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Beteiligungsmodell : ENBW lockt mit Windkraft

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Wartungsarbeiten am Windkraftrad Bild: dpa

Der baden-württembergische Energieversorger ENBW will Kleinanleger für die erneuerbaren Energien gewinnen und lockt mit einem festen Zinssatz. Die Sache ist aber nicht unproblematisch.

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          Der  Energieversorger ENBW geht neue Wege. Man will Kleinanleger für die erneuerbaren Energien gewinnen. Die Interessenten können eine Summe zwischen 1000 und 10 000 Euro anlegen zu einem festen Zinssatz von jährlich 2,5 Prozent, wie Ingo-Peter Voigt, Leiter Konzernfinanzen und Investor Relations des in Karlsruhe ansässigen Unternehmens mitteilte. Das Gesamtvolumen der Anlage ist auf 2 Millionen Euro gedeckelt. Das Geld wird in bereits bestehende Windkraftanlagen an Land investiert, die mehrheitlich im Besitz von ENBW-Töchtern sind. Die 17 Windparks mit einer Leistung von rund 156 Megawatt sind in Baden-Württemberg, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und in Norddeutschland.

          Die Sache ist nicht unproblematisch. Konstruiert ist das Ganze als Nachrangdarlehen, wie Voigt mitteilte. Normalerweise stehen solche Anleger im Falle einer Insolvenz ganz hinten an. Im vorliegenden Fall verweist Voigt aber darauf, dass die Bonität des Konzerns hinter der Anlage stehe. Doch das Risiko eines Totalausfalls kann den Anleger trotzdem treffen: falls die betroffene ENBW-Tochter zahlungsunfähig wird. Dieses Risiko entstehe, wenn auch die Muttergesellschaft ihren Verlustausgleichspflichten nicht nachkomme. Das Geschäft zwischen Anleger und ENBW wird über eine eigens eingerichtete Online-Plattform abgewickelt.

          Es wird bewusst in bereits bestehende Windparks investiert, um nicht das Risiko einzugehen, das bei einem Neubau entstehe. Der baden-württembergische Konzern behalte auf jeden Fall die Mehrheit der Anteile an dem Windkraftpaket, erklärte Voigt. Sowohl die Wartung als auch die Betreuung der Anlagen erfolge durch den Konzern. Ende 2021 soll die Rückzahlung des Anlagebetrags erfolgen. Die Bedingungen des Darlehens kann der Konzern eigenen Angaben zufolge nicht einseitig ändern.

          Mit dem für die ENBW neuen „Windkraft-Beteiligungsmodell für Bürger“ will der Konzern erst einmal entsprechende Erfahrungen sammeln. Voigt sprach von einem „Akzeptanz-Test“, ob die entsprechende Online-Plattform funktioniere und vom Anleger angenommen werde. Bei erfolgreichem Verlauf kann sich Voigt auch vorstellen, das Angebot zu erweitern in Richtung Neubauprojekte für Anlagen an Land oder für den Bereich Netze. Für Meereswindparks hält Voigt das Modell zunächst nicht für geeignet, weil es erstens ein hohes Baurisiko gebe und noch nicht genügend Erfahrung in Sachen Betrieb vorliegen. Bis zum Jahr 2020 will die ENBW ihre Kapazitäten aus Windparks am Land auf rund 1000 Megawatt erhöhen.

          Bislang hatte der dem Land Baden-Württemberg und dem Zweckverband OEW gehörende Konzern vor allem Kommunen, Stadtwerke und Genossenschaften bei den Windparks mit ins Boot geholt. Ein ähnlicher Vorstoß des früheren Bundesumweltministers Peter Altmaier (CDU) vor zwei Jahren, Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich mit ihrem Kapital - in Anteilen von je 500 Euro - zu einem festen Zinssatz von 5 Prozent am Netzausbau zu beteiligen, hatte keine größere Resonanz gefunden und war höchst umstritten. Anteile an neuen Netzen sollten vorrangig Eigentümern von Grundstücken oder Bewohnern von Gemeinden angeboten werden, die vom Netzausbau betroffen sind, darüber hinaus auch der Allgemeinheit.

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