https://www.faz.net/-gv6-nubv

Commercial Papers : Wachsende Nervosität an den Geld- und Anleihemärkten

  • -Aktualisiert am

Neue Möglichkeit, Liquidität tageweise anzulegen: die EZB Bild: picture-alliance/ dpa

Die schlechten Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt haben die schlechte Stimmung an den Geldmärkten weiter gedrückt. Inzwischen dehnt sich die Krise auf andere Segmente aus. Auch an den Märkten für Unternehmensanleihen finden sich kaum noch Käufer.

          2 Min.

          Nach den schlechten Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt vom vergangenen Freitag hat sich die Krisenstimmung an den Geldmärkten weiter verschärft und sich auf andere Marktsegmente ausgedehnt. Händler berichteten, dass auch an den Märkten für Unternehmensanleihen und Pfandbriefe kaum noch Käufer zu finden seien.

          Inzwischen werde befürchtet, dass sich das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staten stark abschwächen werde und es womöglich zu einer Rezession komme. Dies habe die Risikoscheu weiter erhöht. Schon in den vergangenen Tagen seien die Risikoprämien auf viele Unternehmensanleihen kräftig gestiegen. Nun befürchteten viele Investoren, dass die Kurse dieser Wertpapiere weiter fallen könnten, und hielten sich mit Käufen zurück, erläuterte ein Händler der Landesbank Baden-Württemberg.

          Fast ausgetrocknet

          Für Besorgnis sorgt zudem, dass in dieser Woche kurzlaufende Wertpapiere, sogenannte Commercial Papers (CP), im Volumen von rund 130 Milliarden Dollar fällig werden und refinanziert werden müssen. Nach einer Übersicht der Bank of America werden allein am 17. September Papiere im Volumen von 48 Milliarden Dollar fällig. Der Markt für diese Papiere ist in den vergangenen Wochen weitgehend ausgetrocknet. Viele Emittenten dieser Papiere haben daraufhin vorab vereinbarte Kreditgarantien von Banken in Anspruch genommen.

          An den Finanzmärkten wird befürchtet, dass diese Finanzierungsumschichtungen zu schwerwiegenden Turbulenzen führen könnten. Der Hintergrund stellt sich vereinfacht ausgedrückt so dar: Wenn eine Bank einen Kredit gewährt, schreibt sie dem Kreditnehmer den entsprechenden Betrag auf dessen Konto gut. In der Regel wird der Kreditnehmer über dieses Guthaben verfügen und es an jemand anderen bei einer anderen Bank überweisen - zum Beispiel an den Inhaber eines auslaufenden CP.

          Für die betroffene Bank bedeutet dies, dass ihr auf ihrem Konto bei der Zentralbank Geld abfließt. Da dieses Konto aber nie über Nacht im Soll stehen darf, muss sie sich häufig über den Geldmarkt refinanzieren. Sie muss also bei anderen Banken, denen Geld zugeflossen ist, einen Geldmarktkredit aufnehmen.

          Zins für Tagesgeld deutlich über Leitzins

          Normalerweise funktioniert das problemlos, weil die Banken, denen Geld zugeflossen ist, durch das Vergeben solcher Geldmarktkredite einen Zins einnehmen. Derzeit aber ist das Misstrauen der Banken untereinander so groß, dass viele Banken davor zurückscheuen, solche Kredite zu gewähren. Als warnendes Beispiel gilt dabei, dass die IKB Deutsche Industriebank und die SachsenLB praktisch über Nacht in Zahlungsschwierigkeiten geraten waren. Dieses Horten von eigentlich überschüssiger Liquidität hat den Geldmarkt in den vergangenen Wochen immer wieder aus dem Gleichgewicht gebracht, was sich in stark schwankenden Zinssätzen für Tagesgeld spiegelt.

          In der vergangenen Woche ist der Zins für Tagesgeld zeitweise auf 4,6 Prozent gestiegen - und damit weit über den Leitzins von 4 Prozent hinaus, den die Europäische Zentralbank (EZB) für angemessen hält und anstrebt. Die EZB hatte deshalb den Banken am vergangenen Donnerstag für einen Tag zusätzliche Kredite von 42 Milliarden Euro gewährt. Das hat den Zins für Tagesgeld tatsächlich gedrückt. Am Montag lag er am Nachmittag sogar nur noch bei 3,1 Prozent - und damit nun deutlich unter dem von der EZB vorgegeben Leitzins.

          EZB will Zinssatz für Dreimonatskredite drücken

          Ursache für diesen Zinsrückgang ist, dass am heutigen Dienstag die aktuelle Mindestreserveperiode ausläuft. Aufgrund der reichlichen Überversorgung mit Liquidität in den vergangenen Tagen haben viele Banken ihre Mindestreservepflicht für die Periode Juli/August schon erfüllt. Sie haben deshalb überschüssige Liquidität, die sie bereit sind, an erstklassige Adressen auszuleihen. Das hat den Zinssatz gedrückt. Am Geldmarkt wird erwartet, dass die EZB am heutigen Dienstag eine Möglichkeit anbieten wird, überschüssige Liquidität bei ihr für einen Tag anzulegen.

          Der EZB könne nicht daran gelegen sein, dass sich der Tagesgeldzins so weit nach unten vom Leitzins entferne, erläuterte ein Geldhändler. Am Donnerstag wird die EZB zusätzlich Liquidität mit dreimonatiger Laufzeit als Kredit anbieten. Dies soll dazu beitragen, den Zinssatz für Dreimonatskredite unter Banken zu drücken. Am Montag lag dieser Zins mit rund 4,7 Prozent weiterhin ungewöhnlich deutlich über dem Leitzins.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erst im Februar wurden die neuen Straßenschilder aufgehängt.

          Nordmazedonien und die EU : „Der Erweiterungsprozess ist klinisch tot“

          Für mögliche Beitrittsgespräche mit der EU hat Mazedonien sich in Nordmazedonien umbenannt. Nun wird daraus vorerst nichts. Im Interview spricht der ehemalige Außenminister Antonio Milošoski darüber, ob es einen Weg zurück gibt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.