https://www.faz.net/-gv6-89qx6

Bewährungsstrafen geplant : Ende des Kapitels Göttinger Gruppe

  • Aktualisiert am

Nobel Residenz: Bei der Göttinger Gruppe dominierte stets der Schein. Bild: ddp

Der Name „Göttinger Gruppe“ stand in den Neunziger Jahren zunächst für Altersvorsorge und Bundesliga-Sponsoring, dann für Anlagebetrug. Vor dem Landgericht wird jetzt das letzte Kapitel geschlossen.

          Die Göttinger Gruppe wurde in den Neunzigern Jahren als Sponsor des Fußball- Bundesligisten VfB Stuttgart bekannt. Auch den Zweitliga-Club Tennis Borussia Berlin hatte die Gruppe in die Champions League bringen wollen. Irgendwann aber platzte das umstrittene Geschäftsmodell, 2007 kamen Haftbefehle gegen Verantwortliche der Gruppe, der das Kartenhaus endlich zum Einstürzen brachte.

          Nun wird mehr als acht Jahre nach der Pleite der Göttinger Gruppe die strafrechtliche Aufarbeitung der Milliarden-Insolvenz wohl mit milden Bewährungsstrafen enden. Die beiden letzten Vorstandsmitglieder haben am Montag vor dem Landgericht Göttingen Geständnisse abgelegt.

          Die beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder der zur Göttinger Gruppe gehörenden Securenta AG waren wegen  Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßiger Untreue angeklagt. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung verständigten sich nun nach Aussage eines Justizsprechers auf diue Bewährungsstrafen, nachdem der Prozess erst am Montag begonnen hatte.

          Die beiden nun Angeklagten sollen den Insolvenzantrag für die Securenta AG erst eineinhalb Jahre nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit im Jahr 2005 gestellt haben. Außerdem sollen sie zusammen mehr als 60.000 Euro an Firmengeldern veruntreut haben.

          Mit atypischen stillen Beteiligungen hatten 250.000 Anleger mehr als 1 Milliarde Euro für die Altersvorsorge gespart. PSP hieß ein Produkt, das auf den Steuerspartrieb von Anlegern setzte. Diese wurden Miteigentümer an den Beteiligungsunternehmen der Gruppe, die ihnen anfangs steuerlich wirksame Verluste bescherten. In der Göttinger Gruppe wurden immer neue Unternehmen gegründet oder erworben und die Anleger konnten als stille Teilhaber in eine Folgegesellschaft wechseln. Diese macht dann wieder Verlust, während die Vorgängergesellschaft begann Gewinne zu erwirtschaften. So zumindest der Plan.

          Doch die Beteiligungsgesellschaften machten eher seltene hohe und nachhaltige Gewinne. Und Anleger, die ihre Beteiligung kündigen wollten, kamen aus dem Gesellschafterverhältnis in den seltensten Fällen heraus. Und nachdem die Göttinger Gruppe zur fehlerhaften Gesellschaft wurde, war das sogenannte Auseinandersetzungsguthaben Null oder negativ. Die Pleite des Unternehmens war einer der größten Finanzskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte.

          Weitere Themen

          Amerikas Unternehmenslenker rufen zur Nachhaltigkeit auf

          Erklärung : Amerikas Unternehmenslenker rufen zur Nachhaltigkeit auf

          Eine der wichtigsten Interessengruppen amerikanischer Unternehmen trägt in einer Erklärung die Orientierung am „Shareholder Value“ zu Grabe. Nicht nur das Wohl der Anteilseigner, sondern das der ganzen Gesellschaft soll künftig zählen.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.
          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.