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Bundesanleihen : Deutsche Zinswende gewinnt an Kontur

Bild: F.A.Z.

In der Schuldenkrise II sind Bundesanleihen als sicherer Hafen nicht gefragt. Beginnt die Europäische Zentralbank mit dem Exit? Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

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          Vor zwei Jahren mussten an Wochenenden in Liquiditätsnot geratene Banken gerettet werden. Derzeit werden in Europa Staaten gerettet, die sich über den Kapitalmarkt nicht mehr finanzieren können. Wieder geht an den Kapitalmärkten die Angst vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems um. In den Frankfurter Bankentürmen haben zum Wochenschluss die Mitarbeiter resigniert, die sich für diese Woche mit der Plazierung neuer Bankanleihen beschäftigen. „Ich kann keinem Emittenten empfehlen, jetzt an den Markt zu gehen. Alles steht auf Hold“, sagt ein Banker, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Griechenland markierte nach Zählung der Marktteilnehmer im Mai Europas Schuldenkrise I, nun hat Irland Schuldenkrise II verursacht. Und welcher Wackelkandidat kommt als Nächstes ohne europäische Hilfen nicht mehr an Geld? Schon in der vergangenen Woche hat sich die Aufmerksamkeit der Anleger von Irland auf Portugal, Spanien und Italien verschoben. Schlüpft nach Irland Portugal unter den europäischen Rettungsschirm? Dies ist für viele Marktteilnehmer nur noch eine Frage des Wann, nicht mehr des Ob. Sogar Belgien gilt nicht mehr als über alle Zweifel erhaben.

          Auch in Deutschland steigen die Zinsen

          Ausgerechnet diese Wackelkandidaten machen einen Löwenanteil an den 21 Milliarden Euro aus, um die europäische Staatsanleihen in dieser Woche am Kapitalmarkt aufgestockt werden sollen. Allein am Geldmarkt wollen die Länder Frankreich, Belgien und Portugal 11 Milliarden Euro aufnehmen. Den Auftakt macht schon an diesem Montag Italien, das mit der Aufstockung einer drei, einer sieben und einer zehn Jahre laufenden Anleihe insgesamt 7 Milliarden Euro von Anlegern einsammeln will. Am Donnerstag kommt dann Spanien. Spekulationen, die mit 3 Milliarden Euro geplante Emission von drei Jahre laufenden Staatstiteln könne abgesagt werden, wies Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Selgado zwar zurück. Sie schloss aber nicht aus, dass angesichts der für Spanien zunehmend ungünstigen Konditionen weniger Anleihen plaziert werden könnten als geplant. Zum Wochenschluss kletterte der Renditeaufschlag spanischer Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit gegenüber gleich lange laufenden Bundesanleihen erstmals auf mehr als 2,5 Prozentpunkte.

          Hinzu kommt, dass absolut nicht nur die Zinsen in den Peripherie-Ländern des Euro-Raums, sondern auch im Kernland Deutschland steigen. Das kommt für einige Marktteilnehmer überraschend. Während der Griechenland-Krise waren Bundesanleihen noch wegen ihres weithin anerkannten Charakters als sicherer Hafen geschätzt gewesen. Die Rendite fiel von Anfang Mai bis Ende August um einen vollen Prozentpunkt von 3,1 bis auf 2,1 Prozent. Rentenfonds, die überwiegend in Bundesanleihen investiert sind wie zum Beispiel der DWS Eurorenta, profitierten kräftig von den Kursgewinnen der Anleihen. So kletterte der Wert eines Rentenfondsanteils Eurorenta zwischen Anfang Mai bis Ende August um fast 4 Prozent von 51,50 auf 53,50 Euro. Inzwischen aber kostet ein Fondsanteil nur noch 51,30 Euro.

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