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Britische Notenbank : Negative Renditen bedrohen Anleihenkaufprogramm

Die negativen Anleiherenditen könnten die Pläne für das Kaufprogramm der Bank of England durchkreuzen. Bild: Reuters

Die Bank of England kann weniger Anleihen kaufen als geplant. Deshalb könnte das Kaufprogramm der Notenbank in den kommenden Wochen in Frage gestellt werden.

          Nun haben die negativen Anleiherenditen auch Großbritannien erreicht. Mit milliardenschweren Anleihekäufen will die Bank von England nach dem Brexit-Votum der Briten die schwächelnde Konjunktur stützen. Doch die Gelddruckmaschine der Notenbanker gerät unerwartet ins Stottern: Sie finden nicht genügend Investoren, die bereit sind, ihnen ihre Staatsanleihen zu verkaufen. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die quantitative Lockerung – wie die Anleihekäufe im Fachjargon der Zentralbanker genannt werden – an Grenzen stößt.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Eigentlich gilt der Markt für britische Staatsanleihen wegen seiner Größe als hochliquide. Angebotsengpässe sind ungewöhnlich. Doch die Notenbank hat schon in den Jahren nach der Finanzkrise im großen Stil Staatsanleihen gekauft und hält mittlerweile rund ein Viertel des gesamten ausstehenden Bestandes. Der Markt ist dadurch deutlich „enger“ geworden. Auch andere große Notenbanken wie die Europäische Zentralbank setzen stark auf die umstrittenen Käufe, um die Wirtschaft anzukurbeln.

          Die Bank von England teilte am Mittwoch mit, sie habe am Vortag lediglich langlaufende britische Staatsanleihen im Wert von 1,118 Milliarden Pfund (rund 1,3 Milliarden Euro) gekauft. Das eigentlich angepeilte Kaufvolumen wurde damit um 52 Millionen Pfund verfehlt. Diese Käufe würden nun im Herbst nachgeholt, kündigte die Zentralbank an. Sie hatte sich am Dienstag auf Anleihen mit mehr als 15 Jahren Laufzeit konzentriert. Weitere Käufe der Notenbank von Papieren mit kürzeren Laufzeiten verliefen dagegen am Mittwoch planmäßig.

          Renditen fielen auf neue Rekordtiefstände

          Am Anleihemarkt fielen die Renditen langfristiger britischer Staatsanleihen auf neue Rekordtiefstände: Die Rendite von Papieren mit zehn Jahren Laufzeit fiel auf 0,525 Prozent, die dreißigjährigen Anleihen sanken auf 1,255 Prozent. Die Papiere mit Fälligkeiten im Frühjahr 2019 und 2020 rutschten kurzfristig sogar in den negativen Bereich. Anleger, die diese Papiere kaufen und bis zur Fälligkeit halten, erwirtschaften also keine Rendite, sondern zahlen drauf. Sinnvoll kann dies für spekulative Anleger sein, die auf weitere Kursgewinne hoffen, denn der Kurs einer Anleihe entwickelt sich gegenläufig zu ihrer Rendite. Auch die Renditen deutscher und amerikanischer Anleihen sanken am Mittwoch leicht.

          Die fallenden britischen Renditen deuten darauf hin, dass viele Anleger darauf setzen, dass die Bank von England trotz der Schwierigkeiten an ihrem Kaufprogramm festhält. Denkbar ist, dass der relativ kleine Engpass nur ein vorübergehendes Phänomen ist, das auf die umsatzschwachen Sommerwochen in der Urlaubszeit zurückzuführen ist. Doch könnten die Schwierigkeiten auch das geplante Kaufprogramm der Geldhüter grundsätzlich in Frage stellen: Obwohl die Notenbank Aufschläge gegenüber dem Marktpreis bietet, zögern manche Großinvestoren mit dem Verkauf ihrer Papiere, weil es an rentablen Wiederanlagemöglichkeiten mangelt.

          Großbritanniens Notenbankgouverneur Mark Carney hat die neue Runde an Anleihekäufen erst am vergangenen Donnerstag bekanntgegeben. Die Geldhüter wollen binnen sechs Monaten britische Staatsanleihen im Volumen von 60 Milliarden Pfund und für weitere 10 Milliarden Pfund Anleihen britischer Unternehmen kaufen. Zugleich stellte Carney weitere Käufe in Aussicht, falls sich der befürchtete Wirtschaftsabschwung nach dem Votum der Briten für den EU-Austritt bestätigen sollte. Die Zentralbank hatte in den vergangenen Jahren schon Anleihen für 375 Milliarden Pfund gekauft.

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