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Börsenaufsicht : Citigroup zahlt 285 Millionen Dollar Strafe

  • -Aktualisiert am

Insgesamt hat die SEC in Zusammenhang mit komplexen Hypothekenanleihenschon mehr als eine Milliarde Dollar an Geldstrafen und Rückzahlungen angeordnet Bild: dpa

Die amerikanische Großbank legt durch eine Zahlung in Millionenhöhe die Betrugsvorwürfe der SEC im Zusammenhang mit Hypothekenanleihen bei.

          3 Min.

          Die amerikanische Großbank Citigroup zahlt 285 Millionen Dollar, um Betrugsvorwürfe der Börsenaufsicht SEC im Zusammenhang mit dem Vertrieb komplexer Hypothekenanleihen im Vorfeld der Finanzkrise beizulegen. Die SEC hatte die Citigroup beschuldigt, Investoren eines dieser mit ausfallgefährdeten Hypotheken hinterlegten CDO-Produkte nicht über die eigene Rolle bei der Zusammenstellung der verlustträchtigen Anlagen informiert zu haben.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Citigroup hatte selbst auf einen Preisverfall des CDO-Konstrukts gewettet, ihren Kunden das aber nicht mitgeteilt. „Das Wertpapierrecht verlangt, dass Anleger mehr Sorgfalt und Offenheit erhalten, als die Citigroup diesen CDO-Investoren geboten hat“, sagte Robert Khuzami, der Leiter der Strafverfolgung der SEC.

          Mangelhaft oder falsch informiert

          Es handelt sich bei der Citigroup um den dritten Fall im Zusammenhang mit dem Vertrieb von CDO-Papieren, bei dem Banken einen Vergleich mit der SEC in dreistelliger Millionen-Dollar-Höhe schließen. Im vergangenen Jahr hatte die führende Wall-Street-Bank Goldman Sachs in einem ähnlichen Verfahren 550 Millionen Dollar gezahlt. Das größte amerikanische Kreditinstitut JP Morgan Chase einigte sich im vergangenen Juni auf die Zahlung von 154 Millionen Dollar. In beiden Fällen bemängelte die SEC, dass die Banken Investoren nicht ausreichend oder falsch informiert hatten.

          Insgesamt hat die SEC in Zusammenhang mit komplexen Hypothekenanleihen, die im Zentrum der Finanzkrise standen, schon mehr als eine Milliarde Dollar an Geldstrafen und Rückzahlungen an Investoren angeordnet. Das ist rund die Hälfte der insgesamt bei der bisherigen juristischen Aufarbeitung der Finanzkrise von der SEC verhängten Strafsumme.

          „Kein Kommentar zu bestimmten Banken“

          Gegen die Deutsche Bank, die an der Wall Street ebenfalls stark im Geschäft mit Hypothekenanleihen engagiert war, hat die SEC bisher keine Verfahren angestrengt. Vertreter der SEC und der Deutschen Bank wollten auf Anfrage nicht kommentieren, ob gegen die Bank ermittelt wird. „Wir ermitteln generell weiter wegen der Praktiken bei CDO-Anleihen, können aber keinen Kommentar zu bestimmten Banken abgeben“, sagte Kenneth Lench, der bei der SEC für die Ermittlungen bei strukturierten und neuen Finanzprodukten verantwortlich ist. Man könne aber nicht davon ausgehen, dass jede Bank das Gesetz verletzt habe. Es komme auf das konkrete Verhalten an, insbesondere ob den Angabepflichten gegenüber Investoren Genüge getan wurde, sagte Lench.

          Die Deutsche Bank rangierte 2006, im Jahr vor dem Ausbruch der Finanzkrise, nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Reuters an der Wall Street an vierter Stelle bei der Emission von CDO-Papieren. Hinter der Bank of America Merrill Lynch, JP Morgan und der Citigroup kam die Deutsche Bank auf einen Marktanteil von 8,5 Prozent.

          Deutsche Bank seit längerem unter Druck

          Die Deutsche Bank steht in Amerika wegen ihrer Rolle in der Finanzkrise aber schon seit längerem unter öffentlichem und juristischem Druck. In einem sehr kritischen Bericht hatte ein Senatsgremium Goldman Sachs und der Deutschen Bank vorgeworfen, auf den Preisverfall von CDO-Anleihen gewettet, die Papiere aber gleichzeitig ihren Kunden verkauft zu haben. Die amerikanische Regierung hat im Mai eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, Mortgage IT, zudem wegen falscher Angaben zu Hypothekenkrediten auf Schadensersatz von einer Milliarde Dollar verklagt.

          Nach Ansicht der Deutschen Bank entbehrt die Klage allerdings jeglicher Grundlage. Die Deutsche Bank hatte den amerikanischen Hypothekenfinanzierer im Jahr 2007 für 430 Millionen Dollar übernommen. Die Bundesstaatsanwaltschaft beschuldigt die Bank und Mortgage IT, sich mit falschen Angaben zur Qualität der Kreditnehmer Bürgschaften eines staatlichen Förderprogramms erschlichen zu haben.

          Abgesehen davon sind auch eine Reihe von Klagen von Firmenkunden gegen die Deutsche Bank anhängig. Im Februar hatte der große Sachversicherer Allstate eine Klage gegen die Deutsche Bank und die Citigroup angestrengt. Allstate fordert Schadensersatz für Verluste bei Hypothekenanleihen im Nennwert von mehr als 385 Millionen Dollar. Auch die New Yorker Regionalbank M&T Bank hat die Deutsche Bank wegen angeblich falscher Angaben und Betrugs bei einem CDO-Geschäft verklagt. Die Bank verteidigt sich allerdings mit dem Argument, dass diese Kunden erfahrene Anleger gewesen seien. Die Deutsche Bank selbst habe mit Engagements im Hypothekenmarkt Milliarden von Dollar verloren.

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