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Jahreshoch : Bundesanleihen lassen den Dax alt aussehen

Bild: F.A.Z.

Sichere Anleihen bringen nichts mehr, heißt es immer. Weit gefehlt. 2014 lassen Bundesanleihen Aktien weit hinter sich.

          Seit die Notenbanken dieser Welt die Leitzinsen auf tiefste Tiefstände gesenkt haben (also seit einer gefühlten Ewigkeit), hören Anleger wieder und wieder diesen einen Satz: „Mit sicheren Anleihen lässt sich kein Geld mehr verdienen.“ Auch diese Zeitung, wir geben es beschämt zu, hat ihren Lesern stets gesagt: Anleihen haben das Beste hinter sich. Kauft lieber Aktien!

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun wollen wir dies nicht komplett revidieren, so viel Ehrenrettung muss sein. Denn wer heute eine Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit kauft, erhält dafür gerade einmal 0,6 Prozent Rendite. Das ist so wenig wie noch nie in der Geschichte deutscher Staatsanleihen. Allerdings gilt dies nur für den Fall, dass Anleger die Anleihe tatsächlich auch bis zu ihrer Fälligkeit halten.

          Wenn sie das Papier vorher verkaufen, ist dagegen möglich, was viele Anleger zu ihrem Erstaunen in diesem Jahr feststellten: Seit Jahresanfang haben Bundesanleihen mit langer Laufzeit fast 15 Prozent an Wert gewonnen : Wer also am Jahresanfang kaufte und jetzt wieder verkauft, hat einen tollen Schnitt gemacht. Der Dax hingegen hat im gleichen Zeitraum gerade einmal um 2,5 Prozent zugelegt.

          Anleihen haben dramatisch an Wert abgenommen

          Die technische Erklärung für das Phänomen ist relativ einfach: Auch wenn der Zinskupon (also die regelmäßige Zinszahlung an den Anleger) nicht der Rede wert ist, haben die Anleihen trotzdem dramatisch an Wert gewonnen, weil ihr Kurs so stark gestiegen ist. Mit anderen Worten: Die Anleger haben Bundesanleihen gekauft, als gäbe es kein Morgen.

          Haben die Investoren allesamt den Verstand verloren? Natürlich nicht. Harald Preißler, Chefvolkswirt des Anleihespezialisten Bantleon, sagt: „In diesem Jahr war die Entwicklung außergewöhnlich. Fast alles, was sich ereignet hat, war Bundesanleihen zuträglich.“ Um diesen Zusammenhang besser zu verstehen, muss man sich ein wenig in die Anlageentscheidungen von Profi-Investoren hineindenken, die eines schon immer anders gemacht haben als die meisten Privatanleger: Viel häufiger als diese kaufen sie Anleihen, die sie vor dem Ende der Laufzeit auch wieder verkaufen – sie handeln die Papiere also aktiv. 2014 gab es eine Reihe von Gründen, warum die Profis unbedingt Bundesanleihen im Portfolio haben wollten. Einer der wichtigsten: Sie sollten ihnen als Absicherung dienen, die Fachleute sprechen von „Hedge“. Als sich nämlich im Herbst die Konjunkturaussichten für Deutschland verschlechterten, wähnten viele Profianleger ihre schönen Zugewinne mit Aktien in Gefahr. Um bei einem möglichen Kursrutsch nicht mit leeren Händen dazustehen, orderten sie zum Ausgleich Bundesanleihen. Denn deren Kurse legen in aller Regel zu, wenn die wirtschaftliche Entwicklung schwächer ausfällt als erwartet.

          Bundesanleihen als Geldparkplatz

          Es gibt aber noch einen zweiten wichtigen Grund, weshalb Bundesanleihen in diesem Jahr so beliebt waren: Anleger aus aller Welt haben sie als Geldparkplatz genutzt. Dies muss man sich so vorstellen: Wenn irgendwo auf dem Globus Unheil welcher Art auch immer entsteht (als Stichworte seien genannt: Russland, Griechenland, die Sorgen um Portugal nach der Pleite des Bankhauses Banco Espirito Santo), bringen Anleger ihr Geld dahin, wo es ihnen am sichersten erscheint. Bundesanleihen haben in dieser Hinsicht einiges zu bieten: Die Haushaltslage des deutschen Staates ist exzellent, die Ratingagenturen vergeben die Bestnote „AAA“, und die Anleihen lassen sich jederzeit wieder verkaufen, wenn man das Geld benötigt – sie sind liquide. Was im Falle kleinerer Staaten mit exzellenten Ratingnoten wie beispielsweise im Falle Norwegens und der Schweiz nicht immer gewährleistet ist.

          Der dritte Grund schließlich hat mit der deutlich gesunkenen Inflationsrate zu tun. Werte wie zuletzt 0,6 Prozent in Deutschland und 0,3 Prozent im Euroraum erleichtern es vielen Profis, Bundesanleihen zu halten. Auch wenn es sich hierbei um marginale Verschiebungen handelt: Je niedriger die Teuerung ausfällt, umso mehr sind Bundesanleihen real (also nach Abzug der Inflation) wert. Und zu guter Letzt spielt natürlich auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Rolle. Ihr sich ständig wiederholendes Bekenntnis zu einer lockeren Geldpolitik signalisiert Investoren: Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben – es besteht also überhaupt kein Grund, Bundesanleihen wegen der Aussicht auf höhere Anleiherenditen zu verkaufen.

          Aber wird sich die Kursrally fortsetzen? Die Experten von Bantleon glauben nicht daran: „2015 wird sich die Konjunktur besser entwickeln. Das spricht gegen einen weiteren Kursanstieg von Bundesanleihen.“ Möglich aber ist alles, das zeigt der Blick in die Schweiz: Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen ist dort auf kaum vorstellbare 0,26 Prozent gefallen. Im Gegenzug haben die Kurse ein neues Rekordhoch erreicht.

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