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Crowd-Financing : In 9 Minuten 1 Million Euro für Hertha BSC

Derzeit kommt die Hertha gut vorwärts. Bild: AFP

Ein Crowd-Financing-Projekt hat Hertha BSC in Minutenschnelle Geld gebracht. Der Weg ist neu, die Risiken sind die alten.

          Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein notorisch knapp bei Kasse befindlicher Fußballklub auch auf das Modell Crowd-Financing stößt. Und es kommt auch nicht überraschend, dass es ausgerechnet der Hauptstadtklub Hertha BSC ist. Die Berliner hatten schon in der Vergangenheit Anleihen, ein Zertifikat und Genussscheine begeben.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun also Crowd-Financing. Über den Erfolg braucht sich die Hertha wirklich nicht zu beklagen. Laut Meldung des Kreditmarktplatzes Kapilendo, der das Angebot durchführte, wurde die Summe von einer Million Euro in nur 9 Minuten und 23 Sekunden eingebracht. Ursprünglich waren 60 Tage für das Einsammeln angesetzt.

          Vor Anleihen und Genussscheinen

          Am vergangenen Samstag wurde vor dem Ligaspiel gegen Ingolstadt das Angebot freigeschaltet. Fans und Zuschauer konnten direkt im Stadion über ihr Smartphone Beträge von 100 bis 10.000 Euro anlegen. Angeboten hat der Klub für eine Laufzeit von drei Jahren 4,5 Prozent jährlich.

          Im Gegensatz zu anderen Crowd-Investing-Angeboten ist das Hertha-Darlehen dabei noch nicht einmal nachrangig. Insofern würden die Crowd-Investoren im Falle einer Insolvenz vor den Inhabern der Anleihen und Genussscheine bedient, heißt es von Kapilendo.

          Möglich wird dies dadurch, dass die Kapilendo-Partnerbank Fidor das Darlehen im Rahmen des Kreditwesengesetzes vergibt und dieses als Teilkreditforderungen an die privaten Anleger verkauft wird. Kapilendo tritt als Vermittler auf.

          Entschieden wird auf dem Platz

          Die finanzielle Situation der Berliner hat sich in den vergangenen Jahren etwas verbessert. Die Schulden sind gesunken, nicht zuletzt auch dank des Einstiegs des Finanzinvestors KKR. Dennoch wurde auch die vergangene Saison wieder mit einem Minus abgeschlossen. Eine Teilnahme an der Champions League könnte Hertha BSC also gut brauchen.

          In der Vergangenheit hatte es auch immer wieder Gerüchte um die Finanzierung gegeben. So wurden Zweifel geäußert, ob Fan-Anleihen nicht in der Hauptsache von Präsident Werner Gegenbauer gekauft wurden. Zudem gab es umstrittene Bilanzmaßnahmen wie etwa im Geschäftsjahr 2013/14, als nur die Einbringung der Markenrechte in eine Tochtergesellschaft und der damit verbundene außerordentliche Ertrag von 30 Millionen Euro die Bilanz rettete.

          Das Wohl und Wehe des Klubs und damit auch des Crowd-Investments hängt immer am sportlichen Erfolg. Schon der bislang letzte Abstieg 2012 war ein finanzieller Kraftakt. In den vergangenen sechs Jahren ist die Hertha zweimal abgestiegen. Auf der anderen Seite liegt der Verein derzeit so gut im Rennen wie seit sieben Jahren nicht mehr. Damals ging es in die Euro League, wo man in der Gruppenphase sieglos ausschied und in derselben Saison aus der Bundesliga abstieg. So schnell kann es gehen.

          In der ersten Bundesliga hat es bislang noch nie eine Insolvenz gegeben. Allerdings lagen in den bisherigen Insolvenzfällen zwischen Abstieg und Insolvenz nur ein bis sechs Jahre.

          Das Geld will der Klub für seine „digitale Transformation“ verwenden. Der kürzlich neu gestaltete Online-Fan-Shop soll ausgebaut und eine neue App entwickelt werden. Zudem soll eine neue Software entwickelt werden, mit der Trainer die Leistungswerte ihrer Profis und möglicher Neuzugänge noch besser beobachten können.

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