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Schuldenkrise : Der Markt hat die griechischen Banken abgeschrieben

Szene aus Athen: Der Kapitalabfluss von griechischen Banken hat existentielle Dimensionen erreicht. Bild: AFP

Von Anlegern erhalten die griechischen Institute längst kein Geld mehr. Die Kennziffern sind viel schlechter als bei Lehman kurz vor dem Bankrott. Ohne Notkredite würden die Banken umkippen.

          Griechische Banken erhalten an den Märkten keine Kredite mehr. Selbst unter ihren Kunden wächst das Misstrauen. Sie sollen allein am Mittwoch 300 Millionen Euro abgezogen haben. Die Kapitalflucht aus Griechenland dürfte seit Jahresanfang deutlich über 20 Milliarden Euro betragen haben. Ohne die Notkredite der Europäischen Zentralbank (EZB), die nun fast 70 Milliarden Euro betragen, würden die vier größten Banken des Landes umkippen. An den Finanzmärkten ist keiner mehr bereit, für Alpha Bank, National Bank of Greece, Piräus Bank oder Eurobank Ergasias zu bürgen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch das scheint die EZB nicht zu stören. Auf die Frage, welche Rolle die wirtschaftliche Lage einer Bank bei der Entscheidung spielt, ob sie Zugang zu Ela-Krediten erhält, antwortet ein Sprecher der Notenbank, dass die Bank solvent, also zahlungsfähig sein muss. Blickt man aber auf den Markt für Kreditausfallderivate, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), dann sind diese vier Banken seit zwei Jahren praktisch tot. Die letzten Werte lagen bei 1300 Basispunkten oder 13 Prozentpunkten. Das bedeutet, dass die Versicherung einer Forderung von 1 Million Euro gegenüber einer griechischen Bank eine jährliche Versicherungsprämie von 130.000 Euro gekostet hätte.

          EZB vergibt Notfallkredite sehr großzügig

          Im Vergleich dazu wären im September 2008 kurz vor der Insolvenz von Lehman Brothers für die Ausfallversicherung auf die amerikanische Investmentbank weniger als die Hälfte erforderlich gewesen. Die EZB hält aber die griechischen Banken noch immer für zahlungsfähig. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sie die Notfallkredite, die sogenannte Emergence Liquidity Assistance (Ela), weiter erlaubt und sogar das Volumen nun wieder aufgestockt hat. Allerdings wachsen auch hier die Zweifel, denn die Griechen hatten eine Erhöhung der Notfazilität um 900 Millionen Euro beantragt, aber nur 400 Millionen Euro wurden bewilligt.

          Der Griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras beim EU-Gipfel in Brüssel.

          Diese Ela-Kredite vergibt die griechische Notenbank. Dafür reichen die Banken kurzfristige Schatzwechsel, Anleihen und auch Kredite ein. „Die Möglichkeiten sind deutlich größer als bei den Finanzierungsgeschäften der EZB“, sagt DZ-Bank-Analyst Daniel Lenz. Für Ela-Kredite sind auch griechische Staatsanleihen als Pfand erlaubt. Diese akzeptiert die EZB für ihre Finanzierungsgeschäfte nicht mehr, weil Zweifel an der Bereitschaft der neuen Regierung an der Umsetzung des Reformprogramms bestehen.

          Doch für die Ela-Kredite reichen die griechischen Staatsanleihen. Überhaupt gibt die EZB die Notfallkredite recht großzügig frei, auch wenn sie darüber nun alle sieben und nicht mehr alle 14 Tage entscheidet. Denn nach den Kriterien des CDS-Marktes sind die vier größten Banken des Landes nicht mehr zu versichern. Der Geschäftsführer des Münchner Vermögensverwalters Xaia, Jochen Felsenheimer, kann einzig für die Alpha Bank noch CDS-Kurse feststellen. Diese lägen um 1300 Basispunkte. Doch um eine Versicherung zu erwerben, sei zunächst eine Vorauszahlung von 25 Prozent nötig. Das heißt, um 1 Million Euro zu versichern, muss der Versicherungsnehmer erst einmal eine Provision von 250.000 Euro im Voraus zahlen. Im Anschluss wird laut Felsenheimer eine jährliche Prämie von 50.000 Euro nötig.

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