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Bericht vom internationalen Finanzmarkt : Furcht vor der unkontrollierten Pleite

  • -Aktualisiert am

Griechenland schwebt über allem: Geht Athen im Juli das Geld aus? Bild: REUTERS

Anleger fürchten, Griechenlands Pleite könnte aus Versehen über sie kommen. Noch ist unklar, wie groß das neue Programm für Athen werden muss. In den kommenden Tagen dürften sich Varianten einer Beteiligung privater Gläubiger abzeichnen.

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          Europas Staatsschuldenkrise ist wieder zu einem beherrschenden Thema der Kapitalmärkte geworden: Wenn in den kommenden zwei Wochen keine zusätzlichen Hilfskredite für Griechenland organisiert werden, wird dem griechischen Staat Anfang Juli das Geld ausgehen. Denn die nächste Tranche der Kredite wird der Internationale Währungsfonds nur freigeben, wenn die Finanzierung des griechischen Anpassungsprogramms für mindestens ein Jahr im Voraus gesichert ist. Da der Plan, Griechenland schon Mitte 2012 wieder kreditwürdig erscheinen zu lassen und dann neue private Gläubiger zu finden, gescheitert ist, muss nun zusätzliches Geld organisiert werden. Andernfalls könnte ein ungeordneter Staatsbankrott Griechenlands bevorstehen, warnte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble in der vergangenen Woche.

          Auf den Märkten überwiegt eindeutig die Erwartung, Deutschland und die anderen Kernländer der Währungsunion werden auch diese Rechnung begleichen. Doch ein Restrisiko bleibt, dass es anders kommt. Und so sind die Kurse auf den Aktienmärkten in den vergangenen Wochen kräftig gesunken – gemessen am Dax und dem breiter angelegten F.A.Z-Index, der die Wertentwicklung der wichtigsten 100 deutschen Aktien abbildet, allein in der vergangenen Woche um knapp 1 Prozent.

          Die Geberländer brauchen den Segen ihrer Parlamente

          Dabei haben alle handelnden Parteien ein Interesse daran, dass Griechenlands Bankrott jetzt noch nicht kommt. Die Griechen selbst gehen zwar auf die Straße und demonstrieren gegen die Sparbeschlüsse ihrer Regierung. Doch die Politiker, auch die der Opposition, wissen nur zu gut, dass eine Zahlungsverweigerung weitaus schlimmere Folgen für das Land hätte. Griechenlands Staat gibt selbst unter Herausrechnung des Schuldendienstes mehr aus, als er einnimmt. Die fehlende Summe beläuft sich derzeit auf etwa 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Käme es jetzt zu einem Bankrott, müsste der Haushalt schneller und härter konsolidiert werden, als das unter den Vorgaben des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union ohnehin notwendig ist. Zudem drohte der Zusammenbruch der griechischen Banken – vermögende Griechen bringen ihr Geld schon jetzt im Ausland in Sicherheit. Schon der Anschein eines bevorstehenden Bankrotts könnte daraus eine wilde Flucht machen.

          Auch den Geberländern ist ein Jahr nach dem Beginn des griechischen Hilfsprogramms nicht daran gelegen, dass der Schützling so früh finanziell kollabiert. Die Aussicht auf eine neuerliche Bankenkrise schreckt sie zusätzlich ab, zumal die Europäische Zentralbank die Risiken der Ansteckung auf andere finanzschwache Euroländer wie Portugal und Irland sowie (mit noch riskanteren Folgen) auf Italien und Spanien in den düstersten Farben schildert. Griechenland allein ist mit seiner Überschuldung allerdings auch schon genügend besorgniserregend. Am 20. Juni müssen die Finanzminister der Eurogruppe sich schon auf die wesentlichen Punkte des neuen Hilfsprogramms für Griechenland einigen, damit sie am 24. Juni beim Gipfeltreffen der EU-Regierungen beschlossen werden können. Dann soll übrigens auch die Ausweitung des Kreditrahmens des Stabilisierungsfonds EFSF auf 440 Milliarden Euro beschlossen werden.

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