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Graumarkt : Der Prokon-Gründer sammelt wieder Geld

Carsten Rodbertus Bild: dpa

Ex-Prokon Chef Rodbertus wirbt wieder um das Geld der Kleinanleger. Nicht als Chef eines Unternehmens, sondern als dessen Berater. Allerdings sieht es dem Prokon-Modell ziemlich ähnlich.

          Der Niedergang des Windenergie-Unternehmens Prokon hat umfangreiche Schlagzeilen gemacht. Im Mittelpunkt stand die schillernde Figur des Geschäftsführers Carsten Rodbertus. Weltverbesserer oder Betrüger? Daran schieden sich die Geister – auch unter den rund 75.000 Anlegern, die für mehr als eine Milliarde Euro Genussrechte gekauft hatten und nun einen Gutteil ihres Investments abschreiben müssen. Rodbertus kämpfte um sein Unternehmen, das er aufgebaut, aber auch ruiniert hatte und verlor. Aber er wäre nicht Carsten Rodbertus, wenn er es nicht wieder versuchen würde.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diesmal tritt er allerdings nur als Berater des Unternehmens PMK in Erscheinung und beteuert weder Gesellschafter noch Geschäftsführer werden zu wollen. Wie Prokon versucht PMK, Anlegergelder für wohlklingende Projekte einzuwerben. „Projekt mit Konzept für eine lebenswerte Zukunft“ ist der volle Name des Unternehmens, das nachhaltige, gemeinnützige, soziale und kulturelle Projekte entwickeln soll. Solche, die der Befriedigung von Grundbedürfnissen der Allgemeinheit dienen oder am Gemeinwohl orientiert sind. Schwerpunkt sind wieder einmal die Erneuerbaren Energien, aber auch in das Gesundheitswesen, die Altenpflege, den Wohnungsbau, die Ernährungswirtschaft, Bildung und Wissenschaft sowie Kultur und Tourismus will PMK expandieren.

          Man hat etwas vor. Und ist damit noch nicht am Ende. Die Gesellschaft soll den technologischen Fortschritt fördern, der eigentlich ein technischer Fortschritt ist. Und insbesondere will sie inhabergeführten mittelständischen Unternehmen sowie sozial und kulturell orientierten Einrichtungen die Möglichkeit eröffnen, unabhängig von den Mechanismen des Kapitalmarktes zu agieren und dabei nicht den existenzbedrohenden Einflüssen der Großindustrie oder einzelner marktbeherrschender Unternehmen ausgesetzt zu sein.

          Geschäftsführer der in Magdeburg ansässigen PMK ist Christian August. Über diesen erfährt man nichts auf den Internet-Seiten. Das Konzept aber sieht dem von Prokon doch recht ähnlich. Die Verbindung wird auch nicht verhohlen: Schon auf der Startseite des Internet-Auftritts von PMK gibt es die Möglichkeit, einen Newsletter zu abonnieren, mit dem man sich auch über das Insolvenzverfahren der Prokon informieren kann.

          Anleger stehen ganz hinten

          Wer sich auf PMK einlässt, kann anders als bei Prokon diesmal keine Genussrechte kaufen, sondern Nachrangdarlehen an das Unternehmen vergeben. Der Vorteil gegenüber Genussrechten ist, dass die Darlehen keinen Eigenkapitalcharakter haben. Das heißt, ihr Wert kann im Fall, dass das Unternehmen Verluste macht, nicht sinken. Das spielt letztlich aber kaum eine Rolle. Denn im Rang stehen die Darlehen ebenso wie die Genussrechte bei Prokon ganz hinten an, kurz vor dem Eigenkapital. Das war bei Prokon auch nicht eben üppig vorhanden, und so geht die Insolvenz vor allem zu Lasten der Genussrechtsinhaber. Ohne große Eigenkapitaldecke, über die bei PMK nichts bekannt ist, würde das auch hier so kommen.

          Eines haben die Initiatoren immerhin aus Prokon gelernt: Kündigungsrechte sind selbstmörderisch. Prokon kam vor allem zu Fall, weil die Genussrechtsinhaber ihre Einlagen binnen vier Wochen kündigen konnten. Als sie das taten, war es mit Prokon schnell zu Ende, weil das Unternehmen nicht so viele Gläubiger auf einmal auszahlen konnte. Womöglich deswegen sind die Nachrangdarlehen jetzt auch unkündbar. Und es wird noch besser: „Zahlungen können nur verlangt werden, wenn hierdurch bei dem Unternehmen ein Insolvenzeröffnungsgrund nicht herbeigeführt wird“, heißt es in den Informationen. Zwar gibt es einen Nachzahlungsanspruch. Doch auch dieser erlischt mit Ablauf des vierten Jahres nach Beendigung der Laufzeit.

          Auf der positiven Seite gibt es einen Investitionsbeirat oder es wird ihn geben. Dieser soll alle Investitionen genehmigen und „unter anderem“ aus externen Wirtschaftsfachleuten bestehen. Ab 1000 Anlegern soll auch ein Anlegerbeirat gebildet werden, der den Investitionsbeirat ergänzt beziehungsweise unterstützt. Aber eben erst dann.

          Für die Risiken zeigt sich das Alternativ-Unternehmen, das nicht beabsichtigt, Fremdfinanzierungen von Banken, Versicherungen oder ähnlichen Dienstleistern in Anspruch zu nehmen, nicht eben spendabel. 3 Prozent bietet es für drei Jahre, 3,75 Prozent für fünf Jahre und 5 Prozent für zehn Jahre. Der Reisekonzern Tui etwa bietet derzeit eine Anleihe mit fünfjähriger Laufzeit zu 4,5 Prozent an. Die ist zwar vorzeitig kündbar, aber dafür nicht nachrangig.

          Warum also einem Unbekannten, der von Carsten Rodbertus unterstützt wird, Geld für unbekannte Projekte geben? Wenn man auf Rodbertus‘ Expertise vertraut, spricht dies dafür. Allerdings sind die Erfahrungen mit Prokon nicht die beste Referenz. Selbst wenn man an der Insolvenz dem bösen Finanzsystem oder der ungerechten Presse die Schuld geben will, die keine alternativen Unternehmen dulden. Denn die gibt es immer noch. Warum sollte es diesmal anders ausgehen? Alternativ könnte man glauben, dass Rodbertus gelernt habe und geläutert sei. Aber auch dafür ist sein Verhalten im Falle Prokon nicht die beste Referenz, wo er bis zum Schluss den Insolvenzverwalter und einstige Anhänger bekämpfte.

          Wieder stellt sich also dieselbe Frage: Seriöser Unternehmer, Weltverbesserer oder ein Betrüger, der mit wohlklingenden Formeln gutgläubigen Privatleuten das Geld aus der Tasche zieht?

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