https://www.faz.net/-gv6-8ba4g

Amerikanische Notenbank : Die Macht der Fed

  • -Aktualisiert am

Die Fed aber ist noch viel undurchsichtiger und vor allem unlogischer gebaut. Das hat viele Gründe, auch historische. Schon die Gründung war geheimnisumwittert. Sieben Männer trafen sich im Jahr 1910 außerhalb New Yorks. Ihren Familien erzählten sie, sie gingen zur Entenjagd, dann fuhren sie gen Süden, setzten über auf eine Insel mit dem passenden Namen Jekyll Island - und erfanden dort im exklusiven Jagdclub eine Notenbank für Amerika. Mit dabei: Der republikanische Senator Nelson Aldrich, der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium sowie vier Banker, darunter Paul M. Warburg, ein nach Amerika emigrierter Sprössling der deutsch-jüdischen Bankiersfamilie Warburg.

Der auf Jekyll Island 1910 erarbeitete Plan wurde mit wenigen Änderungen 1913 Gesetz: Und die Federal Reserve war entstanden. Das Geheimtreffen bei der angeblichen Entenjagd allerdings kam erst Jahre später ans Licht.

Ist die Fed tatsächlich unabhängig?

Diese Gründung zeigte die Richtung auf, in der es weiterging. Die Federal Reserve blieb undurchsichtig. Viele ihrer Verfahren sind geheim, die Protokolle ihrer Sitzungen werden erst Jahre später veröffentlicht, die Sprache ihrer Präsidenten ist verklausuliert. Geldpolitik gilt vielen Leuten deshalb als hochkompliziert. Dabei ist es gar nicht so schwierig. Die Notenbanker lassen sich nur nicht gerne in die Karten schauen. Es ist wie mit einem Orakel: Je geheimnisvoller sie tun, je mehr Deutung sie benötigen, desto mächtiger werden sie wahrgenommen.

Es gibt viele Argumente dafür, sich dermaßen bedeckt zu geben. Eines lautet, dass man sein Pulver nicht verschießen möchte. Eine Zentralbank, die zu durchsichtig ist, kann Märkte nicht überraschen - und gerade das ist manchmal notwendig, um sie zu beeinflussen. Das zweite Argument lautet, dass man sich Unabhängigkeit von der Politik wünscht. Je weniger die Politik weiß, desto weniger kann sie beeinflussen. Ob das allerdings funktioniert, ist zweifelhaft.

Politik beruft Gouverneure

Conti-Brown geht in seinem Werk „The Power and the Independence of the Federal Reserve“ sogar so weit, diese so oft beschworene Unabhängigkeit als nicht existent abzutun. Zwar gibt es Regeln, die diese begünstigen. So werden die Fed-Gouverneure zwar vom Präsidenten im Zusammenspiel mit dem Kongress ernannt, sie haben dann aber eine extrem lange Amtszeit von 14 Jahren. Die Fed-Präsidenten werden jeweils gewählt auf vier Jahre. Offiziell hört damit der Einfluss der Politik auf die Notenbank auf. Die Gouverneure können nicht von der Politik abberufen werden, wenn ihr die Geldpolitik nicht passt.

Jedoch zeigt Conti-Brown in seinem Werk sehr anschaulich, dass es immer an den Personen hängt, wie gut das klappt. So gab es Notenbankpräsidenten, die ihrem Präsidenten mehr oder weniger hörig waren. Das bekannteste Beispiel ist Arthur Burns, der Präsident Richard Nixon so ergeben war, dass er gar vor den Treffen mit anderen Notenbankern mit Nixon besprach, was er dort sagen sollte. Er ließ sich Reden vom Stab des Präsidenten schreiben und war bei Kabinettstreffen dabei.

Später gelang etwa Alan Greenspan das genaue Gegenteil. Er war zwar auch sehr nah an der Politik, traf sich regelmäßig mit dem Beraterstab des Präsidenten. Jedoch galt er als derjenige, der die Politik beeinflusste, nicht umgekehrt.

Historisch langsame Befreiung von der Politik

Die Unabhängigkeit der Notenbank hängt, wenn man sich die Geschichte ansieht, weit mehr an Personen als an den bestehenden Regeln. Entscheidend sind außerdem die Führung der Notenbank und ihre Machtstrukturen. Hier sieht die Fed noch einmal ganz anders aus als andere Notenbanken der Welt. Denn in ihr sind neben der Politik in Washington auch regionale Politiker und Banker einflussreich. Die Fed besteht aus zwölf regionalen Notenbanken, die alle keinesfalls dem Staat gehörten, sondern den privaten Banken. Die Fed hatte von Anfang an eine seltsame Doppelfunktion. Einerseits gehörte sie den privaten Banken, zahlt ihnen auch bis heute eine (kleine) Dividende in jedem Jahr. In den regionalen Notenbanken sitzen zudem ein Drittel Bankvertreter im obersten Gremium. Andererseits war die Fed immer ein politisches Gremium. Der direkte Einfluss der Banker auf das oberste Entscheidungsgremium war nie sehr groß und hat noch abgenommen.

Weitere Themen

Zeigt Australien der EZB den Weg?

Geldpolitik : Zeigt Australien der EZB den Weg?

Die australische Notenbank verringert ihre Anleihekäufe. In der Eurozone ist EZB-Präsidentin Christine Lagarde mit solchen Schritten noch vorsichtig. In Amerika will Fed-Chef Jerome Powell erst mal die Entwicklung des Arbeitsmarktes abwarten.

Wohin mit der ganzen Liquidität?

Banken parken Cash : Wohin mit der ganzen Liquidität?

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve macht mit Banken Geschäfte, die sich bald auf bis zu zwei Billionen Dollar belaufen könnten. Doch diese Ecke der Finanzwelt blieb bis dato eher unbeachtet.

Topmeldungen

Hochwasser im Ahrtal : Déjà-vu der Katastrophe

War die Flutkatastrophe im Ahrtal ein bislang einmaliges Ereignis und schon der Vorbote des Klimawandels? Zwei Bonner Geoforscher sind skeptisch – und liefern neue Erkenntnisse.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.