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Bundesanleihen : Die Schuldenkrise erreicht Deutschland

„Die Investoren steigen auf breiter Front aus der Eurozone aus“ Bild: dpa

Deutschland gerät weiter in den Strudel der Schuldenkrise: Hatten sich in den vergangenen Wochen die Anleger um deutsche Staatsanleihen gerissen, wollten die neue Bundesanleihe nur wenige Anleger zeichnen.

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          Schon seit einigen Tagen zeichnet sich eine Ausbreitung der Eurokrise auf die starken Staaten des Währungsverbundes ab. Waren davon zunächst Österreich, Finnland oder die Niederlande betroffen, trifft es jetzt auch Deutschland.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die am Mittwoch von der deutschen Bundesfinanzagentur angebotenen zehnjährigen Bundesanleihen fanden am Markt nur geringes Interesse. Bei einem geplanten Volumen von 6 Milliarden Euro gaben Investoren lediglich Gebote für 3,889 Milliarden Euro ab, 35 Prozent weniger als das angepeilte Maximalvolumen. Der Kupon war mit 2 Prozent der bislang niedrigste für zehnjährige Papiere.

          „Besorgniserregendes Desaster“

          Händler sprachen in ersten Reaktionen von einem erschreckend schwachen Ergebnis. „Es ist besorgniserregend, dass die beste Bonität Europas sich nicht im geplanten Umfang refinanzieren konnte“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. „Wir werten das als Misstrauensvotum gegen die Euro-Zone.“

          Die Danske Bank bezeichnete die Auktion als Desaster. Von tiefem Misstrauen gegenüber dem Euro-Projekt spricht der Analyst Jens Peter Sorensen. Die Investoren seien zum aktuellen Zins nicht zu Käufen bereit und das bedeute, dass die Euro-Schuldenkrise auf den innersten Kern der Euro-Zone überspringe. Allerdings seien deutsche Bundesanleihen noch immer die sicherste Anlage im Euroraum.

          Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg um knapp 8 Basispunkte auf 1,99 Prozent. Deutlich auf Talfahrt ging der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, der mittlerweile 83 Basispunkte auf 136,42 Prozent fällt.

          Die Kosten zur Absicherung gegen einen Zahlungsausfall bei Staatsanleihen aus dem Euroraum stiegen nach der Auktion auf Rekordhochs. Der Markit iTraxx SovX Western Europe Index, der Kreditausfallswaps von 15 Staaten umfasst, erreichte ein Allzeithoch von 370 Basispunkten.

          Schicksalsgemeinschaft

          Ian Stannard von Morgan Stanley sieht den Beginn eines Trendwechsels: „Die jüngsten Daten liefern zunehmend Beweise, dass die Investoren auf breiter Front aus der Eurozone aussteigen.“ Die jüngste Auktion stütze diese These und sei daher auch negativ für den Euro, dessen Kurs um mehr als einen halben amerikanischen Cent auf 1,34 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober fiel.

          Die Entwicklung zeigt, dass Deutschland über den Euro mit den anderen Ländern in einer Schicksalsgemeinschaft gefangen ist. Scheitert dieser, so wird dies alle Länder treffen - auch Deutschland. Können einige Länder ihre Schulden nicht bezahlen, muss Deutschland über Garantien dafür aufkommen. Je weiter diese reichen, umso mehr vermischen sich die länderspezifischen Bonitäten.

          „Die geringen Renditen sind nicht der Hauptgrund für die geringe Nachfrage“, sagt Helaba-Analyst Umlauf. „Schließlich sind die Emissionen der vergangenen Monate bei ähnlich niedrigen Zinsen problemlos durchgegangen. Im Hintergrund schwingt derzeit die Frage mit: ’Wer soll das bezahlen?’ Die letzte Bastion der Euro-Zone wird in Frage gestellt.“

          Es gab aber auch Stimmen, die vor einer Überbewertung der schwachen Nachfrage warnten.  Laut Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Rentenfondsteams der weltgrößten Fondsgesellschaft Blackrock, ist es auch in der Vergangenheit immer wieder zu nicht vollständig gezeichneten Bundauktionen gekommen. Seine weniger dramatische Erklärung ist, dass sich Banken in den vergangenen Wochen schon so fleißig mit deutschen Staatsanleihen eingedeckt haben, dass sie einfach eine Pause einlegen wollten. Gerade die Banken haben derzeit ihre Anlagevolumen eingeschränkt und hielten sich zurück, gibt er zu bedenken.

          Auch die Bundesfinanzagentur versuchte sich nach der gefloppten Versteigerung in Schadensbegrenzung: „Das Ergebnis der heutigen Auktion spiegelt das äußerst nervöse Marktumfeld“, sagte ein Sprecher. Ein solcher Erklärungsversuch ist nach einer Auktion von Staatsanleihen allerdings sehr ungewöhnlich. Der Sprecher versicherte außerdem, dass es kein Engpass bei der Refinanzierung für den Bundeshaushalt gebe.

          Letztlich bleibt abzuwarten, ob es sich tatsächlich um einen Trendwechsel handelt. Sicher ist jedoch, dass das Tauziehen in der Eurozone dem Euro und den Staaten am meisten schadet, blockiert es doch wirkungsvolle Maßnahmen und lässt die Konturen der Politik verblassen.

          Kritik an der Bundesregierung

          Vor allem die Politik der Bundesregierung wird von einigen Investoren kritisiert. Während die EU-Kommission gegen deutschen Widerstand die Einführung von gemeinschaftlichen europäischen Staatsanleihen (Eurobonds) vorschlug, warnte Kanzlerin Angela Merkel im Bundestag abermals vor einer Vergemeinschaftung der Schulden. Dies sei kein Weg, strukturelle Mängel der Währungsunion zu überwinden. Vor allem plädiert Deutschland nur für eine bessere Überwachung der Euro-Stabilitätsregeln, während die Kommission mit einer angestrebten Verschärfung der Wirtschafts- und Haushaltsaufsicht in der EU einen Schritt weiter gehen will.

          Mit seiner kritischen Haltung gegenüber einer stärkeren Fiskalunion und einer expansiven Geldpolitik gerät Deutschland zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik. Jim Leaviss, der beim britischen Vermögensverwalter M&G die Renten-Abteilung für Privatanleger leitet, warf Deutschland schon vor längerer Zeit vor, gegenüber Griechenland eine ähnlich unangemessene Politik zu verfolgen wie Frankreich gegenüber Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg.

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