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Niedrigzinspolitik : Immer mehr Unternehmen zahlen Strafzins

Die Politik der Europäischen Zentralbank breitet sich immer mehr in der Wirtschaft aus. Bild: Helmut Fricke

Die Deutsche Bundesbank weist erstmals einen negativen durchschnittlichen Einlagenzins für Firmenkunden aus. Wie lange werden Privatkunden noch verschont?

          3 Min.

          Die Banken versuchen noch immer zu beschwichtigen, aber nun ist es amtlich: Sie verlangen von vielen Unternehmen inzwischen negative Einlagenzinsen. Das zeigt die aktuelle Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank. Demnach hat im März der Zins für Einlagen der Unternehmen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr minus 0,03 Prozent betragen. Das haben Banken von ihren Großkunden im Schnitt für neue Mittel über knapp 15 Milliarden Euro verlangt. Noch Anfang des Jahres erhielten die Unternehmen einen positiven Zins von 0,1 Prozent.

          Markus Frühauf
          (maf.), Wirtschaft

          Damit breitet sich die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) immer mehr in der Wirtschaft aus. Derzeit verschonen die Banken noch Privatkunden, mit Ausnahme von Einzelfällen wie der Deutschen Skatbank für Einlagen von mehr als 3 Millionen Euro. Aber zuletzt hatte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon eingeräumt, dass die Sparkassen ihre Privatkunden nicht auf Dauer vor negativen Einlagenzinsen schützen können. Diese gelte für den Fall, dass die Phase sehr niedriger Zinsen noch länger andauere.

          Banken erhöhen Gebühren für Dienstleistungen

          Laut Bundesbank erhielten Privatkunden im März für täglich fällige Einlagen im Durchschnitt einen Zins von 0,1 Prozent. Für bis zu einem Jahr waren es 0,34 Prozent. Doch diese Konditionen dürften nicht mehr lange gelten. Immer mehr Banken zahlen für Girokonten keinen Zins mehr und erhöhen stattdessen die Gebühren für Dienstleistungen.

          Eine längere Niedrigzinsphase erwartet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er sagte am Montag, dass die EZB ihre expansive Geldpolitik voraussichtlich ausweiten werde. Noch nicht im Juni, wahrscheinlich auch noch nicht im September, aber im vierten Quartal, so Krämer. Erst im März hatte die Notenbank den Leitzins von 0,05 Prozent auf null Prozent gesenkt. Der Einlagensatz der Banken wurde von minus 0,3 auf minus 0,4 Prozent gedrückt. Das bedeutet, dass die Institute für die Mittel, die sie bei der EZB parken, einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen müssen.

          Diesen reichen sie verstärkt an die Großkunden weiter. „Negative Einlagenzinsen für Unternehmen sind nun wohl kein Einzelfall mehr“, wertet Peter Barkow, Berater für Finanzierungen, die jüngste Entwicklung. Er hatte auf die Zinsstatistik der Bundesbank aufmerksam gemacht.

          Verschärfte Strafzinsen zu erwarten

          Commerzbank-Ökonom Krämer erwartet, dass die Strafzinsen für bei der Notenbank geparktes Geld abermals verschärft werden. Er geht von einer weiteren Senkung des Einlagensatzes auf minus 0,5 Prozent aus. Doch er rechnet nun mit Freibeträgen, so dass die Banken nicht auf ihre gesamten überschüssigen Geldreserven den vollen Strafzins zahlen müssen. Am Kapitalmarkt gehen ihnen die Alternativen für die Anlage aus. Mit ihren monatlichen Käufen von Anleihen über nun 80 Milliarden Euro drückt die EZB die Renditen von Staatsanleihen in den negativen Bereich.

          Doch auch hier ist nach Ansicht von Krämer das Ende noch nicht erreicht. „Ein Element dürfte sein, dass sie über den März 2017 hinaus Anleihen kaufen wird.“ Die Zentralbank kauft seit mehr als einem Jahr Staatsanleihen der Euroländer, mit Hypotheken- oder Staatskrediten unterlegte Bankanleihen (Covered Bonds; Pfandbriefe) und demnächst auch Unternehmensanleihen. Das Programm soll nach den bisherigen Planungen bis Ende März 2017 laufen und wird dann insgesamt einen Umfang von 1,74 Billionen Euro haben.

          Mit dem Kaufprogramm will die EZB eine höhere Kreditvergabe der Banken bewirken. Aber sie drückt damit auch deren Erträge. So weisen viele Staatsanleihen im Euroraum inzwischen eine negative Rendite auf. Die aktuellen Marktzinsen von Bundesanleihen in einer Laufzeit von bis zu neun Jahren lagen am Montag im negativen Bereich. Eine negative Rendite weisen französische Staatsanleihen auf, die in bis zu sechs Jahren fällig werden. Italienische Titel von bis zu zwei Jahren tragen einen Minuszins.

          „Die Zeit kostenloser Girokonten ist vorbei“

          Nach Zählung der Ratingagentur Fitch gibt es in der Welt inzwischen Staatsanleihen mit negativen Zinsen im Volumen von fast 10 Billionen Dollar. Der Großteil stammt aus Japan und dem Euroraum. Die Anleihen mit negativen Zinsen kosten die Banken jährlich 24 Milliarden Dollar, weil die durchschnittliche Rendite minus 0,24 Prozent beträgt. Die durchschnittliche Rendite deutscher Bundesanleihen beträgt laut Fitch minus 0,09 Prozent.

          Schon vor geraumer Zeit haben Banken die EZB vor den Folgen ihrer extremen Niedrigzinspolitik gewarnt. Statt die Kreditvergabe anzuregen, könnten die Banken gezwungen sein, die Kosten auf der Einlagenseite durch höhere Kreditzinsen aufzufangen. Das hatte zum Beispiel der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, angedeutet. Eine andere Möglichkeit, die vor allem Privatkunden betrifft, sind die Gebühren. So können sich Giro- und Kreditkarten verteuern, die bislang im Rahmen des kostenlosen Girokontos gratis angeboten wurden.

          Immer mehr Bank verlangen nun auch wieder Kontoführungsgebühren. Sparkassenpräsident Fahrenschon hatte vor Wochen gesagt: „Die Zeit kostenloser Girokonten ist vorbei.“ Dafür hatte Andreas Dombret, Bundesbank-Vorstand für Bankenaufsicht, Verständnis gezeigt: „Je länger das gegenwärtige Zinsumfeld Bestand hat, desto höher steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass man die Negativzinsen vielleicht doch weitergeben muss.“

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