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Bericht vom internationalen Finanzmarkt : Transatlantische Schuldenkrisen

Amerika, hast du es besser? Firmensitz von Ernst & Young in New York Bild: REUTERS

Der Untergang kleiner Banken geht weiter. Während man für die Vereinigten Staaten allenfalls von einer latenten Schuldenkrise sprechen kann, rückt sie in Europa wieder stärker in den Blickpunkt. Portugal steht vor einer wichtigen Anleihe-Plazierung.

          Amerika, hast Du es besser? In mancherlei Hinsicht vielleicht; in puncto Staatsverschuldung eigentlich nicht. Auch wenn man die scheinbar dramatische Warnung von Finanzminister Timothy Geithner vor einer baldigen Zahlungsunfähigkeit nicht dramatisieren sollte, da das republikanisch dominierte Repräsentantenhaus durch eine Zustimmung zu neuen Schulden die Zahlungsunfähigkeit verhindern sollte.

          Gleichwohl wäre es aus Sicht der Finanzmarktteilnehmer nicht schlecht, wenn Washington eine längerfristige Perspektive für eine Eindämmung des Schuldenwachstums aufzeigen könnte. Die Vereinigten Staaten befänden sich in Gefahr, ihr AAA-Rating zu verlieren, wenn keine bessere Politik betrieben werde, sagte dieser Tage Bill Gross, einer der Chefs des vorwiegend auf Anleihen spezialisierten kalifornischen Vermögensverwalters Pimco.

          Im Herbst kündigte die Fed weitere Käufe von Staatsanleihen an

          Die Schuldenprobleme in den Vereinigten Staaten befinden sich auch nicht nur auf der nationalen Ebene. Die Neuverschuldung Kaliforniens im vergangenen Jahr entsprach nach Schätzungen des Nobelpreisträgers Gary Becker rund 20 Prozent der Staatsausgaben des Bundesstaats. Einen ähnlichen Vergleichswert nennt Becker auch für Illinois. Die bekannte Wall-Street-Analystin Meredith Whitney erwartet im laufenden Jahr Zahlungsausfälle bei Anleihen (“municipal bonds“) regionaler und lokaler Schuldner.

          Dass die Anleiherenditen - die amerikanische Zehnjährige rentiert mit 3,33 Prozent exakt auf dem Niveau französischer Zehnjähriger - nicht deutlich höher sind, liegt nach Ansicht der Notenbank Fed nicht zuletzt an der Fed. Vizepräsidentin Janet Yellen hat am Wochenende einen Vortrag in Denver gehalten, auf dem sie ein Arbeitspapier von vier Fed-Ökonomen präsentierte. Dieses Papier befasst sich mit den Wirkungen der Politik der sogenannten „quantitativen Lockerung“.

          Die Fed hatte nach Ausbruch der Krise in einem ersten Schritt Wertpapiere, im Wesentlichen Staatsanleihen und Immobilienwertpapiere, im Wert von 1700 Milliarden Dollar angekauft, um deren Renditen möglichst niedrig zu halten. Im Herbst 2010 kündigte die Fed dann eine zweite Initiative mit Käufen von Staatsanleihen über 600 Milliarden Dollar an.

          Der Untergang kleiner Banken geht weiter

          Yellen präsentierte eine Schätzung, wonach als Folge dieser Politik bis Ende 2012 insgesamt 3 Millionen Arbeitsplätze gesichert wurden. Außerdem liege die Inflationsrate um ein Prozent über dem Wert, den sie ohne die aktive Geldpolitik erreicht hätte. Die Führung der Fed hat in der jüngeren Zeit mehrfach erklärt, dass sie die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten für zu niedrig halte. Dagegen sind die Fed-Ökonomen zu dem Schluss gelangt, dass die Geldpolitik nur einen sehr geringen Einfluss auf die Bewertung des Dollar an den Devisenmärkten ausübe. Yellens Präsentation wird sicherlich zu lebhaften Debatten führen - nicht zuletzt auch in der Fed, wo die Zahl der Kritiker an der aktuellen Geldpolitik zuzunehmen scheint.

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