild: REUTERS

Argentinien quält sich seit 12 Jahren mit den Folgen der Staatspleite, jetzt droht die nächste. Ecuador dagegen bekommt sechs Jahre nach seinem Bankrott frisches Geld geliehen. Man muss es nur richtig anstellen.

          Staatspleiten sind augenscheinlich eine Frage des Handlings. Argentinien zum Beispiel kämpft seit zwölf Jahren mit den Folgen seines Bankrotts. Gerade erst haben Hedgefonds in Amerika ein Gerichtsurteil durchgesetzt und das Land zur Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar verurteilt - es brächte das Land wieder in die Nähe der Pleite. Jetzt will die Regierung mit der amerikanischen Justiz verhandeln, doch die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s stufte ihre Note für Kreditwürdigkeit des Landes am Dienstag weiter herab: auf „CCC-“. Danach folgt nur noch die Kategorie D: pleite. Die Erwartung sei negativ.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Besser hat es das nördlichere Ecuador gemacht. Der weltgrößte Exporteur von Bananen hatte 2008 und 2009 die Zahlungen auf einen Großteil seiner Staatsanleihen eingestellt. Der seinerzeit neu gewählte Präsident Rafael Correa hatte diese für unrechtmäßig erklärt und die Gläubiger als „wahre Monster“ bezeichnet.

          Jetzt hat Ecuador wieder ohne Probleme einen neue zehnjährige Anleihe im Volumen von 2 Milliarden Dollar verkauft und muss dafür 7,95 Prozent Zinsen zahlen. Das Rating Ecuadors ist mit „B“ zwar besser als das Argentiniens, aber auch nicht eben gut. WIe hat Ecuador das gemacht?

          Gut mit den Hedgefonds geeinigt

          Das Land hatte von vornherein eine pragmatische Lösung angestrebt. Schon 2009 kaufte die Regierung einem Großteil der Gläubiger ihre Anleihen für 35 Prozent des Nominalwerts ab. Und vor einem Monat einigte man sich dann mit dem Hedgefonds Greylock 80 Prozent der noch ausstehenden ausgefallenen Anleihen zurückzukaufen. So konnte man neue Anleihen verkaufen.

          Die Gelegenheit ist günstig für Ecuador Angesichts niedriger Zinsen in den Industrieländern sind Anleihen aus exotischeren derzeit Ländern gefragt. Auch Kenia, dessen Rating nur wenig besser ist als das Ecuadors, konnte am Dienstag erstmals zwei Auslandsanleihen verkaufen. David Rees, Schwellenländer-Analyst bei Capital Economics bezeichnete die Rendite der neuen Anleihen Ecuadors als ziemlich niedrig, besonders im Vergleich zu Argentinien. Vor einigen Jahren hätte Ecuador noch Zinsen im zweistelligen Prozentbereich zahlen müssen. Doch derzeit sind die Märkte wieder bereit, höhere Risiken einzugehen.

          Auch Ecuador hat seine Probleme

          Indes ist auch für Ecuador keineswegs alles eitel Sonnenschein. Denn die Regierung Correa hat in den vergangenen Jahren die Bildungs- und Gesundheitsausgaben stark erhöht, ein riesiges Konjunkturprogramm aufgelegt und die Realzinsen gesenkt. Das Wachstum war hoch, Arbeitslosigkeit und Armut sind gesunken, doch auf der Gegenseite ist ein rekordhohes Haushaltsdefizit zu finanzieren.

          Dabei hat die Regierung bisher kurzfristig agiert. Seit der Zahlungseinstellung vor gut sechs Jahren hat sich das Land mehr als 11 Milliarden Dollar von China geliehen, wofür es den Großteil seiner Ölexporte abliefern muss. Anfang des Monats erhielt es einen Kredit von 400 Millionen Dollar von der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, die das Land mit einem Gutteil seiner Goldreserven besichert hat. Die Rückkehr an den Anleihenmarkt ist daher auch wichtig, um nicht alle Handlungsspielräume zu verlieren.

          Peter Lannigan, Geschäftsführer beim Broker CRT Capital sieht für die Kreditgeber das Hauptproblem in der zweifelhaften Zahlungswilligkeit des Landes. Viele Anleger hätten daher eine feste Meinung über das Land und kein Interesse ecuadorianische Staatsanleihen zu kaufen.

          Ob also Correas Weg wirklich so zielführend ist, darf man bezweifeln. Auch China und Goldman Sachs, die zu Correas „wahren Monstern“ gehören, haben ihr Geld nicht umsonst verliehen und werden das auch nicht tun.

          Als Blaupause kann Ecuador auch aus anderen Gründen nicht dienen. Denn während Rafael Correa nicht mehr zahlen wollte, war Argentinien seinerzeit dazu schlicht außer Stande. Im Falle des Andenstaates ging es obendrein nur um insgesamt 3,2 Milliarden Dollar, knapp 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von 2012. Im Falle Argentiniens jedoch waren es 95 Milliarden Dollar, heute noch gut 20 Prozent der Wirtschaftsleistung.

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