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Banken : Kreditkartenzinsen in Amerika steigen

  • -Aktualisiert am

Konsum auf Pump: Die Amerikaner kaufen gerne mit Kreditkarte Bild: AFP

Die amerikanischen Banken haben auf ein neues Gesetz und die schlechte Wirtschaftslage reagiert und die Zinsen für Kreditkarten erhöht. Das könnte sich nun auf die Kauffreude der Amerikaner auswirken und erst recht zur Bremse für die Konjunktur werden.

          In den Vereinigten Staaten steigen die Zinsen für Kreditkarten, obwohl die Renditen für Staatsanleihen und die Hypothekenzinsen zuletzt weiter gefallen sind. Die Anbieter von Kreditkarten, überwiegend Banken, reagieren mit der Anhebung der Zinsen auf ein neues Gesetz, das unter anderem die Höhe von Strafgebühren für eine zu späte Zahlung des geschuldeten Betrags begrenzt. Zudem können die Anbieter nicht mehr so flexibel wie früher Zinsen für säumige Kunden erhöhen. Dazu werden die Bilanzen der Banken angesichts der schleppenden Konjunktur und hoher Arbeitslosigkeit immer noch von überdurchschnittlich hohen Kreditausfällen belastet. „Die Regeln haben sich geändert und die Torpfosten des Risikos haben sich verschoben“, sagt Paul Galant, Vorstandschef der Kreditkartensparte bei der Großbank Citigroup.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Im zweiten Quartal lag der durchschnittliche Zinssatz von Kreditkarten nach Angaben der Marktforschungsgesellschaft Synovate bei 14,7 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit 2001. Im zweiten Viertel 2009 hatten Banken von Kreditkartenschuldnern im Durchschnitt 13,1 Prozent Zins verlangt. Der Abstand der Kreditkartenzinsen zur Prime Rate, einer Art Leitzins der amerikanischen Geschäftsbanken, beträgt derzeit 11,45 Prozentpunkte. Nach Einschätzung von Synovate ist das die höchste Spanne seit mindestens 22 Jahren. Zum Vergleich: Der Zinsabstand zwischen einer zehnjährigen Staatsanleihe und einer Hypothek mit dreißigjähriger Laufzeit, beides übliche Vergleichsmaßstäbe für den Zins-Trend, liegt bei nur 1,93 Prozentpunkten. Nach Angaben des Informationsdienstes HSH Associates entspricht das nahezu dem historischen Durchschnitt. Zehnjährige Staatspapiere werden derzeit mit 2,5 Prozent verzinst.

          800 Milliarden Dollar Kreditkartenschulden

          Steigende Kreditkartenzinsen könnten nun die Kauffreude der Verbraucher trüben, die der wichtigste Motor der amerikanischen Konjunktur sind. Im zweiten Quartal gab es nach Angaben der New Yorker Notenbank 381 Millionen Kreditkartenkonten in den Vereinigten Staaten. Das Volumen der Kreditkartenschulden belief sich auf 800 Milliarden Dollar oder rund 6 Prozent aller Schulden der amerikanischen Verbraucher. Den größten Anteil daran haben Hypotheken mit 8,8 Billionen Dollar oder 74 Prozent.

          Die Initiatorin des Verbraucherschutzgesetzes für Kreditkarten, die demokratische Abgeordnete Carolyn Maloney aus dem Bundesstaat New York, hatte die Beschränkung der Gebühren zuletzt als eine Art Konjunkturprogramm verkauft. Sieben der größten amerikanischen Kreditkartenanbieter, darunter die Citigroup und Konkurrenten wie Bank of America, J.P. Morgan Chase und Wells Fargo schätzen, dass das Kreditkartengesetz ihre Gebühreneinnahmen allein 2010 um mindestens 2,5 Milliarden Dollar reduzieren werde. „Das ist echtes Geld in den Taschen jedes Kreditkartenkunden in Amerika – und zwar inmitten der Großen Rezession, wenn sie es am meisten gebrauchen können“, sagte Maloney.

          Die letzten Auflagen des schon im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesetzes sind in dieser Woche in Kraft getreten. Verbraucher profitierten zudem von dem Gesetz, weil es unliebsame Überraschungen eliminiere und die Kosten für Kreditkarten transparenter mache. „Es ist besser, dass Verbraucher gleich wissen wie hoch der Zinssatz ist – selbst wenn er höher ist – als später mit Tricks und versteckten Gebühren geschröpft zu werden“, meint Maloney.

          Bei Konjunkturerholung wieder günstiger

          Das neue Gesetz verbietet Kreditkartenanbietern auch, Zinsen rückwirkend zu erhöhen. Bei neuen Kunden dürfen sie den Zinssatz in den ersten zwölf Monaten nicht anheben. „Die Anbieter dachten: ‚Wenn wir die Zinsen im ersten Jahr nicht anheben können, warum heben wir sie nicht schon an, bevor jemand eine Kreditkarte beantragt?'“, erläutert Bill Hardekopf, der Vorstandschef von Lowcards.com, ein Informationsdienst für Verbraucher. So hat die Bank Capital One Financial im Juni den Zinss für eine an junge Erwachsene gerichtete Classic Platinum Karte um 2,9 auf 19,8 Prozent angehoben. Viele Kreditkarten haben variable Zinsen.

          Ein Anstieg der Prime Rate, würde nach Ansicht einiger Fachleute rasch an Kunden weitergegeben werden. Das könnte geschehen, wenn sich die Konjunktur erholt und die Notenbank den Leitzins anhebt. Beim Bankenverband ABA sieht man das anders. „Es ist eine wettwerbsintensive Industrie“, sagt Kenneth Clayton, ein Vertreter des ABA. Es werde Banken geben, die bei einer Konjunkturerholung die nachlassenden Ausfallraten nutzen werden, um mit günstigen Angeboten neue Kunden zu werben.

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