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Riskante Anlage : Zocken mit Bundesanleihen

An der Frankfurter Börse kann man Bundesanleihen direkt kaufen. Bild: dpa

Anleihen bringen kein Geld mehr? Stimmt nicht. Seit Januar haben Bundesanleihen 18 Prozent hinzugewonnen. Das ist aber nur was für Spekulanten. Sie profitieren von der Unsicherheit an den Märkten.

          Gerade noch 0,1 Prozent Rendite bringt eine Bundesanleihe mit Fälligkeit in zehn Jahren. Die Schlussfolgerung scheint klar: Mit Anleihen ist derzeit kein Geld zu verdienen. Aber das stimmt nicht. Im bisherigen Jahresverlauf waren Bundesanleihen zusammen mit Gold die Hauptgewinner unter den Geldanlagen. Die zehnjährige Bundesanleihe legte bisher fünf Prozent zu, die 30-jährige sogar 18 Prozent. Aktien haben hingegen zehn Prozent verloren.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie passt das zusammen? Anleger müssen zwischen dem Kauf einer Bundesanleihe, die sie bis zum Ende der Fälligkeit in einigen Jahren behalten, und dem kurzfristigen Spekulieren mit solchen Papieren unterscheiden. 0,1 Prozent Rendite im Jahr bekommen diejenigen, die die Bundesanleihe heute kaufen und warten, bis sie in zehn Jahren zurückgezahlt wird. Das lohnt sich nun wirklich nicht.

          Aber manche, vor allem professionelle Anleger verkaufen die Anleihen schon nach ein paar Monaten wieder. Da sind schnell einmal zweistellige Kursgewinne möglich. Aber eben auch entsprechende Verluste. Vorher weiß man das nicht, denn die Anleihekurse ändern sich wie Aktienkurse minütlich. Nur der Anleger, der bis zur Fälligkeit wartet, kennt seinen Gewinn vorher.

          Pure Spekulation

          Von sicheren Geschäften mit Anleihen kann man bei solchen Deals über ein paar Monate also nicht sprechen. Es ist pure Spekulation. Und damit nichts für konservative Anleger, die Anleihen kaufen, um ihr Geld gesichert zu sehen. Sondern für die, die schnell viel verdienen wollen, aber auch wissen, dass sie ebenso rasch verlieren können. Wie etwa vor einem Jahr: Im Frühjahr 2015 erhöhte sich das allgemeine Zinsniveau, und Bundesanleihen verloren stark an Wert. Die Kurse der Anleihen mit Fälligkeit in 30 Jahren rauschten innerhalb von wenigen Wochen 25 Prozent in den Keller – nichts für schwache Nerven.

          Kursgewinne verzeichnen Anleihen immer dann, wenn die Lage an den Weltbörsen unruhig wird - so wie in den ersten Monaten des Jahres, als viele sich um die Wirtschaftsaussichten Chinas und Amerikas und den sinkenden Ölpreis sorgten. Dann sind Anleihen als sichere Geldanlage gesucht. Und Deutschland, als eines der wenigen Länder der Welt, das bei fast allen Rating-Agenturen noch die bestmögliche Bonität „AAA“ besitzt, ist dann besonders gefragt. Je länger die Laufzeit, desto höher der Kursgewinn, aber auch der mögliche Verlust – je kürzer, desto weniger Gewinnchance. So gewannen Anleihen mit sieben Jahren Restlaufzeit lediglich drei Prozent, fünfjährige Papiere gar nur 0,6 Prozent.

          So große Kursgewinne sind nicht mehr zu erwarten

          Echte Spekulanten setzen derzeit mindestens auf Zehn-Jahres-Papiere. Der Markt für 30-jährige Anleihen ist schwankungsreich, weil dort vor allem Versicherungen und Pensionskassen investieren. Sie handeln hohe Volumina und sind manchmal wie im vergangenen Frühjahr gezwungen, rasch zu verkaufen, wenn die Kurse mal ins Rutschen geraten. Die Ausschläge werden dadurch heftiger.

          Die Frage ist nun, ob solche Zockereien derzeit interessant sein könnten. „So große Kursgewinne wie im ersten Quartal erwarte ich nicht mehr, aber bis zum Sommer könnten die Renditen noch einmal um 0,2 Prozentpunkte sinken. Für 30-jährige Bundesanleihen würde das Kursgewinne von rund drei Prozent bedeuten, für zehnjährige die Hälfte“, sagt Rüdiger Kerth von der Union Investment, der dort den größten Anleihefonds UniEurorenta leitet. Er begründet das mit der Unsicherheit vor der britischen Abstimmung über einen EU-Austritt (Brexit), mit der fehlenden Inflation und der nur durchschnittlichen Wirtschaftsentwicklung. Kurstreibend seien auch die im April ausgeweiteten Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank bei gleichzeitig wenig Neuemissionen.

          Wichtig ist eine Online-Bank mit kostenlosem Depot

          Die EZB darf derzeit nur Bundesanleihen mit mindestens fünf Jahren Laufzeit kaufen. Auch das spricht gegen eine Spekulation mit Anleihen mit kurzen Laufzeiten. Kommt es wirklich zum Brexit oder entstehen gar neue Rezessionsängste, sind deutlich höhere Kursgewinne wahrscheinlich. Auf Sicht von einem Jahr und länger wird aber eher mit fallenden Kursen gerechnet. Anleger sollten die Papiere also nicht zu lange halten.

          Bundesanleihen kann man direkt an der Börse etwa in Frankfurt und Stuttgart kaufen. Es gibt zudem Zertifikate auf den sogenannten Bund-Future, der die Entwicklung von Bundesanleihen abbildet. Nur für erfahrene Anleger sind sogenannte CFDs. Hier kann man ohne Geld, nur mit einer kleinen Sicherheitszahlung, investieren und bekommt am Ende den Gewinn ausbezahlt, muss aber bei Verlusten Geld nachschießen. Auf jeden Fall sollten sich Anleger für die Spekulation mit Anleihen eine Online-Bank mit kostenlosem Depot und niedrigen Handelsgebühren heraussuchen. Damit vom Gewinn möglichst viel übrig bleibt.

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