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Daimler : Anleihen reizvoller als die Aktien

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Trübes Leuchten statt hellem Strahlen Bild: AP

Der schwäbische Autobauer Daimler hat im vergangenen Jahr wegen der Absatzkrise einen herben Gewinneinbruch erlitten. Die Aktie ist nach den Kursverlusten der vergangenen Monate inzwischen fair bewertet. Interessanter sind die Anleihen.

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          Die schwierige Lage der Automobilindustrie ist bekannt. Am Dienstag zeigt sie sich auch bei Daimler. Der schwäbische Autobauer hat im vergangenen Jahr wegen der Absatzkrise einen herben Gewinneinbruch erlitten.

          Der operative Gewinn (Ebit) schrumpfte auf 2,7 Milliarden Euro vom Rekordwert von 8,7 Milliarden Euro im Jahr 2007, wie Daimler am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem operativen Gewinn von mindestens 4,4 Milliarden Euro gerechnet, nachdem Daimler seine Ergebnisschätzung im vergangenen Jahr wegen der weg brechenden Pkw- und Lkw-Märkte zwei mal reduziert hatte.

          Nettoverlust aufgrund von Abschreibungen

          Zuletzt hatte der Stuttgarter Konzern noch mit einem Betriebsgewinn von mehr als sechs Milliarden Euro gerechnet. Besonders hart von der Kaufzurückhaltung der Autofahrer rund um den Globus wurde die Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars getroffen, die im Schlussquartal 2008 einen Verlust von 359 Millionen Euro verbuchte. Vor Jahresfrist hatte die frühere Ertragsperle im Konzern noch eine Rekordrendite von mehr als zehn Prozent abgeworfen. Unter dem Strich erzielte Daimler im vergangenen Jahr einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro oder von 2,71 Euro je Aktie.

          Im vierten Quartal verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 1,53 Milliarden Euro oder von 1,61 Euro je Aktie. Hauptgrund dafür sind Abschreibungen in Höhe von knapp 1,7 Milliarden Euro, die auf die Kredite, andere Vermögenswerte und vor allem auch auf die frühere Chryslerbeteiligung getätigt wurden. Die Lage führt zu einer Kürzung der Dividende von zwei Euro, die noch im April des laufenden Jahres ausgeschüttet wurde, auf nun voraussichtlich noch 60 Cent je Aktie.

          Die Zahlen sind schlechter als die, die der Markt befürchtet hatte. Die Aktie verlor nach Bekanntgabe bis zu 7,5 Prozent ihres Wertes auf 21,81 Euro im bisherigen Tagestief und erlitt damit in ihrem Stabilisierungsversuch der vergangenen Monate einen weiteren Rückschlag. Die Aktie bewegt sich seit September des vergangenen Jahres in eine Handelsspanne zwischen 20 und 28 Euro. Das heißt, sie liegt inzwischen wieder einmal gefährlich nahe am unteren Rand dieser Spanne.

          Anleihen sehen interessanter aus als die Aktien

          Die weiteren Aussichten sind nicht entzückend. Denn erstens dürften sich die konjunkturellen Schwierigkeiten weltweit länge hinziehen als vielfach erwartet. Aus diesem Grund wird die Nachfrage nach Automobilen längere Zeit unterdurchschnittlich ausfallen können, nachdem sie in den vergangenen Jahren vor allem auch vom Kreditgeschäft getrieben worden war. Gleichzeitig befindet sich die Brache jedoch auch in einer sich verdichtenden Strukturkrise, die sich einerseits durch deutliche Überkapazitäten und andererseits durch staatliche Interventionen in Form von Abwrackprämien, andere Arten von Subventionen und Garantien zeigen.

          Auf dieser Basis dürften Anleger dazu tendieren, Automobilwerte mit der notwendigen Skepsis zu betrachten. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr ist die Daimler-Aktie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 15 und 8,5 sowie mit einer voraussichtlichen Dividendenrendite von 2,6 Prozent allenfalls fair bewertet. Im Vergleich sehen die ausstehenden Anleihen des Unternehmens interessanter aus. Immerhin bringen die bis ins Jahr 2015 laufenden Europapiere von Daimler International Finance mit einem Kupon von 6,125 Prozent eine Rendite von 6,7 Prozent auf der Briefseite. Allerdings ist ihre Stückelung relativ groß.

          Dagegen kann die bis ins Jahr 2014 laufende 7,875 Prozent-Euroanleihe mit der Isin DE000A0T5SE6 auch für Privatanleger gewisse Reize bieten. Sie läuft im kurzfristigen Trend schon seit Tagen nach oben und bietet bei einem Kurs von 105,2 Prozent eine Rendite von 6,6 Prozent. Die Papiere haben Ratings von A3 bei Moody's A- bei S&P und BBB+ bei Fitch. Das ist nicht sonderlich gut, aber Daimler hat bisher noch jede Krise überstanden.

          Siehe auch: Anleihen: Anlegen mit Zinsinstrumenten

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