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Anleihegläubiger : Argentinien lässt viele deutsche Anleger leer ausgehen

Argentiniens Präsident Mauricio Macri (links) und Finanzminister Luis Caputo Bild: AFP

Das Rückzahlungsangebot Argentiniens enttäuscht viele Anleihegläubiger, besonders in Deutschland. Bis zu 500 Millionen Euro sind noch nicht bedient worden. Die Chancen schwinden.

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          Die Nachricht vom September, Argentinien werde nach 15 Jahren alte Anleihen mit 150 Prozent des Nennwerts zurückzahlen, stellt für viele deutsche Anleger inzwischen eine herbe Enttäuschung dar. Denn viele Anleihen schließt die argentinische Regierung von ihrem Angebot aus. „Nur jene Gläubiger, die ihre Anleihe girosammelverwahrt haben und ein Gerichtsverfahren eingeleitet haben, sollen bedient werden. Wer das nicht gemacht hat, soll leer ausgehen“, berichtet Anleger Edmund Geckler, der das Verhalten der argentinischen Regierung als unfair kritisiert.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Rechtsanwalt Jakob Heichele aus Friedberg nahe Augsburg schätzt das Volumen deutscher Anleger an den von Argentinien noch nicht entschädigten Anleihen auf 400 bis 500 Millionen Euro. Das ist mehr als die Hälfte der von deutschen Anlegern vor dem Staatsbankrott im Jahr 2001 gehaltenen argentinischen Anleihen. Das dürften rund 700 Millionen Euro sein.

          Amerikaner klagten erfolgreich

          Heichele verweist darauf, dass amerikanische Anleger ihr Geld aus dem Rückzahlungsangebot schon vor fast einem Jahr erhalten haben. Auch italienische Investoren hätten im Sommer 2016 ihr Geld erhalten. Amerikanische Hedgefonds wie Paul Singer hatten vor amerikanischen Gerichten erfolgreich geklagt und Argentinien dazu gezwungen, rund 10 Milliarden Dollar zurückzuzahlen.

          Dazu kehrte das südamerikanische Land im April 2016 an den Kapitalmarkt zurück und begab Anleihen über 16,5 Milliarden Dollar. Vor wenigen Wochen konnte der neue Finanzminister Luis Caputo Anleihen über 7 Milliarden Dollar zu einem Zins von 6,8 Prozent verkaufen.

          Nach Verjährung kaum Chancen auf Rückzahlung

          Doch die meisten deutschen Gläubiger bangen weiterhin. Wenn die Ansprüche aus der Anleihe schon verjährt sind, können sie nur dann auf eine Rückzahlung hoffen, wenn sie rechtzeitig ein Gerichtsverfahren eingeleitet haben, um die Verjährung zu unterbrechen. So sind die Ansprüche auf Rückzahlung des Nominalbetrages der aus dem Jahr 1997 aufgelegten und mit 7 Prozent verzinsten Anleihen (WKN 190430) zum 18. März 2016 verjährt. Dabei gilt es zu beachten, dass Argentinien in den meisten Fällen die Fristen zur Verjährung deutlich verkürzt hat.

          Die Frist zur Geltendmachung der Ansprüche endet hier oft schon zehn Jahre nach Fälligkeit, während nach deutschem Gesetz 30 Jahre Zeit bleiben. Zu dieser „Vorlegungsfrist“ kommen zwei weitere Jahre hinzu, bis die Ansprüche endgültig erlöschen. Die oben genannte Anleihe wäre im März 2004 fällig geworden, die Verjährung trat zwölf Jahre später ein. „Wenn die Anleihe verjährt ist, hat der Anleger kaum Chancen, erfolgreich auf Rückzahlung zu klagen“, sagt Marc Liebscher, Anwalt der auf Kapitalmarktrecht spezialisierten Kanzlei Dr. Späth&Partner.

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