https://www.faz.net/-gv6-1596r

Bausparen : Keine lohnende Geldanlage

  • -Aktualisiert am

Bausparen heißt Sparen für den Bau - und nur dafür Bild: dpa

Wüstenrot, Schwäbisch Hall und andere Bausparkassen locken mit guten Zinsen und der Sicherheit der angelegten Gelder. Aber wer nicht bauen will, sollte sich darauf nicht einlassen.

          Die spießigen Anlagen sind bei Sparern wieder in. Wenn es ums Geld geht, kann es vielen derzeit gar nicht uncool und altmodisch genug zugehen. So wie beim Bausparen. Denn das ist sicher und einfach zu verstehen. Damit, so glauben Anleger, können sie nichts falsch machen - auch wenn sie gar nicht bauen wollen. Zumal man derzeit ja nirgends eine richtig gute Rendite bekommt. Das relativiert den geringen Grundzins von Bausparverträgen.

          Die Bausparkassen empfehlen sich gern als sicherer Ort fürs Ersparte. „Was auch immer Sie planen - einfach nur Geld sparen“ wirbt die Landesbausparkasse LBS. Mehr als jeder Zweite schließt Studien zufolge einen Vertrag ab, ohne bauen zu wollen - und möchte schon nach wenigen Jahren wieder aussteigen.

          Zu Anfang erst einmal im Minus

          Das lohnt sich aber nicht, der Sparer kann sogar noch Geld verlieren. Denn die meisten der 25 deutschen Bausparkassen zahlen heute beim Ansparen nur noch einen winzigen Anlagezins von 1 oder 1,5 Prozent - der ist dann für die gesamte Spardauer fest. Effektiv liegt die Rendite für das eingezahlte Geld in den ersten Jahren noch niedriger: auf Sparbuchniveau. Das gleicht gerade einmal die Teuerungsrate aus.

          Die Verzinsung ist gering, weil bei der Unterzeichnung des Vertrages Abschlusskosten von 1 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme anfallen. Das treibt das Bausparkonto erst einmal ins Minus. Bei einer durchschnittlichen Bausparsumme von 25 000 Euro sind da gleich 250 Euro weg. Das Landgericht Heilbronn hat vor einigen Tagen diese Gebühr für rechtens erklärt - sie sei Teil des Bausparsystems, in dem die Sparer Monat für Monat einen festen Betrag in einen Topf einzahlen, aus dem andere ein Baudarlehen bekommen. Daneben muss der Kunde häufig auch noch für die Kontoführung zahlen.

          Unter der Sparkasse

          Nur wer mindestens sieben Jahre sparen will, kann mit seinem Bausparvertrag deutlich höhere Zinsen bekommen. Denn dann ist der Bausparvertrag reif für die Zuteilung. Das heißt, man hat genug gespart, um ein Baudarlehen zu bekommen. Wer aber das Baugeld nicht in Anspruch nimmt, erhält bei einer Reihe von Bausparkassen rückwirkend einen Bonuszins. Das scheint diese Verträge fast so attraktiv wie Banksparpläne zu machen. Sind sie aber nicht.

          Das zeigt ein Vergleich der beiden Alternativen: Nur zwei Bausparkassen bieten derzeit Renditen mit einer Drei vor dem Komma an. Die anderen liegen noch viel deutlicher hinter der Bankkonkurrenz. Bei einer Sparrate von 1000 Euro im Jahr und einer Ansparzeit von sieben Jahren zahlt die Alte Leipziger Bauspar derzeit 3,38 Prozent Rendite und damit am meisten. Das ist etwas weniger als der Sparplan der Sparkasse Leipzig mit 3,89 Prozent Rendite, der besten am Markt (siehe Infografik).

          Wenig, aber sicher

          „Bausparen steht im Moment im Vergleich zum Sparplan gar nicht so schlecht da“, sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH. Doch bei der Bank ist der Sparer viel flexibler. Er bekommt auch gute Zinsen, wenn er nur vier oder fünf Jahre spart. Dem Bausparer entgeht in diesem Fall der Bonus. „Wer als Anleger einfach nur Geld zurücklegen will, sollte gar nicht erst ans Bausparen denken“, sagt Herbst.

          Aber es ist ja vor allem die Sicherheit, die Anleger nach der Pleite der Investmentbank Lehman zu den Bausparkassen treibt. Strenge Anlageregeln - riskante Spekulationsgeschäfte sind tabu - verhindern, dass Bausparkassen mit dem eingesammelten Geld Unsinn treiben. „Besser Bausparverträge als Zertifikate, da bekommt man wenigstens sein Geld zurück, auch wenn die Rendite niedrig ist“, sagt Achim Tiffe vom Institut für Finanzdienstleistungen. Aber der Sparerschutz ist kein Privileg der Bausparkassen. Da gilt die Zusicherung von Kanzlerin Angela Merkel, dass „alle Einlagen der Sparer sicher“ seien.

          Festgeld erscheint derzeit attraktiver

          Bausparen lohnt nur für diejenigen, die wirklich bauen wollen. Wer trotzdem wegen der Sicherheit sein Geld bei der Bausparkasse anlegen will, sollte einen Tarif wählen, bei dem er einen Bonuszins bekommt, wenn er am Ende der Laufzeit kein Baudarlehen will.

          Sparer, die einen größeren Geldbetrag für wenige Jahre anlegen wollen, fahren derzeit mit Festgeld am besten. Dort werden im Schnitt 2,5 Prozent Zinsen für ein Jahr gezahlt, bei den attraktivsten Angeboten fünf Prozent. Für längere Laufzeiten werfen fünfjährige Bundesanleihen 2,3 Prozent ab.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Immer mehr, immer größer, immer schneller: Autos auf den Straßen von Berlin.

          Wandel der Mobilität : Augen auf vorm Autokauf!

          Ob Auto, Bahn oder Fahrrad – Mobilität ist individuell und abhängig von Bedürfnissen und Lebensumständen. Doch jeder sollte bereit sein, sich zu hinterfragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.