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Baugeld : So billig wie noch nie

Gute Gelegenheit Bild: ddp

Deutsche Eigenheimfinanzierer können sich Baugeld zu historisch günstigen Konditionen sichern. Ein Kredit mit zehnjähriger Zinsbindung kostet weniger als 3,7 Prozent. Objekte mit erstklassiger Bonität sind sogar günstiger zu finanzieren.

          Deutsche Eigenheimfinanzierer können sich gegenwärtig Baugeld zu historisch günstigen Konditionen sichern. Nach Berechnungen der FMH-Finanzberatung kostet ein Immobilienkredit mit zehnjähriger Zinsbindung derzeit im Schnitt 3,68 Prozent. Dies stellt nach Angaben von Max Herbst, Inhaber der unabhängigen FMH-Finanzberatung, einen historischen Tiefstand dar. Der bisherige Rekord wurde im September 2005 mit 3,72 Prozent gemessen. Auch fünfjähriges Baugeld ist mit aktuell 2,92 Prozent auf einem Rekordtief. Hier wird sogar der bisherige, ebenfalls aus dem September 2005 stammende Tiefstand von 3,29 Prozent noch deutlicher unterschritten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einzig Immobilienkredite mit einer Laufzeit von 15 Jahren bewegen sich mit einem durchschnittlichen Effektivzins von 4,12 Prozent noch leicht über den vor knapp fünf Jahren erreichten 4,09 Prozent. Auch Interhyp, der Online-Vermittler für private Baufinanzierungen, meldet ein historisches Zinstief. Der aktuell günstigste Effektivzins für einen zehnjährigen Kredit liege mit 3,21 Prozent auf dem bislang niedrigsten Niveau, berichtet der Hypothekenvermittler, der mit rund 250 Baufinanzierern zusammenarbeitet.

          Finanzierung von Immobilienobjekten mit erstklassiger Bonität

          Bei diesen Konditionen ist zu beachten, dass es sich um Finanzierungen von Immobilienobjekten in allerbester Lage handelt und die Kreditnehmer eine erstklassige Bonität aufweisen müssen. Ansonsten muss mit Aufschlägen von bis zu 50 Basispunkten gerechnet werden. Trotzdem bleibt Baugeld für Kreditnehmer, die eine durchschnittliche Bonität aufweisen und Objekte außerhalb der Top-Lagen finanzieren wollen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr günstig.

          Den Rückgang der Konditionen führt Interhyp-Gründer und -Vorstand Robert Haselsteiner auf die deutlich gesunkenen Renditen für amerikanische und deutsche Staatsanleihen zurück. Die Renditerückgänge sind verbunden mit entsprechenden Kursgewinnen dieser Schuldtitel. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte am Montag mit 2,67 Prozent. Das ist zwar etwas höher als in der vergangenen Woche, als sogar die Marke von 2,6 Prozent unterschritten worden war. Jedoch bleiben die Zinskonditionen für den Bund auf historischen Tiefständen.

          An den Renditen der deutschen Staatsanleihen orientieren sich die Kreditmärkte. Banken oder Unternehmen begeben ihre Schuldtitel mit einem Risikoaufschlag zur Bundesanleihe, die als ausfallsicher gilt. Weisen die Banken oder Unternehmen ein unverändertes Risikoprofil auf, können sie in der Refinanzierung von den günstigeren Renditen des Bundes profitieren. Denn der Referenzzins liegt nun niedriger als zu einem früheren Zeitpunkt. Nach Ansicht von Haselsteiner setzen die Akteure an den Zinsmärkten plötzlich sehr aggressiv auf Deflation. Darunter ist ein deutlicher Preisrückgang zu verstehen, also das Gegenteil von Inflation. Dieses Szenario wird kurzfristig für wahrscheinlicher gehalten als die Geldentwertung. Dass die Investoren in sichere Staatsanleihen flüchten, liegt auch an ihrer Risikoscheu. Anlagen wie Aktien oder Anleihen finanzschwacher Euro-Länder werden verkauft und die daraus freigesetzte Liquidität im sicheren Hafen Bundesanleihe geparkt.

          Zinsbindung über möglichst lange Laufzeit empfohlen

          Finanzberater Herbst empfiehlt Bankkunden eine Zinsbindung über einen langen Zeitraum. Da die Verschuldung für ein Eigenheim in der Regel hoch ausfalle, sollten Kreditnehmer eine möglichst lange Bindung mit niedrigem Zinssatz wählen. Auch Haselsteiner rät zu einer langen Zinsbindung, um für Kalkulationssicherheit zu sorgen. "Im langfristigen Vergleich mussten die Deutschen für ihr Eigenheim meist deutlich tiefer in die Tasche greifen", betont Marcus Weismantel von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Sollte die Europäische Zentralbank - wie angekündigt - Liquidität aus dem Finanzmarkt ziehen, werde dies früher oder später auch wieder zu spürbaren Zinserhöhungen führen. Deshalb sollten sich Bauherren jetzt möglichst lange Laufzeiten sichern, rät Weismantel.

          Bei den Kundengesprächen in der Immobilienfinanzierung spielt der Inflationsaspekt nach Angaben von Deutscher Bank und Commerzbank eine immer größere Rolle (F.A.Z. vom 22. Mai). Immer mehr Deutsche wollen sich so vor einer mittelfristig drohenden Geldentwertung schützen. Allerdings weist die Bundesbank bis März noch einen Nachfragerückgang aus. Gegenüber dem Vorjahresmonat ging das Neugeschäft in der Baufinanzierung um 13 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro zurück.

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