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Wohneigentum : Die Bauzinsen in Deutschland sinken wieder

Die Zinswende bei den Bauzinsen ist erst einmal verschoben. Bild: dpa

Vorsicht, sichern Sie sich noch schnell die niedrigen Bauzinsen: So hatten die Banken geworben. Doch jetzt fallen die Zinsen wieder, statt zu steigen.

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          Die Hypothekenzinsen für private Bauvorhaben in Deutschland sind in den vergangenen Wochen wieder leicht gesunken. Zuletzt lag der sogenannte Effektivzins für fünf Jahre Zinsbindung bei 1,28 Prozent, für zehn Jahre bei 1,7 Prozent und für fünfzehn Jahre bei 2,1 Prozent. Noch im Juli hatten die Bauzinsen nach Angaben der FMH-Finanzberatung zum Teil mehr als zehn Basispunkte darüber gelegen. Ein leichter Rückgang nur, aber immerhin.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Banken im Frühjahr damit geworben hatten, man solle sich schnell die niedrigen Zinsen sichern, wenn man bauen wolle. Allgemein war angenommen worden, dass die Hypothekenzinsen nicht auf Dauer so niedrig bleiben würden. Nach einem kurzen Anstieg der Bauzinsen im April scheint die Zinswende hier aber erst einmal verschoben. „Die Bauzinsen orientieren sich erfahrungsgemäß an der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. „Die Rendite der Bundesanleihe, die zwischenzeitlich auf mehr als ein Prozent gestiegen war, ist ja auch wieder deutlich gesunken - die Hypothekenzinsen folgen ihr etwas zeitversetzt nach.“

          Bild: F.A.Z.

          Ganz viel sinken aber könnten die Zinsen jetzt nicht mehr, meint man in den Banken: An negative Bauzinsen, wie es sie unter ganz bestimmten Umständen in Einzelfällen in Dänemark gab, glauben die Experten hierzulande nicht. Marcus Wetzel von der Baufinanzierungsabteilung der Commerzbank meint dazu: „Wir haben im April historische Tiefstände bei den Bauzinsen gesehen.“ Für die nächsten vier Wochen rechne er mit einer Art Seitwärtsbewegung. Mittelfristig sei dagegen schon damit zu rechnen, dass die Bauzinsen steigen - auch wenn die Zinshöhen aus alten Zeiten so schnell nicht wieder erreicht würden: „Früher waren 5 bis 6 Prozent bei Baufinanzierungen normal. Die Generation meiner Eltern hatte sogar noch 10 bis 11 Prozent gezahlt.“

          Vor allem die Internetbanken sorgen offenbar immer wieder mit günstigen Angeboten für Baufinanzierungen dafür, dass der Wettbewerb in diesem Teil des Bankgeschäftes hoch ist. Je nach Eigenkapital, das man mitbringe, sei auch eine Baufinanzierung zu Zinsen unter zwei Prozent durchaus auch in der Praxis möglich, sagt Finanzberater Herbst. Seine Erfahrung ist, dass auch die Bankberater in der Filiale oft bereit sind, bei den Konditionen nachzugeben, wenn jemand mit einem ganz konkreten Angebot von einer konkurrierenden Bank aus dem Internet ins Beratungsgespräch komme. „Eine Zinstabelle allein reicht dazu allerdings meistens nicht aus, weil die Zinsen, die jemand im konkreten Fall zahlen muss, immer auch vom jeweiligen Objekt und seiner Bonität abhängen“, sagt Herbst.

          Zwei Trends lassen sich derzeit bei der Baufinanzierung ausmachen

          Zwei Trends lassen sich derzeit bei der Baufinanzierung ausmachen, wie man in der Branche hört: Zum einen werde die Digitalisierung immer weiter vorangetrieben. Die Direktbank ING-Diba wirbt beispielsweise damit, dass sich Bankkunden jetzt auch für die Baufinanzierung per Videoschaltung akkreditieren können, wie das bei den Tagesgeldkonten schon länger möglich ist. Und auch die Commerzbank kündigt an, weitere Schritte in Richtung Digitalisierung der Baufinanzierung gehen zu wollen. „Die Mehrheit der Kunden schließt zwar ihre Baufinanzierung immer noch in der Bankfiliale ab“, sagt Commerzbank-Experte Wetzel. „Bei diesem wichtigen Lebensereignis wollen sie dem Berater ins Auge blicken.“ Die Zahl der Finanzierungen aus dem Internet steige aber.

          Zum anderen gibt es offenbar eine Tendenz hin zu längeren Zinsbindungszeiten. Die Logik dahinter: Niemand weiß, wie lange die Zinsen so niedrig bleiben. Dass sie noch viel weiter sinken werden, ist hingegen eher unwahrscheinlich. „Wer gerne für lange Zeit mit niedrigen Zinsen planen möchte, der schließt deshalb jetzt einen Baukredit mit einer lange Zinsbindung ab“, sagt Herbst. Der Nachteil: Die Banken verlangen deutlich höhere Zinsen für lange Zinsbindungsfristen als für kurze; im Einzelfall bleibt es deshalb eine Abwägung, bei der man auf die künftige Zinsentwicklung spekuliert.

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          Die Allianz beispielsweise, die schon seit einiger Zeit die Vergabe von Immobilienkrediten an Privatleute als gute Anlagemöglichkeit für ihre Versicherungsgelder entdeckt hat, bietet jetzt auch Immobiliendarlehen mit 40 Jahren Laufzeit. „Ein Darlehen, das über 40 Jahre läuft, bietet sich beispielsweise für junge Familien an“, sagt eine Allianz-Sprecherin. „Durch längere Laufzeiten und die damit einhergehende stärkere Verteilung der Belastung über die Jahre schaffen sich die Darlehensnehmer finanzielle Freiräume.“ Das Internetportal Biallo.de, das Bankenkonditionen vergleicht, warnt allerdings, die Zinsfestschreibung über 40 Jahre sei „kein Schnäppchen“: „Die Zinsen sind fast doppelt so hoch wie beim Zehnjahresdarlehen.“

          Die Allianz jedenfalls berichtet von einem starken Interesse an längeren Zinsfestschreibungen: 50 Prozent der Baufinanzierungskunden der Allianz wählten mittlerweile eine Zinsbindung von mehr als 20 Jahren. Bei Hausbauern und Immobilienkäufern, die ihre Anschaffung zu 100 Prozent finanzieren, seien dies sogar fast zwei Drittel - vor fünf Jahren seien es noch 40 Prozent gewesen. Auch bei der Commerzbank werden Baufinanzierungen immer langfristiger abgeschlossen: Bei der Commerzbank liege der Schwerpunkt derzeit bei 10 bis 20 Jahren.

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