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Beteiligungsgesellschaften : Private Equity profitiert von den eigenen Fehlern

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Bild: F.A.Z.

Die großen Beteiligungsgesellschaften wollen künftig von ihren eigenen Verfehlungen profitieren. Sie stellen Fonds für notleidende Schuldner auf die Beine. „Viele der Restrukturierungen werden Refinanzierungen sein,“ heißt es.

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          Die großen Beteiligungsgesellschaften wollen künftig von ihren eigenen Verfehlungen profitieren. Immer mehr Private-Equity-Gesellschaften stellen Fonds für notleidende Schuldner auf die Beine oder bauen eigene Restrukturierungseinheiten auf, die Firmen bei finanziellen Schwierigkeiten beraten. „Die meisten der großen Beteiligungsgesellschaften sind schon in das Schuldengeschäft eingestiegen oder planen einzusteigen", sagt Dirk van Daele, Kovorstandschef von DAM Capital, einem bankenunabhängigen Mittelstandsfinanzierer. Unter anderem arbeiten derzeit die Texas Pacific Group und JC Flowers an Fonds, die in strauchelnde Finanzunternehmen investieren sollen.

          Die Beteiligungsgesellschaften, deren Stars wie David Rubenstein von Carlyle oder David Bonderman von der Texas Pacific Group in der kommenden Woche in München auf dem Branchentreff „Super Return" - was übersetzt „super Gewinne" bedeutet - zusammentreffen, richten sich damit auf ungemütlichere Zeiten ein. Denn die Zeiten der Supergewinne sind längst vorbei.

          Große Unternehmenskäufe aufgrund der Finanzkrise unmöglich

          Große Unternehmenskäufe sind seit Beginn der Finanzkrise unmöglich. Und ein wirtschaftlicher Abschwung in den nächsten Jahren dürfte die von den Beteiligungsfonds mit Schulden überhäuften Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern zuerst treffen. "Ich erwarte keine Pleitewellen, aber dass Beteiligungsfonds in einer Reihe von Fällen Eigenkapital nachschießen oder die Kontrolle abgeben müssen", sagt Gerd Bieding, für das Restrukturierungsgeschäft zuständiger Geschäftsführer der Investmentbank Close Brothers.

          In Amerika zeichnet sich dieser Trend schon jetzt deutlich ab: Im Januar sind dort die Ausfallraten der Kredite nach Daten der Ratingagentur Standard & Poor's von 6 Prozent im Vormonat auf 11 Prozent hochgeschossen. Und in Europa hinken nach einer Untersuchung der Agentur 53 Prozent der von Private-Equity-Gesellschaften übernommenen Unternehmen ihren Ergebnisprognosen hinterher. Bei der Hälfte komme der Schuldenabbau nicht so voran wie angekündigt. Investmentbanker berichten, viele der Schuldtitel dieser Unternehmen würden zu deutlich weniger als 80 Prozent ihres Ursprungswertes angeboten. Derzeit finden sich kaum Käufer für diese Papiere.

          Weltweit haben Finanzinvestoren nach Zahlen des Forschungsinstituts Private Equity Intelligence 35 Milliarden Dollar (24 Milliarden Euro) für Fonds eingeworben, die auf notleidende Kredite spezialisiert sind. Dieses Volumen dürfte nach Ansicht von Beobachtern in diesem Jahr nach oben schießen. Am aggressivsten dringt der amerikanische Finanzinvestor Blackstone in das wachsende Geschäft mit Schieflagen aller Art vor. Blackstone ist gleich auf drei Feldern aktiv: Die Beteiligungsgesellschaft erwarb kürzlich den auf notleidende Kredite spezialisierten Hedge-Fonds GSO, hat einen Fonds für Übernahmekredite aufgelegt und baut derzeit mit dem von der Investmentbank Close Brothers abgeworbenen Manager Martin Gudgeon eine Restrukturierungsmannschaft für Europa auf.

          „Viele der Restrukturierungen werden Refinanzierungen sein“

          Einen ersten Fall könnte Gudgeon bald im eigenen Portfolio finden: Der Folienhersteller Klöckner Pentaplast ist in Schwierigkeiten und wird wahrscheinlich im Juni seine im Kreditvertrag vereinbarten Ergebnisziele verpassen. Blackstone hatte Klöckner im vergangenen Mai für 1,3 Milliarden Euro übernommen und den Schuldenstand kräftig erhöht.

          Wenn Unternehmen wie Klöckner Pentaplast oder die Autowerkstattkette ATU, bei denen die Besitzer KKR und Doughty Hanson am Freitag anboten, Eigenkapital nachzuschießen, in Schwierigkeiten geraten, schlägt die Stunde der auf notleidende Kredite spezialisierten Fonds. Auch hier könnte Blackstone von den eigenen Missgeschicken profitieren: In einer Kunden-E-Mail des Hedge-Fonds GSO heißt es, der Fonds dürfe nach der Übernahme gegen Blackstone antreten - also auch notleidende Kredite von Blackstone-Deals kaufen.

          Neben den Beteiligungsgesellschaften richten sich auch die auf finanzielle Restrukturierung spezialisierten Investmentbanken wie Houlihan Lokey, Hawk Point, Close Brothers, Rothschild oder Lazard auf schlechtere Zeiten ein: "Die Turbulenzen auf den Finanzierungsmärkten sind eine echte Chance für uns", sagt Hans Lotter, einer der beiden Deutschland-Chefs von Rothschild. Die Investmentbank stockt derzeit ihr Restrukturierungsteam personell auf. Ebenso Close Brothers, die kürzlich ihren Restrukturierungsbereich und die Unternehmensfinanzierung zu einer neuen, 30 Mitarbeiter starken Einheit namens "European Debt Advisory" zusammengelegt haben.

          „Viele der Restrukturierungen werden Refinanzierungen sein", sagt Bieding. Unter Refinanzierung ist die Umschuldung von Krediten zu verstehen. Auch die auf die Ausgabe von Krediten für Unternehmenskäufe spezialisierten Banken wie Royal Bank of Scotland richten sich darauf ein, dass ihre Mitarbeiter in diesem Jahr kaum an neuen Unternehmenskäufen, sondern vorwiegend an Refinanzierungen arbeiten werden.

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