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Anleihekaufprogramm der EZB : Draghi kauft den Markt für Pfandbriefe leer

EZB-Präsident Mario Draghi kauft Anleihen für 80 Milliarden Euro monatlich. Bild: AP

Die Europäische Zentralbank stößt mit ihrem Anleihekaufprogramm an Grenzen. Für klassische Anleger und Banken hat das weitreichende Folgen.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) steht in ihrem Anleihekaufprogramm vor Engpässen. Den Markt für Bankanleihen, die mit Hypotheken- oder Staatskrediten unterlegt sind („Covered Bonds“), hat sie mittlerweile leer gekauft. Am Dienstagabend sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, dass die EZB mit ihren Covered-Bonds-Käufen inzwischen an einem Punkt angelangt sei, an dem die Investoren und Banken nicht mehr verkaufen wollen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Das Potential an Titeln, bei denen die Investoren zum Verkauf bereit sind, sinkt naturgemäß mit fortschreitenden EZB-Käufen“, sagt Commerzbank-Analyst Ted Packmohr. Das lasse sich auch daran erkennen, dass die EZB in den vergangenen Monaten immer weniger Covered Bonds, zu denen auch der deutsche Pfandbrief gehört, gekauft hat. Der Markt sei deutlich illiquider geworden. Denn viele Bestände lägen auch bei Investoren, wie etwa Versicherern oder Pensionsfonds, die Covered Bonds bis zum Laufzeitende halten.

          Nowotny zufolge bestehen aber noch ausreichend andere „Investmentmöglichkeiten“. Doch selbst bei Staatsanleihen stößt die EZB inzwischen an Grenzen. Am Markt wird daher inzwischen befürchtet, dass die EZB ihre Käufe von Unternehmensanleihen ausweitet, was zu ähnlichen Engpässen wie für Covered Bonds führen kann. Gegenwärtig arbeiten in der EZB mehrere Arbeitsgruppen aus, wie die technischen Schwierigkeiten im Kaufprogramm behoben werden können.

          Kaufprogramm im Umfang von 1,7 Billionen Dollar

          Die EZB kauft im Monat durchschnittlich Anleihen über 80 Milliarden Euro. Die Kurse von Staatsanleihen hat sie mit ihren Käufen so weit nach oben getrieben, dass die Renditen vieler Papiere in den negativen Bereich gefallen sind. Die Marktzinsen der Bundesanleihen liegen bis zu einer Laufzeit von gut sechs Jahren unter der Marke von minus 0,4 Prozent. Das ist die Renditeuntergrenze für EZB-Käufe und entspricht dem Einlagensatz, den Banken für ihre Einlagen bei der Notenbank zahlen müssen.

          Neben Staatsanleihen, Covered Bonds und Unternehmensanleihen kauft die EZB auch Kreditverbriefungen. Doch Nowotny hält den Erwerb dieser Asset Backed Securities (ABS) für wenig erfolgreich, da das Angebot zu gering sei. Das Kaufprogramm läuft bis März 2017 und hat ein Gesamtvolumen von 1,7 Billionen Euro. Es wird am Markt erwartet, dass EZB-Präsident Mario Draghi das Programm verlängern und im Dezember die Kriterien aufweichen wird. Dann dürfte die Rendite-Untergrenze wohl fallen.

          Covered Bonds kauft die EZB im aktuellen Kaufprogramm seit Oktober 2014. Sie hat nun 196,5 Milliarden Euro erworben. Aus den beiden älteren Programmen sind noch 21,4 Milliarden Euro im Bestand. Vom gesamten kaufbaren Volumen an Covered Bonds dürfte die EZB inzwischen ein Fünftel kontrollieren. Damit ist der Markt fast ausgetrocknet.

          „Traditionelle Investoren aus dem Markt gedrängt“

          Die EZB laufe mittlerweile Gefahr, traditionelle Investoren zu verdrängen, sagte Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (VDP). „Wir begrüßen daher mögliche Überlegungen, die Käufe sukzessive zurückzufahren.“ Eine Gefahr für Marktverwerfungen sehen die Pfandbriefbanken nicht. „Ich denke, jeder ist sich bewusst, dass ein solcher Ausstieg marktschonend zu erfolgen hat“, sagt Tolckmitt.

          „Wir beobachten schon länger, dass die Käufe der EZB abnehmen“, sagt Kai Ebeling, Analyst der Nord LB. Hat die EZB im Vorjahr noch durchschnittlich Covered Bonds über 2,2 Milliarden Euro je Woche erworben, ist der Wochendurchschnitt in diesem Jahr auf 1,2 Milliarden Euro gefallen. Ebeling zufolge hat der Covered-Bond-Markt diese Käufe nicht benötigt. Denn es hätten keine Störungen vorgelegen. Er kritisiert: „Die EZB hat geschadet, weil sie traditionelle Investoren aus dem Markt gedrängt hat.“ Viele Anleger haben sich laut Ebeling verabschiedet, weil die Renditen für Covered Bonds inzwischen zu niedrig sind. Für deutsche Pfandbriefe mit Laufzeiten von fünf bis sieben Jahren betragen sie zum Beispiel im Durchschnitt minus 0,11 Prozent.

          Gleichzeitig sind Banken gezwungen, einen Liquiditätspuffer aufzubauen, der neben Staatsanleihen auch Covered Bonds enthalten soll. Doch diese Titel sind knapp. Das ruft Kritik an der Tätigkeit der EZB als Bankenaufseherin hervor, weil das Kaufprogramm es den Banken schwermacht, die aufsichtsrechtlichen Vorgaben zu erfüllen. Ihre Doppelrolle wirft Fragen auf: Covered Bonds hat sie oft direkt von den Banken zum Emissionszeitpunkt erworben. Den Kaufwunsch der Aufsicht auszuschlagen dürfte den meisten schwerfallen.

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