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Banken-Stresstest : Investoren warten auf spanische „Bad Bank“

  • -Aktualisiert am

Filiale der Banco Popular Bild: REUTERS

Nach einem Stresstest für spanische Banken erhöht die Banco Popular ihr Kapital um 2,5 Milliarden Euro. Die Ratingagentur Moody’s äußert sich positiv über die Ergebnisse des Tests und befürwortet die Kapitalisierung der Banken.

          Der Druck auf die spanischen Banken, ihr Kapital zu erhöhen, zeigt Wirkung: am Montag verkündete die fünftgrößte spanische Bank, die Banco Popular, eine Kapitalerhöhung von 2,5 Milliarden Euro, um einer Staatsbeteiligung aus dem Wege zu gehen. Banco Popular reagiert damit auf den von den Wirtschafsprüfern des Unternehmens Oliver Wyman im europäischen Auftrag ausgeführten Stresstest spanischer Banken.

          Am Freitag hatte Oliver Wyman angekündigt, dass von den 14 untersuchten spanischen Instituten sieben Geldhäuser Kapital von insgesamt 53,7 Milliarden Euro benötigen, um die absehbaren Verluste der spanischen Immobilien- und Wirtschaftskrise schultern zu können.

          Vier Institute bereits in Staatshand

          Banco Popular war das einzige Institut, dessen Kapitalbedarf im Krisenfall sogar mehr als 2 Prozent der risikogewichteten Aktiva der Bank betragen würde, das aber seinen Kapitalbedarf eigenständig decken kann. Auch die Ibercaja könnte allein ihren Kapitalbedarf decken. Die Institute Ceiss, BMN, Caja 3 und Liberbank werden indessen wohl staatliche Hilfe brauchen. Vier weitere Institute, deren Kapital aufgestockt werden muss, sind bereits in Staatshand, nämlich die Catalunyabank, B.Valencia, NCG Banco und die BFA/Bankia.

          Investoren warten nun mit Spannung darauf, welche Details am Freitag zu der spanischen Neugründung einer „Bad Bank“ bekannt gegeben werden. Sie soll den spanischen Banken den Ballast von den Bilanzen nehmen. Damit sich aber Privatinvestoren finden, die sich an der Bad Bank beteiligen, müssen die Konditionen, zu denen die Vermögenspositionen von den spanischen Banken an die Bad Bank übertragen werden, realistisch sein. Hierbei werden die Annahmen der Stresstests maßgeblich sein.

          Santander mit dem höchsten Überschuss, Bankia mit dem größten Bedarf

          Die Ratingagentur Moody’s hat am Montag betont, dass bei den Stresstests mit mehr als 400 Wirtschaftsprüfern extrem detailliert vorgegangen worden sei. Die Annahmen seien viel realistischer gewesen als zuvor bei spanischen Stresstests. In vielen Details glichen die Stresstests den Analysen von Blackrock zur irischen Bad Bank „Nama“. Die am Freitag bekannt gegeben spanischen Tests waren von der spanischen Regierung in Madrid, von der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank, der europäischen Bankenaufsicht EBA und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) beaufsichtigt worden.

          Analysten von Moody’s, JP Morgan und Citigroup kritisieren aber, dass in den spanischen Tests die erforderliche Kernkapitalquote im Katastrophenszenario auf 6 Prozent der risikogewichteten Aktiva gesenkt wurde. Dies war weniger als im „normalen“ Test, bei dem mit einer Kernkapitalquote von 9 Prozent gearbeitet wurde. Moody’s rügt, dass eigentlich eine einheitliche Kernkapitalquote hätte angesetzt werden müssen.

          Eine Welle von Fusionen

          Die spanische Bankenprüfung berücksichtigte als „Kapitalpuffer“ zudem die Rückstellungen der Banken aus den letzten drei Jahren und nicht nur - wie am Markt üblich - der letzten beiden Jahre. Moody’s schätzt, dass die spanischen Banken zwischen 70 und 105 Milliarden Euro Kapital bräuchten, wollten sie ihre Verluste sofort realisieren und immer noch eine Kernkapitalquote von 8 bis 10 Prozent einhalten. Dennoch: Moody’s wertet die Tests insgesamt als positiv und die bevorstehende Kapitalisierung der Banken als gut für die Branche.

          Der spanische Staat wird letztlich ohnehin „nur“ etwa 40 Milliarden Euro Kapital einbringen müssen. Wie hoch der Betrag exakt sein wird, hängt von den Plänen zur Kapitalaufnahme und Restrukturierung der Institute ab. Die Banken müssen diese Pläne der spanischen Notenbank in den nächsten Wochen vorlegen. Die Analysten von Citigroup hoffen, dass sich der spanische Immobilienmarkt nun bereinige. Erst dann kehrten die Investoren an den spanischen Markt zurück.

          Am 23. Oktober läuft zudem das Verbot von Leerverkäufen spanischer Bankaktien aus. Dies wird dem Markt neue Liquidität zuführen, die notwendig sein wird, damit ein Institut wie die Banco Popular seine Kapitalerhöhung wird durchziehen können. Die Analysten der Citigroup erwarten aber, dass die Kurse der spanischen Bankaktien sinken werden, wenn das Leerverkaufsverbot ausläuft.

          Schließlich leiden die Institute unter einer hohen Verwässerung ihres Aktionärskapitals. Allerdings dürfte die Bereinigung des spanischen Bankensektors eine Welle von Fusionen in Gang setzen. Bereits angekündigte Zusammenschlüsse von Ibercaja, Caja 3 und Liberbank sowie von der Unicaja und Ceiss werden jedoch möglicherweise annulliert oder neu verhandelt.

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