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Geldhaus in der Krise : Bremer Landesbank lässt Zinszahlung ausfallen

Bremer Landesbank Bild: EPA

Nach hohem Verlust bedient die Tochtergesellschaft der Nord LB Risikoanleihen nicht mehr. Was sind die Gründe für die Schieflage des Finanzdienstleisters?

          Die Krise um ausfallgefährdete Schiffskredite hat einige Banken in einen gefährlichen Strudel gesogen. Dazu zählt die HSH Nordbank, aber inzwischen auch die Norddeutsche Landesbank (NordLB). Diese hatte die Bremer Landesbank zum Jahresbeginn vollständig übernehmen müssen, weil die sich an Schiffskrediten verhoben hatte. Im vergangenen Jahr machte das Institut einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro, ihre Muttergesellschaft aus Hannover musste einen Fehlbetrag von sogar 2 Milliarden Euro ausweisen. Nun kommt es in Deutschland zum ersten Zinsausfall von Bankanleihen, die an bestimmte Gewinn- und Kapitalschwellen gekoppelt sind und nach der Finanzkrise mit dem Ziel einer größeren Haftungsmasse in einer Schieflage eingeführt worden waren.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bremer LB teilte nun mit, dass die beiden im Jahr 2015 begebenen nachrangigen Anleihen im Volumen von 150 Millionen Euro nicht bedient werden. Die Nord LB hält davon 100 Millionen Euro mit einem jährlichen Zinssatz von 9,5 Prozent bis zum Jahr 2020. Weitere 50 Millionen Euro verteilen sich auf wenige institutionelle Investoren, denen bei der Emission im Jahr 2015 für die ersten fünf Jahre ein jährlicher Zins von 8,5 Prozent in Aussicht gestellt worden war.

          Ausschüttung von Gewinnen einschränkbar

          Wie bei Nachranganleihen typisch, ist die Laufzeit unbestimmt, die Mittel sollen der Bank als haftendes hartes Kernkapital dienen. Aufgrund des größeren Ausfallrisikos im Vergleich zu gewöhnlichen Anleihen erhalten die Investoren einen deutlich höheren Zins. Die Anleihen der Bremer LB werden aber im Gegensatz zu den im vergangenen Jahr durch die Deutsche Bank in den Blickpunkt gerückten Zwangswandelanleihen („Coco Bonds“) nicht abgeschrieben oder in Aktien umgewandelt, falls ein bestimmtes Niveau in der Eigenkapitalausstattung unterschritten wird. Nach Angaben der Bremer LB hat der Vorstand den Ausfall der Zinszahlung zum nächsten Termin am 29. Juni nach eigenem Ermessen gemäß den Anleihebedingungen beschlossen.

          Die Richtung hatte schon die Nord LB im April vorgegeben, als der Zinsausfall für die ebenfalls zum Nachrangkapital zählenden Fürstenberg-Anleihen mitgeteilt worden war. Dabei handelt es sich um stille Einlagen von 325 Millionen Euro, die allerdings aufgrund der Rangfolge bei der Haftung (Bail-in) noch eher in Anspruch genommen werden können als die zum harten Kernkapital zählenden Risikoanleihen der Bremer LB.

          Es ist auch davon auszugehen, dass die Aufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgrund der hohen Verluste im vergangenen Geschäftsjahr die Zinszahlung auf besonders riskante Anleihen der NordLB und der Bremer Landesbank nicht so gerne gesehen hätten. Theoretisch können sie diese sogar untersagen, wenn bestimmte Schwellenwerte unterschritten werden.

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          Im vergangenen Jahr waren die Risikoanleihen der Deutschen Bank hohen Kursschwankungen ausgesetzt, als die Sorgen vor hohen Strafen und Verlusten Zweifel an der Bedienung dieser Titel hervorriefen. Ähnlich wie die Dividende sind auch die Zinszahlungen auf diese Anleihen an den Gewinn nach der deutschen HGB-Bilanz gekoppelt. Diese ist für ausländische Investoren schwer verständlich, was die Kursschwankungen zu einem Teil erklärt. Die EZB hatte kurz nach Weihnachten 2016 die Vorgabe für die Eigenkapitalausstattung der Deutschen Bank deutlich gesenkt, ab der sie die Ausschüttung von Gewinnen einschränken kann.

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