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Bericht vom internationalen Kapitalmarkt : Die Eurokrise muss politisch gelöst werden

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Bild: F.A.Z.

Selten wurden die Marktteilnehmer an den Finanzmärkten so auf dem falschen Fuß erwischt wie in der vergangenen Woche, als sie von der Warnung der Europäischen Zentralbank (EZB) überrascht wurden, eine Anhebung des Refinanzierungssatzes könne kurz bevorstehen.

          Selten wurden die Marktteilnehmer an den Finanzmärkten so auf dem falschen Fuß erwischt wie in der vergangenen Woche, als sie von der Warnung der Europäischen Zentralbank (EZB) überrascht wurden, eine Anhebung des Refinanzierungssatzes könne kurz bevorstehen. Nun gehen Marktteilnehmer davon aus, dass die EZB womöglich schon auf ihrer nächsten Sitzung am 7. April die erste Zinserhöhung von 1 auf 1,25 Prozent beschließen, im Juli nochmals reagieren und im kommenden Jahr mit mindestens zwei weiteren Zinsschritten nachlegen könnte.

          Warum reagiert die EZB so schnell, die beiden anderen großen Notenbanken, die Federal Reserve und die Bank von England, jedoch nicht? Die Fed blickt auf die Kerninflationsrate. Diese Preissteigerungsrate berücksichtigt nicht die als erratisch angesehenen Lebensmittel- und Energiepreise.

          Ein Frage der Glaubwürdigkeit

          Die Fed muss nach ihrem Mandat zudem auf das Wirtschaftswachstum, mithin die Arbeitslosenquote achten, die im Februar 8,9 Prozent betragen hat. Solange eine so hohe Arbeitslosigkeit besteht und die Kapazitäten der Industrie nicht voll ausgelastet sind, ist die Gefahr von Zweitrundeneffekten gering. Somit gibt es in den Augen der Fed keinen Grund, die extrem expansive Geldpolitik zu beenden. Dies hat der Präsident der Fed, Ben Bernanke, vergangene Woche wieder deutlich gemacht.

          In Großbritannien liegt die Inflation mit 4 Prozent doppelt so hoch, wie es das Inflationsziel erlaubt, und dennoch wird das geldpolitische Komitee auch an diesem Donnerstag den Leitzins voraussichtlich nicht heraufsetzen. Großbritannien muss derzeit mit dem härtesten Sparprogramm der öffentlichen Hand seit dem Zweiten Weltkrieg fertig werden. Der auf 115,97 Dollar je Barrel (à 159 Liter) gestiegene Ölpreis - gemessen an der Nordseesorte Brent - belastet die privaten Haushalte zusätzlich. Daher kommt die Einschätzung der Bank von England, nicht voreilig mit einer Zinserhöhung zu reagieren. Die Gefahr ist freilich, dass die Notenbank ihre Glaubwürdigkeit einbüßt, was in Ansätzen zu beobachten ist. In den Augen der Marktteilnehmer ist das Vorgehen der EZB konsequent, wenn es auch in der Londoner City als voreilig angesehen wird - ähnlich wie die letzte Zinserhöhung der EZB 2008 kurz vor der schweren Rezession.

          Die Argumentation der Angelsachsen sieht so aus: Der Ölpreis ist ein von außen an die Volkswirtschaft herangetragener Schock. Höhere Zinsen eignen sich nur bei Inflationsgefahren, die sich ergeben, wenn die Kapazitäten im Lande ausgereizt sind und deshalb Arbeitnehmer und Arbeitgeber Verhandlungsmacht haben, höhere Löhne und Preise durchzusetzen. Dies mag in Deutschland in Ansätzen der Fall sein, wie sich diese Woche in den Industrieaufträgen und der Industrieproduktion Deutschlands zeigen dürfte. Die Lage in den Peripherieländern im Euroraum ist anders, auch wenn sich die Inflation in der Währungsunion auf 2,4 Prozent beläuft. Diese Länder kämpfen mit extrem restriktiver Fiskalpolitik, einem zu hohen Wechselkurs und schwachem Wachstum. Spanien hat eine Arbeitslosenquote von 20 Prozent.

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