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Unbesicherte Anleihen wieder interessant : Charme der Pfandbriefe wird spröder

Gute Stimmung: Der Wohnungsbau in Deutschland treibt auch das Geschäft der Pfandbriefbanken an Bild: dpa

Sie bringen kaum Rendite, sind aber bombensicher. Doch das Geschäft mit Pfandbriefen lässt nach, weil für Emittenten und Anleger die Alternativen wieder attraktiver werden.

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          Es ist nicht verfehlt, den Pfandbrief als gute deutsche Wertarbeit mit langer Tradition zu bezeichnen. Erfunden wurde er im 18. Jahrhundert vom Preußenkönig Friedrich II.; und weil er über eine in der Regel aus Grundvermögen oder Immobilien bestehende Besicherung verfügt und strengen Regularien unterliegt, ist zum bisher letzten Mal im Jahre 1901 eine Pfandbriefbank in Insolvenz gegangen. Die alte Bezeichnung „Witwen- und Waisenpapier“ trifft auf kaum eine Kapitalanlage so sehr zu wie auf den Pfandbrief.

          Dennoch lässt die Attraktivität des Pfandbriefs nach, auch wenn die Folgen der jüngsten Finanzkrise noch nicht überwunden scheinen und viele Anleger immer noch nach Sicherheit suchen. Pfandbriefe werden im Inland wie im Ausland auch heute noch von langfristigen Großanlegern wie Versicherungen, Versorgungswerken und Notenbanken gekauft, die den kleinen Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen schätzen. Viele Ausgaben werden komplett an Großanleger verkauft; bei anderen Emissionen schrecken hohe Mindestanlagebeträge die meisten Privatanleger ab.

          Nachlassendes Interesse der Banken

          Die Pfandbriefbanken haben sich auf die Bedürfnisse der Großanleger eingestellt: Die Zahl besonders beliebter Emissionen über 500 Millionen Euro ist in Deutschland höher als in anderen europäischen Ländern, in denen ähnliche Wertpapiere ausgegeben werden. Der vor einigen Jahren eingeführte „Jumbo-Pfandbrief“ mit einem Volumen von mindestens einer Milliarde Euro ist dagegen kaum mehr als ein Exot.

          Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Im Jahre 2004 befanden sich nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank Pfandbriefe im Wert von gut einer Billion Euro im Umlauf; im Jahre 2013 waren es nur noch 452 Milliarden Euro. Der Anteil der Pfandbriefe an allen deutschen festverzinslichen Wertpapieren ermäßigte sich in diesem Zeitraum von 32,3 auf 13 Prozent. Der Verband deutscher Pfandbriefbanken erwartet zwar, dass im Jahre 2014 wieder mehr Pfandbriefe begeben werden als im vergangenen Jahr, aber am Trend wird sich kaum etwas ändern.

          Bild: F.A.Z.

          Daran ist vor allem das nachlassende Interesse der Pfandbriefbanken an der Finanzierung des Staates verantwortlich. Traditionell teilt sich der Markt in zwei Segmente auf: Hypothekenpfandbriefe dienen ganz überwiegend zur Finanzierung von Wohn- und Gewerbeimmobilien und zu einem kleinen Teil zur Finanzierung von Schiffen und Flugzeugen.

          Das zweite Segment sind die sogenannten öffentlichen Pfandbriefe, mit denen die Banken die Finanzierung des Staates und hier nicht zuletzt der Kommunen unterstützen. Das ehemals sehr bedeutende zweite Segment schrumpft allerdings stark, weil viele Pfandbriefbanken wegen Regulierungen und niedriger Gewinnmargen kein Interesse mehr an der Staatsfinanzierung besitzen. Der Staat wiederum besitzt mehrere andere Finanzierungsmöglichkeiten; so nimmt das Geschäft der KfW und anderer Förderbanken in der Kommunalfinanzierung zu.

          Viel zu geringer Wohnungsbau

          Das Geschäft der Pfandbriefbanken in der Immobilienfinanzierung habe sich im vergangenen Jahr spürbar belebt und werde sich auch im laufenden Jahr positiv entwickeln, sagte Verbandspräsident Jan Bettink auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Die gute Stimmung auf dem deutschen Immobilienmarkt zeigt sich im Zuwachs der Finanzierungen von Wohnungen und von Gewerbeimmobilien.

          Eine generelle Überhitzung des Marktes kann Bettink nicht erkennen, wohl aber starke Preissteigerungen für ausgewählte Regionen und Objekte, die zu einer Überhitzung führen könnten. In Berlin betrage die Leerstandsquote bei Wohnungen 2 Prozent, schildert Bettink. Diese Quote sei sehr niedrig; sie sei aber nicht das Ergebnis von Spekulationen, sondern eine Folge eines über Jahre viel zu geringen Wohnungsbaus.

          Mittlerweile besitzen in Deutschland 79 Banken und Sparkassen das Recht zur Ausgabe von Pfandbriefen („Pfandbriefprivileg“), und nach Auskunft Bettinks dürfte die Zahl weiter steigen. Neben klassischen Pfandbriefbanken besitzen auch zahlreiche Banken und Sparkassen das Privileg, die hauptsächlich andere Geschäfte betreiben und selten bis gar nicht Pfandbriefe ausgeben.

          Das Interesse an dem Privileg war während der jüngsten Finanzkrise gewachsen, als inmitten schwerer Turbulenzen an anderen Märkten der Pfandbriefmarkt störungsfrei weiter arbeitete. In diesen Jahren erkannten viele Banken und Sparkassen den Pfandbrief als ein Finanzinstrument, mit dem sich auch in einer Krise billig und langfristig Liquidität beschaffen ließ. Dagegen war es für viele Banken in der Krise schwierig, zum Teil sogar unmöglich, unbesicherte Anleihen zu verkaufen.

          In der Zwischenzeit ist es an den Finanzmärkten aber zu einer Entspannung gekommen. Das Interesse der Anleger an unbesicherten Anleihen von Banken hat wieder deutlich zugenommen, worauf der Renditeabstand zwischen unbesicherten Anleihen und den Pfandbriefen deutlich zurückgegangen ist. Auch wird der Pfandbrief als Notfallinstrument zur Liquiditätsbeschaffung von den Banken in der augenblicklichen Lage nicht benötigt. Von eventuellen Anleihenkäufen der Europäischen Zentralbank erwartet Bettink keine spürbaren Auswirkungen auf das Geschäft der Pfandbriefbanken.

          Zum Monatsanfang hat der Verband die Veröffentlichung der sogenannten „Pfandbriefkurven“ eingestellt. Diese enthielten Angaben über die Finanzierungskosten der Pfandbriefbanken für unterschiedliche Laufzeiten und beruhten auf Angaben der Banken. Für Kreditnehmer waren diese Angaben von Interesse. Der Anlass für die Einstellung war ein Mehraufwand, der aus strengeren Aufsichtsregeln nach der Entdeckung der Manipulation der internationalen Geldmarktzinssätze Libor und Euribor entstammt.

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