https://www.faz.net/-gv6-qdpy

Bertelsmann-Genussscheine : Rückkaufangebot vor allem für Käufer der jüngsten Zeit interessant

Bertelsmann: So wie der „Club” den „Lesering” ablöste, tut das die Anleihe wohl mit dem Genussschein Bild: Bertelsmann AG

Nach 30 Jahren verlieren Genussscheine in der Finanzierung von Bertelsmann weiter an Bedeutung. Der Medienkonzern unterbreitet den Inhabern der 2001 emittierten Scheine ein Rückkaufangebot. Dies ist vor allem für Jung-Anleger attraktiv.

          Die Inhaber der 2001 emittierten Genussscheine des Medienkonzerns Bertelsmann haben derzeit bewegte Tage - im positiven Sinn. Nachdem der Konzern in der vergangenen Woche angekündigt hatte, entgegen aller Spekulationen, die volle Ausschüttung von 15 Prozent auf das Wertpapier leisten zu wollen, legte er am Dienstag nun ein Rückkaufangebot vor.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          180 Prozent bietet Bertelsmann an. Das war eine Prämie von rund 25 Prozentpunkten gegenüber dem Schlusskurs des vergangenen Woche. Mittlerweile sind es nur noch rund fünf, stieg doch der Kurs des Scheins am Dienstag um rund 10 Prozent.

          Vom Eigenkapital zu Schulden

          „Wir nutzen wie viele andere Unternehmen auch das derzeitige Marktumfeld, um unsere Kapitalstruktur zu optimieren und die Kapitalkosten zu senken“, sagte Finanzvorstand Thomas Rabe am Dienstag. Durch die Umstellung auf internationale Rechnungslegungsnormen habe der Genussschein seine ursprüngliche Funktion als Eigenkapitalinstrument verloren.

          Diesen Charakter erhalten die wie Anleihen verzinslichen Scheine dadurch, dass sie gegebenenfalls auch am Verlust eines Unternehmens teilnehmen können. Dies erfuhren zuletzt die Gläubiger der heute Corealcredit heißenden Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR), die allein 2006 eine Minderung ihrer Rückzahlungsansprüche um rund zwei Drittel hinnehmen mussten, als nur mit Mühe ein Bankrott des Instituts abgewendet werden konnte. Auch den Inhabern von Genussscheinen deutscher Landesbanken könnten dies drohen.

          Nach internationalen Rechnungslegungsnormen und nach Ansicht der Rating-Agenturen aber zählen Genussscheine zu den Schulden. „Außerdem ist der Genussschein außerhalb Deutschlands kaum bekannt und ausländischen Investoren schwer zu erklären. Insgesamt haben die Genussscheine unter Finanzierungsaspekten deutlich an Attraktivität für uns verloren“, erklärte Rabe im hausinternen Online-Dienst Be-Net.

          Vergleichsweise teure Finanzierung

          Zudem kommt der Genussschein den Konzern vergleichsweise teuer. Vor allem einer stärker als erwartete Verbesserung der Geschäfte in der zweiten Jahreshälfte war es zu verdanken, dass Bertelsmann die volle Ausschüttung überhaupt leisten konnte. Nicht nur haben Genussscheine aufgrund der eigenkapitalähnlichen Risiken üblicherweise eine höhere Nominalverzinsung als vergleichbare Anleihen. Zudem war das Zinsniveau 2001 deutlich höher als derzeit.

          Während also Bertelsmann auf die Genussscheine eine Ausschüttung von bis zu 15 Prozent leistet, zahlt der Konzern auf die im Januar 2009 begebene Anleihe lediglich einen Zins von 7,875 Prozent. Und dieser war seinerzeit aufgrund der Lage an den Anleihemärkten schon verhältnismäßig hoch. Der von den Rating-Agenturen eine Stufe besser bewertete Mischkonzern Alstom zahlt für eine jüngst begebene Anleihe nur 4 Prozent, der italienische Medienkonzern Mediaset, der kein Rating hat, lediglich 5 Prozent. Selbst Anleihen mit 30jähriger und längerer Laufzeit werden derzeit niedriger verzinst als mit 15 Prozent.

          Ursprünglich einmal dienten Genussscheine Bertelsmann als Instrument zur Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter. Dies wurde jedoch 2003 durch Barausschüttungen oder Beiträge zu einer Pensionskasse ersetzt.

          Attraktiv für die Mutigen der jüngsten Zeit...

          Nicht allen Genussscheininhabern dürfte der Preis attraktiv erscheinen. Immerhin notierte der Schein von der Emission im Januar 2001 bis zum 30. September 2008 mehr als sieben Jahre lang lediglich im März 2003 dauerhaft unter diesem Preis. Zudem ist der voraussichtliche Ausschüttungsanspruch für das Geschäftsjahr 2009 mit dem Kaufpreis abgegolten, so dass der Nettopreis für den Schein kalkulatorisch mit 165 Prozent anzusetzen ist. Diesen Kurs erreichte der Schein aber erstmals im Oktober 2008, blieb aber bis zum Wochenbeginn darunter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kramp-Karrenbauer kommt : Zumutung oder Chance für die Bundeswehr?

          An die Spitze der Streitkräfte tritt eine Frau, die in den vergangenen Monaten Schneid bewiesen hat, die zu überraschenden Attacken ebenso in der Lage ist wie zum beharrlichem Verfolgen ihrer Ziele.

          Made in Space : Eine Fabrik im Weltraum

          Die Vereinigten Staaten wollen zurück zum Mond. Dabei sollen private Unternehmen helfen. Ein Partner der Raumfahrtbehörde Nasa ist auf 3D-Druck im All spezialisiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.