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Bürgeranleihe : Eine Anleihe für die Feuerwehr

  • -Aktualisiert am

Neue Funkgeräte für die Feuerwehr: Die Bürgeranleihe macht’s möglich. Bild: dpa

Jetzt können Bürger ihrer Stadt Geld leihen - und dafür Zinsen kassieren. Oestrich-Winkel prescht mit der neuen Bürgeranleihe nach vorn - andere wollen nachfolgen.

          Paul Weimann ist ein Pionier. Während viele seiner Kollegen noch über leere Kassen jammern, hat der Bürgermeister von Oestrich-Winkel längst gehandelt. In seiner 12.000-Einwohner-Gemeinde läuft gerade ein spannendes Experiment. Wenn man so will, probiert Oestrich-Winkel eine neue Form der Bürgerbeteiligung aus - die Bürgeranleihe.

          Was steckt dahinter? Alles begann mit einem Problem. Die örtliche Feuerwehr brauchte neue Funkgeräte. Die alten funktionierten zwar noch, aber entsprachen längst nicht mehr dem modernen Standard. 160.000 Euro sollte die Aufrüstung kosten - viel Geld für Oestrich-Winkel. Die Lösung war die Begebung einer Bürgeranleihe.

          Bürger wissen genau, wofür ihr Geld verwendet wird

          Sie funktioniert so: Die Bürger liehen der Gemeinde das Geld für die Funkgeräte und bekommen dafür einmal im Jahr einen festen Zinssatz ausbezahlt. In Oestrich-Winkel sind das derzeit 0,76 Prozent - nach einer Laufzeit von sechs Jahren erhalten sie darüber hinaus ihren Einsatz zurück.

          Für die Gemeinde liegt der Vorteil dieses Finanzierungswegs auf der Hand. Auf diese Weise kommt sie schneller zu ihren Funkgeräten. Doch was haben die Bürger davon? Schließlich ist ein Zins von 0,76 Prozent lächerlich gering - und liegt deutlich unter den Zinssätzen, die eine Festgeldanlage bei einer Bank derzeit abwirft.

          Das Schöne am Feuerwehr-Kredit sei, dass die Bürger genau wüssten, wofür ihr Geld verwendet werde. So werben zumindest diejenigen, die diese neue Art der Bürgerbeteiligung erfunden haben. „Leih Deiner Stadt Geld“ heißt das Start-Up-Unternehmen aus Mainz, das die Idee der Bürgeranleihe für kleinere Kommunen wie Oestrich-Winkel entwickelt hat. „Die Anleihe soll sich vor allem an Bürger richten, die sich auf diesem Wege für ihre Gemeinde engagieren wollen“, sagt Gesellschafter Jamal El Mallouki. „Sie erhalten eine sichere Geldanlage und können sich zudem daran beteiligen, Projekte schnell in die Tat umzusetzen.“ Wer stets den höchsten Zinssatz wolle, sei dagegen bei einer Bank besser aufgehoben.

          Oestrich-Winkel findet Nachahmer

          Das Interesse an den Bürgeranleihen ist jedenfalls groß: Auch andere Gemeinden wollen die Idee demnächst in die Tat umsetzen - zum Beispiel die Stadt Langen in Hessen. Dort soll mit dem Geld aus der Bürgeranleihe das komplette Straßenbeleuchtungsnetz auf LED-Lampen umgerüstet werden. Wie hoch der Zinssatz für die Bürger hier ausfallen wird, steht allerdings noch nicht fest. Weitere Gemeinden in Hessen und Niedersachsen bereiten die Einführung der Bürgeranleihe vor - auch der Deutsche Städtetag findet die Idee gut.

          Natürlich müssen die Gemeinden das Mainzer Start-Up-Unternehmen um Gesellschafter El Mallouki für deren Beratungstätigkeit bezahlen. Aber das Geld sei gut angelegt, finden sie in Oestrich-Winkel. Die ersten Funkgeräte für die Feuerwehr sind jedenfalls bereits bestellt.

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