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Chefökonom Probyn, State Street Global Advisors : „Hohe Inflationsraten sind sehr unwahrscheinlich“

  • Aktualisiert am

Christopher Probyn, Chefvolkswirt State Street Global Advisors Bild: State Street Global Advisors

State Street Global Advisors gehört mit einem verwalteten Vermögen von 1,9 Billionen Dollar zu den größten Vermögensverwaltern der Welt. Chefökonom Christopher Probyn sagt, warum keine hohe Inflation droht, wann Spanien ein volles Hilfsprogramm anfragt und dass Barack Obama wohl Amerikas Präsident bleibt.

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          Herr Probyn, vor Inflation haben die Deutschen immer besonders viel Angst. Gefährdet die expansive Politik der Europäischen Zentralbank die Preisniveaustabilität?

          Meines Erachtens nicht. In der europäischen Wirtschaft gibt es derzeit viele überschüssige Kapazitäten - nehmen Sie etwa die hohe Arbeitslosigkeit. Hohe Preissteigerungen entstehen dagegen vor allem dann, wenn die Produktionskapazitäten stark ausgelastet sind, eine steigende Nachfrage unmittelbar Knappheiten verstärkt und Preiserhöhungen auf breiter Front ermöglicht. Das ist wie gesagt im Euroraum nicht der Fall im Moment.

          Das gilt aber doch zum Beispiel nicht für das größte Euroland Deutschland.

          Es stimmt, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern natürlich sehr gut aussieht. Aber die Produktivität in Deutschland ist ebenfalls höher, so dass beispielsweise Lohnsteigerungen nicht zwingend höhere Preisniveaus nach sich ziehen müssen, sondern sehr gut verkraftet werden können.

          Dennoch bleibt das Risiko in Deutschland zumindest größer als in anderen Euroländern, oder?

          Ich unterteile Inflation zur Analyse grundsätzlich in zwei Teile. Einmal die gesamte Inflationsrate und dann diejenige, die sich ergibt, wenn man Nahrungsmittel und Energiepreise außen vor lässt.

          Warum? Ketzerisch gesagt, bringt es doch nichts, sich anzuschauen, wie sich das Preisniveau ändert für Menschen, die nichts essen und kein Auto fahren.

          Doch. Wenn Sie die gesamte Inflationsrate im Euroraum über die vergangenen Jahre anschauen, dann schwankt sie im Grunde sehr stark mit dem Ölpreis. Der deutliche Ölpreisanstieg und -fall in den Jahren 2007 und 2008 erhöhte und verminderte die Inflationsrate ziemlich exakt. Die Crux ist jetzt, dass der Ölpreis auf dem Weltmarkt entsteht und von einer Zentralbank nicht beeinflusst, sondern eigentlich nur hingenommen werden kann. Deswegen macht es für die Zentralbank, wenn sie über die richtige Geldpolitik entscheidet, Sinn, sich die Preisentwicklung eben ohne den Ölpreis anzusehen.

          Was ergibt sich mit Blick auf den Euroraum daraus?

          Die sogenannte Kerninflation liegt seit Jahren unterhalb jener 2 Prozent, die von der EZB als Inflationszielwert ausgegeben werden.

          Die EZB hat unlängst ein neues Programm (“Outright Monetary Transactions“, OMT) aufgelegt, das beinhaltet, dass die Zentralbank von Euroländern, die sich einem Hilfsprogramm unterwerfen, notfalls schon in Umlauf befindliche Anleihen in unbegrenzter Höhe kaufen wird. Die Märkte reagierten bereits im Vorfeld sehr positiv darauf. Die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen sind merklich zurückgegangen. War das wirklich ein „Game Changer“, wie viele Marktteilnehmer sagen?

          Das Programm ist ein wichtiger Schritt. Es ist übrigens nicht so einfach zu vergleichen oder zu verwechseln mit dem dritten Lockerungsprogramm der amerikanischen Notenbank (QE3), als dessen Folge die Fed nun jeden Monat für 40 Milliarden Dollar Hypothekenpapiere kaufen wird. Das Programm der EZB ist konditioniert, Länder müssen erst ein Hilfsprogramm beantragen, Bedingungen dafür erfüllen und bekommen dann eben Schützenhilfe von der EZB. Meines Erachtens reicht es in der aktuellen Situation zur nachhaltigen Beruhigung der Märkte nicht aus, dass es das Programm gibt, sondern es muss auch mindestens einmal eingesetzt werden, um zu überzeugen. Erst dann wird es wirklich ein „Game Changer“ sein.

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