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Amerikanische Notenbank : Die Macht der Fed

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Das entscheidende Gremium sitzt in Washington: das „Board of Governors“ mit sieben vom amerikanischen Präsidenten gemeinsam mit dem Senat eingesetzten Zentralbankgouverneuren inklusive des Präsidenten (derzeit eine Präsidentin, Janet Yellen). Früher gehörte dieser Gruppe auch der amerikanische Finanzminister an. Doch die Fed emanzipierte sich historisch langsam von der Politik. Die Gouverneure sind einflussreich. Über die Geldpolitik entscheiden sie allerdings gemeinsam mit den regionalen Notenbankgouverneuren, von denen aber immer nur fünf eine Stimme haben. Da diese regionalen Notenbankpräsidenten auf unterschiedliche, teils nicht sehr transparente Art gewählt werden, gibt es hier gewisse beschränkte Möglichkeiten auch für andere außer Präsident und Kongress, Einfluss zu nehmen.

EZB hat ähnliche Konstruktionsprobleme

Entstanden ist diese komplizierte Struktur einst aus der Angst, einer unabhängigen Notenbank zu viel Macht zu geben. Die regionalen Banken hatten die Funktion, dafür zu sorgen, dass die Macht über das Geld sich nicht an einem Ort konzentriert und den Rest Amerikas aus dem Blick verliert. Die Eignerschaft durch private Banken entstand aus der Angst heraus, die Politik könne zu viel Macht über die Notenbank gewinnen. Ob es jedoch wirklich sinnvoll war, die Bank aus diesen Gründen dermaßen kompliziert zu strukturieren, das ist unklar.

Conti-Brown weist auf Studien hin, die zeigen, dass Gremien von Notenbankern schlechtere Entscheidungen treffen, wenn mehr als fünf Personen beteiligt sind. Deshalb plädiert er dafür, die regionalen Notenbanken ganz herauszuhalten aus der geldpolitischen Entscheidung.

Das ist auch aus europäischer Perspektive interessant, schließlich ist die EZB in regionaler Hinsicht ähnlich gebaut. Die EZB hat ein Direktorium, das zentral in Frankfurt sitzt. Die wichtigen geldpolitischen Entscheidungen fallen allerdings im EZB-Rat, dem auch die Präsidenten der einzelnen nationalen Notenbanken angehören, die nicht immer eine Stimme haben. Hier entscheiden noch sehr viel mehr Menschen mit über die Geldpolitik. Der EZB-Rat besteht aus 25 Personen, die immer wieder miteinander im Clinch liegen. Hier aber eine Zentralisierung vorzuschlagen würde wohl ganz andere Probleme ergeben als in Amerika, da Europa eben kein Nationalstaat ist.

Eine Reform der Fed scheint notwendig

Für Amerika ergibt eine Zentralisierung mehr Sinn, weshalb Conti-Brown diesen Vorschlag auch vorbringt. Sein Argument geht in etwa so: Keiner weiß genau, welche Geldpolitik wirklich die beste ist, weil selbst Nobelpreisträger nicht in die Zukunft schauen können. Damit man aber nachher besser weiß, wer schuld ist am Desaster, sollte die Notenbank wenigstens so strukturiert sein, dass die Verantwortlichkeiten klar sind. Seine Lösung lautet: Alle Macht der Zentrale. Die Chefs der regionalen Notenbanken sollen von der Fed in Washington bestimmt werden wie Untergebene. Über Geldpolitik sollen allein die auf 14 Jahre gewählten Gouverneure entscheiden.

Das hat eine gewisse Logik, wenn man den Studien glaubt, dass Entscheidungen womöglich leichter und besser getroffen werden, wenn nicht zu viele Menschen mit entscheiden. Allerdings löst es die drängendsten Fragen der Menschen zur Geldpolitik der amerikanischen Notenbank derzeit nicht. Die Fed konnte deshalb ihre Macht so ausbauen in den vergangenen Jahren, weil sie in der Krise angefangen hat, Geldpolitik weiter zu fassen und viel mehr zu tun, als es lange dem Selbstverständnis von Notenbankern entsprach. Sie hat sich ausgedehnt, ist jetzt ein maßgeblicher Faktor, der Börsen weltweit bewegt und die Kurse von Staatsanleihen.

Es hat eine Logik, die Fed zu reformieren, so dass es klarer ist, wer hier eigentlich die Macht hat. Die Diskussion darüber, ob ihre Vorstellungen von Geldpolitik nicht überdehnt sind und stärkere Grenzen brauchen, muss aber auch geführt werden.

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