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Sorgen an den Finanzmärkten : Drei ernste Warnsignale

Gefährliche Entwicklung: Der sinkende Ölpreis könnte das amerikanische Wirtschaftswachstum bremsen. Hier eine Fracking-Anlage in Midland, Texas. Bild: AFP

Auf den Finanzmärkten herrscht Unruhe - und Amerika steht dabei im Fokus. Anleger suchen in Staatsanleihen sichere Häfen. Der Dax fällt auf ein Jahrestief. Beunruhigende Trends sind erkennbar.

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          Die Quelle der größten Sorgen an den Finanzmärkten hat sich in den vergangenen Tagen von China nach Nordamerika verlagert. Zu Jahresanfang hatten die Märkte das Szenario eines wirtschaftlichen Absturzes in China gespielt, aber seitdem Peking den Wechselkurs nicht mehr abwerten lässt, hat sich die Lage in Ostasien ein wenig beruhigt. Die Ruhe muss jedoch nicht von Dauer sein – vor allem, wenn die chinesischen Währungsreserven weiter in beängstigendem Tempo schmelzen sollten.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Mittlerweile wird an den Finanzmärkten häufiger über die Vereinigten Staaten geredet, weil das Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung der größten Volkswirtschaft der Welt nachlässt und die amerikanischen Finanzmärkte im Zentrum vieler Entscheidungen globaler Anleger stehen. Die aktuelle Krise sei „Born in the USA“, schreibt die Anlagegesellschaft Baring Asset Management in Anspielung auf ein bekanntes Lied von Bruce Springsteen.

          Marktteilnehmer erwarten keine Leitzinserhöhung der Fed

          Vor allem drei Trends verdienen in den kommenden Monaten genaue Beachtung. Das ist zum einen die unerwartete Verflachung der Renditekurve für amerikanische Staatspapiere. Als die Fed Mitte Dezember ihren kurzfristigen Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöhte, gingen viele Marktteilnehmer wie selbstverständlich von einem Anstieg auch der Renditen für Anleihen mit längeren Laufzeiten aus, auch wenn dieser Annahme keine allgemein gültige ökonomische Gesetzmäßigkeit zugrunde liegt. Allerdings ist seit Mitte Dezember die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen nicht gestiegen, sondern um rund 0,40 Prozentpunkte gefallen. Eine sich verflachende Renditekurve gilt als ein Indikator für ein langsameres Wirtschaftswachstum, aber nicht für eine bevorstehende Rezession. Erst eine sogenannte inverse Renditekurve, bei der die langen Laufzeiten niedriger rentieren als die kurzen, könnte als Rezessionssignal gedeutet werden.

          Aus Finanzmarktdaten lässt sich ablesen, dass eine Mehrheit der Marktteilnehmer für 2016 keine Leitzinserhöhung durch die Fed mehr erwartet, nachdem die Fed vor wenigen Wochen noch vier Zinserhöhungen als ein plausibles Szenario bezeichnet hatte. Der Markt fürchtet eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums als Folge einer Schwäche der amerikanischen Ölindustrie wegen des niedrigen Ölpreises und ungünstiger Geschäfte der Exportunternehmen wegen der starken Währung. Ein bedeutender Anstieg der Inflationsrate gilt absehbar als unwahrscheinlich. Unterstützt werden solche Szenarien durch sehr widersprüchliche amerikanische Konjunkturdaten. Der Arbeitsmarkt läuft weiterhin gut, aber er ist ein konjunktureller Spätindikator. Stimmungsindikatoren aus der Wirtschaft sehen weniger gut aus, und einzelne Mitglieder der Fed-Führung haben schon angedeutet, dass es mit Leitzinserhöhungen nur noch langsam vorangehen könnte. Das gibt Skeptikern Nahrung.

          Asiatische Anleger investieren in Staatsanleihen

          Getrieben wird der Fall der Renditen amerikanischer – und in ihrem Gefolge auch europäischer – Staatsanleihen durch eine starke Nachfrage nach sicheren Kapitalanlagen. Wie von globalen Vermögensverwaltern zu hören ist, verkaufen seit einiger Zeit angesichts wachsender wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit zahlreiche asiatische Großanleger Aktien und erwerben im Gegenzug Staatsanleihen aus Industrienationen. Wie lange dieser Prozess weitergeht, ist unklar.

          Daher bleibt die Renditekurve für Staatsanleihen ein wichtiger Indikator. Aber es gibt nicht nur Pessimisten. Der Chefökonom von Goldman Sachs, Jan Hatzius, erwartet ein solides Wirtschaftswachstum und mehrere Leitzinserhöhungen der Fed in diesem Jahr. Für das Jahresende sagt er eine Rendite zehnjähriger Staatsanleihen von 3 Prozent voraus. Dies ginge mit einer steileren Renditekurve einher. „Die Fed wird ihren Leitzins in diesem Jahr häufiger erhöhen als derzeit vom Markt erwartet“, heißt es bei der großen Fondsgesellschaft Pimco. Ähnlich äußert sich auch die Fondsgesellschaft Pioneer Investments.

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