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Bankenanleihen : Hoffen auf frisches Nachrangkapital

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Bild: F.A.Z.

Die von der Deutschen Bank geplante Emission einer Nachranganleihe könnte für den eingefrorenen Markt für Hybridanleihen zum Eisbrecher werden. Privatanleger haben mit diesen Instrumenten allerdings schlechte Erfahrungen gemacht.

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          Die von der Deutschen Bank geplante Emission einer Nachranganleihe könnte für den eingefrorenen Markt für Hybridanleihen zum Eisbrecher werden. Frankfurter Händler berichten, dass mehrere andere Banken ähnliche Emissionen in Erwägung ziehen. Die Deutsche Bank plant eine Begebung im Wert von weniger als einer Milliarde Euro, um ihre Kapitalbasis zu stärken (F.A.Z. vom 25. August). Die Ankündigung gilt als weiteres Indiz, dass sich die Finanzierungslage der Banken entspannt hat.

          In diesem Jahr hat zwar der nominelle Wert der Emissionen von Wertpapieren, die das Kernkapital der Banken stärken, leicht zugenommen. Doch das resultiere vor allem aus Umtauschangeboten, erläutert Christian Enger, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Zusätzliches Kapital sei in diesem Jahr bisher nur in geringem Umfang per Nachranganleihe aufgenommen worden.

          Gläubiger von Nachrang- oder Hybridanleihen laufen hinterher

          Nachrang- oder Hybridanleihen sind Zinstitel mit sehr langer oder sogar unbegrenzter Laufzeit. Ausschüttung und Tilgung können entfallen, wenn es dem Emittenten schlechtgeht. Im Fall der Insolvenz erhalten zudem zunächst alle anderen Gläubiger ihr Geld. Die Inhaber der Nachranganleihen kommen erst danach und unmittelbar vor den Aktionären an ihr Geld. Wegen dieser Konstruktion zählen die Anleihen gegenüber Aufsicht und Ratingagenturen als Eigenkapital.

          Vor dem Beginn der Finanzkrise waren solche Anleihen eine beliebte Finanzierungsquelle der Banken. Denn die Anleger begnügten sich mit geringen Zinsaufschlägen gegenüber normalen erstrangigen Anleihen und unterschätzten das Risiko. Die Rechnung wird seit Mitte 2007 präsentiert. Bis zum März 2009, dem Höhepunkt der Bankenkrise, hat sich der durchschnittliche Risikoaufschlag für sogenannte Tier-1-Anleihen, die dem Kernkapital zugerechnet sind, auf rund 18 Prozentpunkte verfünffacht. Das war mit hohen Kursverlusten verbunden. Der Wert der Anleihen ist zeitweise um rund zwei Drittel gefallen. Ähnlich stark war auch der Anstieg der Risikoaufschläge für riskantere Formen des Ergänzungskapitals (Lower-Tier-2).

          Doch seit März hat sich die Lage entspannt. Gegenüber dem Sommer 2007 beträgt der Wertverlust für Bankenanleihen, die dem Kernkapital zuzurechnen sind, durchschnittlich nur noch rund 25 Prozent. Die Risikoaufschläge haben sich auf durchschnittlich etwa 11 Prozentpunkte verringert. Und für wenig mehr wird auch die Deutsche Bank ihre neuen Titel anbieten. Im Gespräch sind Kuponzinsen von 9 bis 10 Prozent.

          Nach der Krise sind hohe Kupons nötig

          Das ist nicht zu vergleichen mit den Zinsen für Hybridanleihen, die vor dem Beginn der Finanzkrise begeben worden waren. Damals verschafften sich viele Banken Eigenkapital zu Vorzugskonditionen und boten vor allem vielen Privatanlegern Titel mit erstaunlich niedrigen Zinsen an. Mitunter erhielten die Anleger nur den Satz, zu dem Banken untereinander variable gegen feste Zinsen für einen Zeitraum von zehn Jahren tauschen. Als Risikoaufschlag gab es in manchen Fällen nur einige Basispunkte an Extrazinsen. Derartig bescheiden ausgestattet, fiel der Kurs der Anleihen meist unmittelbar nach der Begebung, als von einer Finanzkrise noch gar nicht die Rede war. Mit Wucht abwärts ging es, als die Furcht vor einem Massensterben der Banken aufkam. Ein Titel der Deutschen Bank wurde zum Beispiel zeitweise nur noch für 40 Cent je Euro Nennwert gehandelt.

          In dieser Phase wurde die Verunsicherung der Anleger durch staatliche Eingriffe noch weiter verstärkt. In Großbritannien zum Beispiel veränderte der Staat nach der Rettung der Immobilienbank Bradford & Bingley nachträglich die Bedingungen für Anleihen, die zum Ergänzungskapital zählen. Für sie gilt eigentlich, dass Zinsen nur im Fall der Insolvenz gestrichen werden können. Nun soll das auch möglich sein, wenn die Bank noch gar nicht zahlungsunfähig ist.

          Ähnliche Bestrebungen habe es auch in Deutschland gegeben, berichtet Christian Enger von der Landesbank Baden-Württemberg. Doch inzwischen sei das Gesetz in einer milderen Form verabschiedet worden. Die neuen Eingriffsrechte der Aufsichtsbehörde, die nun Ausschüttungen untersagen darf, beziehen sich nur auf das Kernkapital und riskantere Formen des Ergänzungskapitals.

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