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China : Angst vor Kreditausfällen

Bild: F.A.Z.

Die staatlich verordnete Lockerung der Kreditvergabe soll der schwächelnden Konjunktur in China wieder auf die Sprünge helfen. Das lässt jedoch das Risiko von Kreditausfällen beträchtlich steigen. Besonders kleine und neue Banken sind gefährdet.

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          Die Sorge um ein rasches Anwachsen fauler Kredite in China steigt. Denn die - überwiegend staatlichen - Banken haben auf Anweisung der Politik ihre Schleusen wieder geöffnet. Die Regierung in Peking will durch billiges Geld die Konjunktur stützen. Doch zugleich könnte diese Politik dazu führen, dass die Institute abermals uneinbringliche Kredite anhäufen. Diese wurden bei der Entschuldung der Banken, um sie für den Börsengang reif zu machen, schon einmal in „Bad Banks“ überführt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Heute sind Chinas Banken auf dem Papier die größten der Welt. Gemessen an ihrer Marktkapitalisierung, liegen sie inzwischen weit vor den amerikanischen Instituten, die schwer unter der Finanzkrise gelitten haben. Chinas Banken aber seien weitgehend unbetroffen geblieben vom Aufruhr auf den weltweiten Finanzmärkten, heißt es in dem am Dienstag von der Weltbank vorgelegten Zwischenbericht zur Lage in China. „Dennoch ist der indirekte Einfluss über die Realwirtschaft wesentlich stärker. Wenn einige der Investitionen in den Export und den Immobiliensektor schiefgehen, wird es zu einem unvermeidlichen Anstieg uneinbringlicher Kredite kommen. Einige der kleineren und neueren Banken sind insbesondere verletzlich“, warnt die Weltbank. „Das langsamere weltweite Wachstum wird die Finanzkraft der Unternehmen verletzen, das wird dann zu einem Anstieg fauler Kredite führen“, warnt auch Syetarn Hansakul in einer am Dienstag vorgelegten Studie der Deutschen Bank zum Finanzmarkt der Volksrepublik.

          Faule Kredite auf den Steuerzahler abgewälzt

          Dabei steht außer Frage, dass die Reformen der vergangenen Jahre dem chinesischen Bankensektor gutgetan haben. Die Kapitalausstattung von vier Fünfteln der Institute liegt offiziell über den Anforderungen der Baseler Regeln. Ihre Portfolios konnten die Banken von den angehäuften faulen Krediten befreien. Sie wurden auf den Steuerzahler abgewälzt. Und doch täuschen die Berichte aus Peking: Zwar beträgt die offizielle Rate fauler Kredite nur noch 6,2 Prozent der gesamten Kreditsumme, nach noch 16,6 Prozent Anfang 2004. „Der Abwärtstrend ist einerseits dank des Auslagerns der uneinbringlichen Kredite erreicht worden, zum anderen aber auch durch ein starkes Kreditwachstum, das die Rate fauler Kredite, gemessen an der Summe, schwinden lässt. In absoluten Zahlen sind die faulen Kredite seit dem vierten Quartal 2007 wieder leicht angestiegen auf 1,27 Billionen Yuan (143,6 Milliarden Euro)“, heißt es in dem Bericht der Deutschen Bank.

          Der Schwenk zu einer leichteren Kreditvergabe hat nun endgültig eingesetzt, um die Konjunktur anzufeuern. Schon in den ersten zwei Monaten dieses Jahres haben die staatlichen Banken mit 2,7 Billionen Yuan neuer Kredite mehr als die Hälfte der Summe vergeben, die die Regierung als Zielwert für das gesamte Jahr ausgemacht hatte. Erst vergangenen Freitag hatten Zentralbank sowie Handels- und Finanzministerium in einer ungewöhnlichen gemeinsamen Erklärung gefordert, in China ein System der Konsumentenkredite aufzubauen. „Wir müssen diesen wichtigen Kanal nutzen, um die heimische Nachfrage zu erhöhen und Wachstum zu sichern“, hieß es.

          Gefahr vom Immobiliensektor

          Legten die Ausleihungen Ende 2007 noch um 16 Prozent im Jahresvergleich zu, lagen sie Ende 2008 schon 19 Prozent über dem Vorjahreswert. „Das markiert eine Umkehr der Kreditpolitik, denn vor der Finanzkrise hatten die Aufsichtsgremien die Geldpolitik verengt und die Banken aufgefordert, die Kreditvergabe zu erschweren“, heißt es bei der Deutschen Bank. Hinzu kommen nun wachsende Risiken aus dem Immobiliensektor, in den mehr als ein Fünftel der Ausleihungen fließen. „Es gibt unbestätigte Berichte, dass sich der Immobiliensektor in einigen Schlüsselstädten schon abkühlt, in Shenzhen beispielsweise sind die Preise binnen Jahresfrist um 30 Prozent gefallen“, schreibt die Deutsche Bank. Das aber gefährde die Bau- und Immobilienkonzerne - was wiederum zu weiteren Kreditausfällen führen könnte.

          Die Beobachter der Weltbank leiten aus dem neuen Trend eine konkrete Warnung vor dem negativen Einfluss der Politik ab: „Banken sollten nicht dazu angehalten werden, die Ausleihungen über ein umsichtiges Maß hinaus zu steigern. Denn das würde zu neuen faulen Krediten führen und damit zum Risiko der Zahlungsunfähigkeit. Zugleich würden damit die Fortschritte zunichtegemacht, sich auch bei der Kreditvergabe stärker am Markt zu orientieren.“

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