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Börsen ziehen sich zurück : „Der Markt für Mittelstandsanleihen ist tot“

Insolvenzantrag im Oktober: Anleiheemittent MS Deutschland GmbH Bild: dapd

Die Börse Stuttgart wendet sich nach vielen Insolvenzen von dem von ihr gegründeten Segment ab. Die Börse Düsseldorf nennt es nicht mehr Mittelstand. Was ist der Grund dafür?

          Die Börse Stuttgart wirbt nicht mehr aktiv um neue Emittenten in ihrem Segment für Mittelstandsanleihen BondM. „Der Markt ist tot“, sagt Christoph Lammersdorf, Vorstandsvorsitzender der Börse Stuttgart. Die Börse Stuttgart hatte das Segment als erste Börse in Deutschland im Frühjahr 2010 aus der Taufe gehoben. „Wir sind stolz, diese Lücke in der Mittelstandsfinanzierung entdeckt zu haben“, sagt Lammersdorf. Die Banken seien in der Zwischenzeit aber aufgewacht und böten den Unternehmen mittlerweile sehr gute Konditionen. „Übrig bleiben die Unternehmen, die anderweitig kein Geld mehr bekommen haben, das ist für uns kein attraktives Geschäft.“

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Einige der Anleihen in Bond M und auch der später in Frankfurt und Düsseldorf gegründeten Mittelstandssegmente sind mittlerweile ausgefallen oder ihre Kurse deuten darauf hin, dass der Markt nicht mehr an eine vollständige Rückzahlung des geliehenen Geldes an die Anleger glaubt. „Auch erfahrene Kapitalmarktexperten sind von Emittenten getäuscht worden“, sagt Lammersdorf. „Wenn kriminelle Energie im Spiel ist, haben auch Experten kaum Chancen, Risiken zu erkennen.“ Das Thema sei für ihn nun durch, sagt der Vorstandsvorsitzende. „Das Segment bleibt offen. Wir stellen natürlich weiterhin Kurse und die Transparenz sicher, bis voraussichtlich 2019 die letzte Anleihe ausläuft.“

          Nur für Anleger, die Risiken erkennen und einschätzen können

          Auch die Börse Düsseldorf ist unzufrieden mit dem Zustand des Marktes. „Es gab zu viele Ausfälle und der Begriff Mittelstand wurde von vielen Privatanlegern irrtümlich als Synonym für hohe Qualität verstanden“, sagt Dirk Elberskirch, Vorstandsvorsitzender der Börse Düsseldorf. „Wir haben aber weiterhin Interesse an diesem Segment und an dem Kapitalmarktzugang für kleine und mittelgroße Unternehmen.“ Die Börse Düsseldorf will daher auch weiterhin um Emittenten für ihr als Mittelstandsmarkt bezeichnetes Segment werben und sich auch kein Urteil über deren Qualität anmaßen. „Das Wort Mittelstand wird aber nicht mehr benutzt werden und wir wollen die Risiken dieser Anleihen noch deutlicher auf den ersten Blick sichtbar machen“, sagt Elberskirch. Die Gespräche mit allen Beteiligten über die Reform des Segments laufen derzeit noch.

          Anders als in Düsseldorf und Stuttgart gab es im Entry Standard in Frankfurt auch in diesem Jahr wieder einige Neuemissionen, obschon die für Freitag geplante Emission der österreichischen SAG Motion mangels Investoreninteresse abgesagt werden musste. Mit 55 notierten Anleihen und einem Volumen von 2 Milliarden Euro liegt Frankfurt derzeit weit vor Stuttgart mit 18 Anleihen und Düsseldorf mit 14. „Wir bauen das Geschäft weiter aus und halten das Konzept für sinnvoll, jungen wachsenden und mittelständischen Unternehmen eine Ergänzung zum klassischen Bankkredit zu bieten und sie an den Kapitalmarkt heranzuführen“, sagt Cord Gebhardt, Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Zahl der bislang sechs Ausfälle in Frankfurt ficht ihn dabei nicht an. „Wir haben hier in Frankfurt eine sehr niedrige Anzahl von Insolvenzen. Jede Insolvenz ist bedauerlich, liegt aber in der normalen Risikobreite des Segments.“ Einen Reformbedarf sieht Gebhardt nicht. „Diese Anleihen sind nur für Anleger geeignet, die Risiken erkennen und einschätzen können.“

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