https://www.faz.net/-gv6-121zo

Daimler : Anleihen haben ihre Reize

  • Aktualisiert am

Trübes Leuchten statt hellem Strahlen Bild: AP

Der schwäbische Autobauer Daimler hat im ersten Quartal wegen der Absatzkrise einen herben Gewinneinbruch erlitten. Die Aktie ist nach den jüngsten Kursgewinnen schon etwas teuer geworden. Interessanter sind die Anleihen.

          2 Min.

          Die schwierige Lage der Automobilindustrie ist bekannt. Am Dienstag zeigt sie sich auch bei Daimler. Der schwäbische Autobauer nach einem herben Gewinneinbruch im Jahr 2008 auch im ersten Quartal des laufenden Jahres tief in die roten Zahlen gefahren.

          Der Konzern wies einen Verlust von 1,33 Milliarden Euro oder von 1,40 Euro je Aktie aus, nachdem ein Jahr zuvor noch 1,3 Milliarden Gewinn gemacht wurden. Der freie Mittelzufluss war negativ, das Unternehmen verbrannte 1,1 Milliarden Euro. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte vor der Zahlenvorlage bereits ein deutlich negatives Ergebnis angekündigt. Trotzdem bezeichnete ein Händler in einer ersten Reaktion die Zahlen als „grausam“.

          Aktienkurs befindet sich wieder in der Defensive

          Der Aktienkurs rutschte nach den Zahlen tief ins Minus und gab bis zu 8 Prozent nach, nachdem er in den vergangenen Wochen im Rahmen des allgemeinen Optimismus um bis zu 57 Prozent hatte zulegen können.

          Operativ verzeichnete der Konzern im Zeitraum von Januar bis März einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro. Hier hatte vor einem Jahr noch ein Plus von fast 2 Milliarden Euro in den Büchern gestanden. Auch im zweiten Quartal rechne man mit einem deutlich negativen Ergebnis. Nach einem Absatzrückgang von 34 Prozent im ersten Quartal und einem Umsatzschwund von 24 Milliarden auf 18,7 Milliarden Euro wiederholte der Konzern seine Einschätzung, das Ergebnis des laufenden Jahres werde deutlich unter dem Vorjahr bleiben.

          Die Geschäfte des Unternehmens laufen nicht sonderlich gut. Die Anzahl der verkauften Autos ist im ersten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode um 27,4 Prozent auf 231.200 Einheiten gefallen, der Umsatz um 27 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro geschrumpft. Der operative Verlust der Sparte Mercedes betrug 1,12 Milliarden Euro.

          Die Zahl verkaufter LKWs fiel sogar um knapp 40 Prozent auf 65.400 Stück. Der Umsatz fiel trotzdem „nur“ um 22 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro, während ein operativer Verlust von 142 Millionen Euro anfiel.

          In der Finanzsparte ging das Neugeschäft um 12 Prozent zurück, während das Kontraktvolumen um 2 Prozent auf 62 Milliarden Euro schrumpfte und operativ ein Verlust von 162 Millionen Euro auflief.

          Anleihen sehen interessanter aus als die Aktien

          Daimler geht von einem schwierigen Jahr mit schrumpfenden Umsätzen und problematischer Ertragsentwicklung aus. Das Unternehmen ist jedoch zuversichtlich, Marktanteile halten zu können. Im Automobil- und im Finanzbereich hofft man, im ersten Quartal trotz zunehmender Kreditausfälle das Tief der Gewinnentwicklung auf operativer Ebene erreicht zu haben. Dagegen werde man in der Nutzfahrzeugsparte die volle Wirkung der Krise erst noch zu spüren bekommen. Aus diesem Grund wurden Sparmaßnahmen in allen Unternehmensbereichen verschärft und Ausgaben gekürzt.

          Ein skeptischer Blick nach vorne ist gerechtfertigt. Erstens dürften sich die konjunkturelle Flaute weltweit länger hinziehen als vielfach erwartet. Die Nachfrage nach Automobilen kann längere Zeit unterdurchschnittlich ausfallen, nachdem sie in den vergangenen Jahren vor allem vom Kreditgeschäft getrieben wurden. Die Branche steckt in einer sich verdichtenden Strukturkrise. Die hohen Überkapazitäten haben staatliche Interventionen in Form von Abwrackprämien und anderen Subventionen und Garantien nach sich gezogen.

          Auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr ist die Daimler-Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 133 und 16 sowie mit einer voraussichtlichen Dividendenrendite von 2,3 Prozent nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen eher teuer.

          Im Vergleich sehen die ausstehenden Anleihen des Unternehmens interessanter aus. Die bis ins Jahr 2014 laufende Euroanleihe mit einem Kupon von 7,875 Prozent (Isin DE000A0T5SE6) bietet Privatanlegern gewisse Reize. Sie läuft im kurzfristigen Trend schon seit Wochen nach oben und bietet bei einem Kurs von 107,5 Prozent eine Rendite von sechs Prozent. Die Bonität wird von den Rating-Agenturen Moody's und S&P mit „A3“ bzw. „A-“ und von Fitch mit „BBB+“ bewertet. Das ist nicht sonderlich gut, aber Staatsanleihen vergleichbarer Laufzeit bieten eine Nominalrendite von gerade einmal 2,5 Prozent. Und Daimler hat bisher noch jede Krise überstanden.

          Weitere Themen

          Weltgrößter Börsengang erfolgreich Video-Seite öffnen

          Aramco-Aktie im Plus : Weltgrößter Börsengang erfolgreich

          Der weltgrößte Börsengang des Ölkonzerns Saudi Aramco ist ein Erfolg: Die Aktien der saudiarabischen Staatsfirma debütierten am Mittwoch mit 35,2 Riyal an der Börse in Riad. Das ist ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.